Zweigelt Unplugged, 2011, Hannes Reeh

Hannes Reeh, AndauIm Glas dunkles kräftiges Rubingranat, opaker Kern. In der Nase dicht und fett, Vanille und Kakao, leichte Schärfe, eingelegte Rumzwetschken, Zimt, auch rotbeerige Noten. Am Gaumen Vanille, Röstnoten, eingelegte Weichseln, saftig, fruchtig, dunkle Beeren, Toast. noch nicht ganz weiche Tannine, mittellang bis lang im Mund mit rotbeerigen Noten und etwas Toast.

Die gute Nachricht ist, dieser Zweigelt ist keine böse Überraschung. Die weniger gute Nachricht ist, er ist im Grunde gar keine Überraschung. Will heißen, er ist ein wenig unspannend, etwas gefällig und geschliffen. Schön und auch cool und der Weinmacher hat auch alles richtig gemacht,dieser hier passt sicher zu einer ganzen Menge an Gerichten. Wenn ein Weinhändler mit leuchtenden Augen etwas hervorholt und dabei aufgeregt sagt: „Hier hab ich etwas, das wird Ihnen garantiert gefallen!“, dann ist es dieser Wein. Aber dadurch ist er vielleicht auch ein wenig vorhersehbar: Da gibt es nichts zu entdecken, keinen Spannungsbogen, keine Ecken und Kanten. Man könnte sagen, unkompliziert im besten Sinne. Die Verkosterrunde hat dafür vier fette Spirits und natürlich auch eine Kaufempfehlung. Kaufen und liegen lassen, er braucht noch. Der Vorliegende wurde doppeldekantiert und ist dadurch etwas zugänglicher. Prost.

Hannes Reeh, der Vorzeigewinzer aus Andau, der Beinahe-Industriewinzer vom Neusiedlersee, der ehemalige Jungwinzer, der mit beiden Beinen fest auf der Erde geblieben ist und nachwievor alle seine hunderte Barriques selber verkostet. Die Weingärten macht der Vater, der weiß seit 40 Jahren wie das geht. Der große Keller wird von ihm selbst gemanaged, mit Nase und Gaumen und viel Augenmaß.

Verkostet, am 10.11.2013
Bild: Reeh

 

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