Zigarrenreifung. Premiumgenuss oder Imagepflege?

TischhumidorKönnen Zigarren reifen? Oder müssen sie das sogar? Wie lange kann oder soll man sie lagern um den perfekten Rauchgenuss zu erleben?

Premium-Zigarren sind Naturprodukte ohne Zusätze und Konservierungsstoffe. Vereinfacht ausgedrückt, „lebendige“ Tabakblätter, in eine bestimmte Form gebracht. Doch auch im zur Zigarre geformten Zustand „arbeiten“ die Tabakblätter weiter und die Zigarre entwickelt sich weiter. Die Zigarre reift langsam zu dem heran, was der Aficionado genüsslich und zufrieden genießt. Rauchgenuss, erster Güte.

Grundsätzlich werden im Fachhandel rauchfertige, also gereifte, Premium-Zigarren angeboten. Daher sollte in der Regel keine Zigarre die Fabrik verlassen, bevor sie nicht mindestens sechs Monate dort im perfekt klimatisierten Lager rasten durfte. Aufgrund der großen Nachfrage wird diese Lagerzeit allerdings nicht immer so genau eingehalten, gute Fachhändler kaufen daher immer auf Vorrat, um den Rauchwaren auch die nötige Lagerzeit zu gewähren. Dabei können sich die edlen Stücke dann erholen und sich ihrer neuen Umgebung anpassen. Sozusagen ihre Grundreife erlangen.

Na dann, kaufen und mit Genuss rauchen? Prinzipiell ja, aber jeder etwas längere Transport – auch wenn er noch so perfekt war – hat zur Folge, dass sich die Rauchprodukte erst wieder auf die neue Umgebung einstellen müssen. Daher sollten alle neu erworbenen Zigarren im eigenen Humidor mindestens drei Wochen zubringen, bevor das Rauchvergnügen beginnen kann. Die optimale Lagerzeit bewegt sich zwischen drei und sechs Monaten. Schon von daher empfiehlt es sich, rechtzeitig nachzukaufen.

Dem geneigten Leser ist vielleicht die Umschreibung des Begriffes „reifen“ hier und weiter oben aufgefallen? Das hat seinen guten Grund, denn tendenziell handelt es sich hier eher um die Lagerfähigkeit eines Produkts, als um einen Reifeprozess im engeren Sinn.

Zigarren können aber sehr wohl nachfermentieren. Weil sie ein lebendiges Produkt sind, nehmen sie die Aromen ihrer Umgebung auch schon mal auf. Das bedeutet in weiterer Konsequenz, bei Lagerung verschiedener Zigarren in einem einzelnen Humidor kann es durchaus zu „Aromaverfärbungen“ kommen. Bis zu einem gewissen Grad kann das durchaus reizvoll sein, allerdings ist es nicht grundsätzlich erwünscht. Mit sogenannten „Dividern“ (Unterteilungen aus Zedernholz) lässt sich diese Veränderung auch begrenzen – aber eben nicht ganz ausschalten. Von daher sollten Zigarren aus verschiedenen Herstellungsländern auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum hinweg in einem einzigen Humidor aufbewahrt werden. Diese „Aromaverfärbung“ kann ein Rauchprodukt durchaus nachhaltig beeinträchtigen. Wer einen größeren Humidor zur Verfügung hat, wer Zigarren darin vielleicht sogar in ihren Originalkisten lagern kann, braucht sich wegen dieses Effektes keine Gedanken zu machen.

Prinzipiell können Zigarren im Humidor über einen unbegrenzten Zeitraum hinweg gelagert werden, solange die klimatischen Bedingungen stimmen. Das Brandverhalten wird im Lauf der Jahre immer besser und manche Premium-Zigarren zeigen ihr feines Aroma erst nach längerer Lagerung. In englischen Gentlemen Clubs hat das lange Lagern von Premium-Zigarren große Tradition, aber es darf bezweifelt werden, ob dabei wirklich ein Reifeprozess stattfindet, der den Charakter einer Zigarre innerhalb von zehn Jahren und mehr so sehr verändert, dass sie völlig anders schmecken würde als zu Beginn ihrer Lagerzeit. Meine eigenen Erfahrungen sprechen eher dagegen, denn die Befüllung meines eigenen Humidors ist durchaus zwanzig Jahre alt und teilweise älter. Sie sind noch genau so würzig wie damals, die Aromen vielleicht eine Spur harmonischer. Was sie aber auszeichnet ist der perfekte Abbrand, den eine jüngere Zigarre einfach noch nicht haben kann.

Es ist vielleicht weit hergeholt, aber in manchen Belangen sind Zigarren uns Menschen sehr ähnlich, Sie müssen sich in ihre Umgebung erst einleben.

Text: Andy Bigler

Reifen sie also doch??????

2 comments on “Zigarrenreifung. Premiumgenuss oder Imagepflege?

  1. Dieter J. Ettinger on said:

    Ja

    • Ich nehme an, das „JA“ bezieht sich auf meine Abschlußfrage, ob sie also doch reifen?!

      Genau das ist der Punkt, wo ich mir keine klare Antwort zutraue, weil ich nämlich selbst erlebt habe, dass sich manche Zigarren, bezogen aufs Geschmacksmuster, nicht verändert haben …..

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