Zeigelt DAC, 2015, Paul Rittsteuer

Paul Rittsteuer, NeusiedlerseeSehr schön, was den prüfenden Blicken der Verkoster da geboten wurde. Kräftiges Rubinrot mit leuchtenden Purpur Reflexen ziehen mit kräftigen Schlieren ihre Bahnen entlang des Glasrands. Diese Optik hinterläßt den Eindruck, es müsse sich wohl um einen kräftigen Kerl handeln, der sich da im Glas breit macht.Unsere Riechorgane konnten diesen Eindruck nur bestätigen. Kräftige Aromen von Herzkirschen und Weichseln mit sehr gut verwobenen Noten roter und schwarzer Beeren und einen Hauch von Karamell. Ein kräftige Duftspiel, weder derb noch kitschig, sondern überaus charmant und auch ein bisserl frech. Ja, so soll ein klassisches „Zweigelt Naserl“ sein!
Am Gaumen vollmundig, gut strukturiert, angenehm fruchtig mit zarten, perfekt eingebundenen Tanninen. Dieser Bursche ist mit 13,5% vol. Alkoholgehalt alles andere als ein Schwachmatiker, aber der Alkohol ist sehr gut eingebunden und kommt nur sehr dezent zum Vorschein. Auf gut Österreichisch, ein g’scheites Maul voll Wein tanzt da im Goscherl herum. Der Abgang zeichnet sich durch angenehme, um nicht zu sagen, perfekte Länge aus. Der Wein ist voll da und breitet sich auch ordentlich aus, aber er bleibt dabei immer charmant frech. Da hast du quasi einen g’standenen Naturburschen mit Finesse und Power im Glas.
Zurzeit befindet sich dieser Zweigelt im Stadium der beginnenden Trinkreife. Je mehr Luft ihm gegönnt wird, desto besser sein Trinkfluss. Ich bin geneigt den Gesamteindruck mit ziemlich großartig zu bezeichnen.
Ein verblüffenders Detail sei noch erwähnt: Aus welchen Gründen auch immer, eine Flasche mit maximal 2 Gläsern Inhalt (ordnungsgemäß verschlossen) war in Vergessenheit geraten und zehn Tage verschollen. Genau so unerklärlich stand sie am elften Tag wieder am Tisch, mit exakt der vermissten Menge an Zweigelt. Man ist ja nicht neugierig, man will’s ja bloß wissen, was soll der noch können, nach zehn Tagen der Vergessenheit? Der wird hinüber sein, oxidativ oder sonst was Grausliches, oder? Weit gefehlt, traumhaft war er! Ich hab ihn nicht nur verkostet, sondern gemeinsam mit meinem allerliebsten Weibchen ausgetrunken, oder besser gesagt begeistert genossen, denn aus einem tollen Zweigelt wurfede ein sensationelles Trinkvergnügen!
Verkostet im Februar 2017 von Andy Bigler
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