Wo Bio mehr ist als ein Etikett.

Weinbotschaft

Schon das äußere Bild vermittelt Genuss und liebevolle Detailarbeit.

Wenn Sie heute durch die Wiener Innenstadt wandern, möglicherweise Hunger bekommen oder einfach nur ein neues Lokal ausprobieren und auf interessante Weise Neues kennenlernen möchten. Dann kann ich mit einem kleinen Tipp aushelfen. In der Annagasse, nebenbei eine der schönsten Gassen im 1. Bezirk, findet sich die Weinbotschaft, ein Lokal, das den Begriff Bio nicht nur als Etikett verwendet, sich nicht nur damit schmückt, nein, hier wird diesem Gedanken, diesem Konzept, richtig Leben eingehaucht. Und die Namesgleichheit mit der Weinkolumne unseres Peter Ladinig ist, tja, das ist ein Zufall, der vielleicht sogar ein Hinweis ist. Aber warten wir ab.

Einhundert Prozent Bio geben einhundert Prozent Geschmack, so das Credo der Cristina Rojik. Und ganz offensichtlich hat die tatkräftige Wirtin ihre eigene Überzeugung, ihre Leidenschaft und Lebenseinstellung in diesem Restaurant Gestalt werden lassen. „Unsere Gäste sind manches Mal überrascht, wie sehr sich auch für sie alltägliche Gerichte geschmacklich neu entdecken lassen. Denn in unseren Zubereitungen finden sie niemals Geschmacksverstärker oder ähnliches, hier finden sie kein Krümelchen, von dem wir nicht genau wissen wo es herkommt und wie es entstanden ist. Und jede Einzelne, der in unserer Küche verwendeten Zutaten ist biologisch!“, erzählt die Gastronomin voller Leidenschaft und Enthusiasmus für ihr Projekt. Verwendet würden ausschließlich biologische Fette und mit Gewürzen gehe man hier sehr sparsam um, erzählt sie. Stattdessen finden wir jede Menge frische Kräuter, die den Gerichten den aromatischen Rückhalt geben. Nebenbei, und im Grunde ist das einer der Kernpunkte, ist das Lokal biozertifiziert, das heißt, mit ganz wenigen Ausnahmen muss jeder Wein und jede Zutat, jede Speise dieser Prüfung standhalten.

Die Speisekarte ist nicht allzu umfangreich, bietet aber eine gute Auswahl die sowohl Fleisch- und Fischliebhaber als auch Vegetarier zufrieden stellen wird. Die Weinkarte lädt mit vielen großen Namen ein, auf Entdeckung zu gehen, erfüllt nur in Punkto Zusatzinformation nicht den Standard. Wir finden dort oft weder Jahrgang noch des Winzers Name aber was auf den ersten Blick unachtsam wirkt, ist genau genommen eine der großen Qualitäten des Hauses. Denn fragt der Gast an dieser Stelle nach, so erhält er eine wunderbare und umfangreiche Weinempfehlung. Eine Geschichte zum Wein, zum Winzer, eine Anmerkung zur Verpaarung mit dem ausgesuchten Menü, eine liebevolle Betrachtung. Und ich empfehle, machen Sie es genau so, lassen Sie sich betören von eine Gastronomin, die ihre Liebe zum Beruf gemacht hat.

die weinbotschaft wien

Cristina Rojik

Unsere Wahl fällt auf hausgemachte Tagliolini mit Ziegenkäse-Matcha und Blunzengröstl mit frischem Kren. Beides wirkt schon optisch und vor allem olfaktorisch äußerst ansprechend und enttäuscht auch am Gaumen nicht. Die hausgemachte Pasta ist dicht und fest aber nicht kantig, das Aroma füllt den Gaumen fein, sanft und nachhaltig. Die kulinarische Überraschung des Abends ist aber das Blunzengröstl. Hier werden die Liebhaber Wiener Küche mancher ihrer Vorstellungen übertroffen finden. Würzig und kraftvoll begleiten die dazu servierten Erdäpfel und die fein geräucherte Note bietet eine wunderbare Ergänzung zu dem gewählten Chardonnay Gebling vom Sepp Moser. Der Kren ergänzt mit einer herb-frischen und leichten Schärfe die Komposition und rundet sie ab.

Nach einem geschmacklich so opulenten Mal braucht es einige Minuten Ruhe, die wir dazu nutzen den Innenraum weiter kennenzulernen. Es begrüßt uns ein ausnehmend gemütliches Gast-  ja fast Wohnzimmer. Die Flaschen der hauseigenen Vinothek füllen dabei eine ganze Wand und die Besitzerin dieser Kostbarkeiten wird nicht müde zu betonen, dass hier ausschließlich Bio-Winzer vertreten sind.

Das Beste kommt oft genug zum Schluss und auch die Kulinarik bietet hier keine Ausnahme. Denn der, zu einer sehr feinen und ausgewogen-nussigen Mandeltorte ohne Mehl, servierte Kaffee übertrifft alle Erwartungen bei weitem. Die italienische Kaffeerösterei Salomoni aus Mantua liefert die Grundlage zu einem mit Bedacht bereiteten, dunkel-röstigen und schokoladigen Espresso. Wenig Säure, vollmundig und vielschichtig, lang anhaltend und großartig. Möglicherweise haben wir hier einen der besten Kaffees Wiens gefunden.

Selbst wenn sie keine Bio-Kulinarik mögen oder auch ganz einfach keinen Hunger haben, kommen Sie in die Annagasse um nur den Kaffee zu verkosten. Sie werden sehen, es lohnt sich.

Text: Gregor Klösch
Bild: Weinbotschaft

2 comments on “Wo Bio mehr ist als ein Etikett.

  1. Gottfried on said:

    ein absolut feines und sehr empfehlenswertes Lokal!

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