Weinbotschaft. Wenn der Korken zerfällt.

Wein, Reifen und AlternWer hat das nicht schon erlebt: Man holt eine Flasche Wein aus den Keller, freut sich auf den kommenden Genuss, doch dann geschieht es: Beim Öffnen der Flasche geht wieder einmal der Korken kaputt. So ein Ärgernis! Man fragt sich, was habe ich falsch gemacht? Der Weinschrank im Keller hält zwischen 15°C im Winter und 18°C im Sommer, die Korken haben alle eine Prägung vom Winzer, sollten also gut sein. Auch meine Korkenzieher sind alle noch alte gute Wertarbeit! Was ist passiert und ist der Wein – aktuell war es ein 1993er Riesling von der Mosel – noch zu retten?

Als Sommelier kenne ich dieses Problem. In meinem Weinkeller in Ischgl hatte ich auch einen solchen Vorfall. Mein Problemkind war der Eichkogel 2000 – ein Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch – vom Weingut Andreas Kollwentz.  Auch ich stellte mir die Frage, wie es zu diesem Vorfall kommen kann. Dazu habe ich den VINEUS-Preisträger Wolfgang Hagn vom Weingut Hagn am Mailberg im Weinviertel interviewt und aus seiner Sicht sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. „Meist scheitert es an der Qualität der Korken. Ein qualitativ hochwertiger Naturkorken besteht aus einem Stück.“, so Wolfgang Hagn, „Vor allem bei reiferen Jahrgängen sollte man die Lagerung anpassen. Weine, wie dieser Riesling, sollten zwischen 10°C und maximal 14°C gelagert werden.“ Bei unserem Beispiel also werden die Weine eindeutig zu warm gelagert! Temperaturschwankungen sind gleichermaßen nicht zu empfehlen. Außerdem muss bei Klimaschränken die nötige Luftfeuchtigkeit bedacht werden.

Aber was ist zu tun, wenn man einen solch problematischen Korken hat? Die Lösung ist eigentlich ganz simpel. Neu verkorken! Damals haben der Winzer Andreas Kollwentz und ich beschlossen, den Eichkogel neu zu verkorken.Doch wie macht man das am besten? Ich habe mir damals alle Flaschen ins Auto gepackt und meine ehemalige Berufsschule in Landeck besucht. Und wie fast alle gastronomischen Ausbildungsstätten gibt es auch in Landeck eine manuelle Korkmaschine. Ich habe mir einige Karaffen samt gewöhnlichem Küchensieb aufgestellt, dann die Flaschen geöffnet, alles möglichst schnell durch das Sieb in die Karaffen geleert und sofort abgedeckt, um nicht zuviel Luft an den Wein zu lassen. Danach wurden die Flaschen gereinigt, der Wein zurück gefüllt, und immer ein wenig desselben Weines aus einem aktuelleren Jahrgang dazugegeben und neu verkorkt. Eine tolle Methode! Wolfgang Hagn gibt zudem auch noch den Tipp: „Weine, die reifen sollen, sollten mit einer Wachsversiegelung versehen sein. Dadurch wird der Korken besser geschützt und solche Fälle minimieren sich rapide.“

Schließlich spielt auch der richtige Korkenzieher eine wichtige Rolle. Empfehlenswert ist eine Spindel mit einer Teflonbeschichtung. Dadurch gleitet die Spindel sanfter in den Korken und richtet weniger Schaden an. Mein Tipp: Die besten Korkenzieher sind die klassischen 2-Kopf Kellnermesser. Damit öffnet man eine Weinflasche am sanftesten und auch am schonendsten. Auf diese Art macht dann auch der Weingenuss einer alten Flasche wieder großen Spaß.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf​.com

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