Weinbotschaft. WeinbeWERTung.

Falstaff, Parker und CoDass Wein bei vielen Liebhabern als Wertanlage im Keller liegt, ist bekannt und wirklich nichts Neues. Schon seit vielen, vielen Jahren wird dieses Thema immer wieder besprochen: Wein ist  – leider! – nicht nur zum Genuss da.

Sehr oft wird mit dem edlen Tropfen spekuliert. Doch nur die wenigsten Weine sind dafür rentabel, im Grunde finden wir in diesem Kontext in erster Linie Weine aus Frankreich, genauer das Bordeaux. Am „Wertvollsten“ – wenn man davon reden möchte – sind diejenigen, die von Robert Parker, dem wohl bekanntesten Verkoster, bewertet wurden. Auch wenn die Parker Punkte und so manche andere Bewertung vor allem in der Fachwelt immer weniger Gewicht haben, werden sie wohl trotzdem immer ein Instrument sein, um damit den Verkauf anzukurbeln. Vor allem im Diskonthandel kann man immer öfter sehen, wie Weine mit Falstaff-Bewertung vermarktet werden. Dadurch soll eine höhere Qualität suggeriert werden. Ich sage dazu: Schwachsinn!

Hier ein Beispiel aus der Praxis: Sie kaufen bei einem Diskonter wie Lidl einen Rotwein; von einem mehr oder weniger namhaften Magazin, einer Institution oder einem Verkoster hoch bewertet. Sie gehen siegessicher nach Hause, Sie öffnen abends mit ihrer Liebsten diesen so hochbewerteten Wein – und – beim ersten Schluck rinnte es Ihnen sprichwörtlich kalt über den Rücken und Sie müssen sich beherrschen um nicht Ihre Meinung zu laut herauszuschreien. Gelinde formuliert. Würden Sie diesen hochbewerteten aber für Sie untrinkbaren Wein nochmals kaufen? Wohl nicht. Und hier liegt auch die Problematik der Verkostungen und Bewertungen: Sie sind meist sehr subjektiv, sie sagen wenig über das Produkt aus, vor allem darüber ob es Ihnen, dem Kunden und Konsumenten, auch schmecken wird. Ja, oft sind sie sogar in groben Zügen vorhersehbar, weiß man doch welche Weine den verschiedenen Verkostern schmecken und welche nicht. Für normale Weine, für den abendlichen Trinkspaß, sind diese Bewertungen daher fragwürdig. Sie machen eher Sinn für jene, die sich Wein einlagern möchten um später damit finanziellen Gewinn zu erzielen und die dafür gekauften Weine als Anlageobjekt. Ihnen kommt das bekannt vor? Stichwort Börse oder Rating-Agentur? Damit liegen Sie vielleicht nicht so ganz falsch.

Ein weiteres Problem für den Verbraucher stellt sich darin überhaupt an solch hochbewertete Weine zu kommen. Wo kaufen, wie bekommen? Solche Weine, meist die wie oben schon beschrieben hochbewerteten Eklusivtropfen, sind schon lange bevor sie in den Handel kommen vorreserviert und ausverkauft. Abgesehen davon wird der Markt, der Wein als Wertanlage handelt meist von wenigen Händlern aus Europa und Asien beherrscht. Vor allem in Asien, wo der Weingenuss ein MUST der oberen Schichten ist, werden die teuersten Weine der Welt getrunken. Manchmal sprichwörtlich wie hierzulande Wasser. Mit Genuss hat das wenig zu tun, der Begriff Dekadenz drängt sich schier auf.

Wenn Sie Wein kaufen um mit diesem später finanziellen Gewinn zu erzielen, überlegen Sie genau wann Sie kaufen. Es macht beispielsweise wenig Sinn Schaumweine zu Weihnachten oder Silvester zu erwerben, denn zu diesem Zeitpunkt sind sie am teuersten, da die Nachfrage am höchsten ist. Bei Stillweinen wiederum sollten Sie darauf achten diese noch Jung zu kaufen, um sie dann später, mit mehr Reife, hochpreisiger verkaufen zu können. Vor allem Prädikatsweine eignen sich dafür ganz hervorragend. Das liegt meist daran, dass diese Weine erst mit viel Reife an ihren Höhepunkt und ihre Trinkreife kommen. Vor allem Altweintrinker, und auch so mancher Sammler, freuen sich immer solche Weine erwerben zu können. Und sind dann auch bereit dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf​.com

 

2 comments on “Weinbotschaft. WeinbeWERTung.

  1. Lieber Peter!

    Du sprichst mir aus tiefster Verkoster- und Weingenießerseele und vor allem ziehe ich meinen Hut vor deiner Offenheit.

    Letzt endlich ist es aber so, dass Bewertungen von namhaften Kritikern (einer davon hat mal geschrieben der Kremstaler Ludwig Neumayer …. so was kann nur ein Profi felsenfest behaupten , hahaha) immer „gewinnen“. Daher sind die meisten Produzenten auch so stolz, wenn sie hochkarätige Punkterl bekommen, denn das fördert den Absatz mehr, als wenn du oder ich oder sonst eine/einer aus unseren Reihen ein „Urteil“ von sich gibt.

    Ich befürchte, da wird sich auch in Zukunft nicht’s ändern!

  2. Lieber Andy,
    im Grunde sehe ich es auch so, dass die namhaften Kritiker ein gewichtiges Urteil haben, allerdings hauptsächlich doch weil sie schlicht und einfach die Publicity haben. In letzter Konsequenz sind die Verkostungen und Empfehlungen von Laien für Laien sinnvoller und oft nachvollziehbarer als vieles andere.
    Das ist ja auch die Qualität der Weinpresse, die winzer wie Leser schätzen.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5