Weinbotschaft. Wein braucht Zeit.

Warum Wein reifen muss.Bald ist wieder soweit, Junker und Sturm erobern die Regale der Supermärkte und Bars. Zumindest vorübergehend jedenfalls sind nun wieder die Jungweine am Zug. Doch im Grunde ist ist es eher der Normalfall, dass der Wein seine Zeit braucht. Und genau genommen braucht sogar der Jungwein seine Zeit.

Wein muss reifen, Wein muss sich entwickeln. Und das schafft er nur, wenn er auch die notwendige Zeit bekommt. Der wahre Trinkspaß, der wahre Genuss zeigt sich oft erst bei Weinen, die auch die notwendige Zeit zur Reife bekommen haben. Wer denkt, dass dies nur bei Rotweinen notwendig ist, der irrt. Auch Weißweine benötigen Zeit. Vor allem wenn es sich um Süßweine oder Weißweine mit Restsüße handelt. Aber auch Weißweine der Kategorie Reserve brauchen oft viel Zeit. Um ein Beispiel zu nennen, der Grüne Veltliner Reserve vom Weindomizil Hagen. In seiner Jugend zeigt er sich bereits mit einem kraftvollen Körper und dichter Fruchtstruktur nach Marillen, Bananen, roten Äpfeln und Kräutern sowie der klassischen Würze. Aber erst mit den Jahren wird er etwas ruhiger, da sich die Säure mit der Zeit sehr schön einbindet. Dadurch kann die Fruchtstruktur in einem noch besseren Licht stehen und weitere Komponente können sich hervortreten und sich präsentieren.

Auch die Weißweine vom Weingut Pfaffl zeigen sich erst mit den Jahren in ihrer vollen Pracht. Der Riesling „am Berg“ beispielsweise ist ein Riesling mit Restsüße (lieblich). Nach etwa 4 bis 5 Jahren Reifezeit binden sich die klassischen Fruchtaromen ein. Zu Anfang ist der Riesling vor allem fruchtig und die Restsüße sticht ein wenig am Gaumen. Es macht noch nicht wirklich Spaß, ihn zu genießen. Jedoch nach der Reifezeit tritt die Süße etwas zurück, die Frucht kann hervortreten, die Säure gibt der Frucht besseren Halt und das Geschmacksbild am Gaumen ist ein komplett Neues.
Ebenso der Chardonnay „Rossern“ von Roman Pfaffl benötigt seine Zeit. Auch wenn der Chardonnay trocken ausgebaut wurde, hat er einen enorm kräftigen Körper und rassige Säure, weshalb er viel Zeit braucht um die Balance zu finden.

Auch die Weißweine von Toni Zöhrer aus den Serien „Urknall“, „Impuls“ und „Gigant“ benötigen Zeit. Ganz klar, sie sind auch schon in jungen Jahren ein Trinkgenuss, aber erst nach 2 bis 3 Jahren zeigen sie ihr volles Spektrum. Auch der „Wolferl“, ein Weißwein, vom Weingut Thiery-Weber benötigt diese Zeit. Jung erscheint er bereits sehr kraftvoll und elegant mit einer frischen Säure. Nach nur wenigen Jahren jedoch zeigt dieser Wein, was wirklich in ihm steckt. Und speziell die Weine aus dem Smaragd-Bereich – aus der Wachau – zeigen erst nach mindestens 2 bis 3 Jahren was sie können. Zum Beispiel die eleganten Rieslinge vom Weingut Rixinger brauchen mindestens zwei Jahre damit sich die Säure einbinden kann.

Aber diese Weine und Winzer seien hier alle nur exemplarisch genannt. Wichtig und wirklich interessant ist die Tatsache, dass Wein in den meisten Fällen Zeit braucht. Zeit zu ruhen, Zeit um zu reifen, um sich zu sammeln und die Harmonie und das innere Gleichgewicht zu finden. Gönnen wir uns diesen Luxus. Lassen wir dem Wein seine Zeit.

Text: Peter Ladinig
Bild: haak78 / 123RF Stock Photo

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