Weinbotschaft. Von der Champagnerschale zu Sektflöte und zurück.

Peter Ladining über österreichischen Sekt

Können Sie sich noch an die alten Champagnerschalen erinnern? Die alten kleinen Gläser, ähnlich dem Römerkelch? Ja? Wer hat solche Ungetüme eingeführt? Und wann? Und vor allem, wer hat sie wieder abgeschafft, und der Menschheit stattdessen die Flötenform beschert?

Bei meiner Arbeit als Sommelier verkoste ich nicht nur Weine, sondern auch die schäumenden Vertreter dieser wunderbaren Getränkekultur. Wie vielleicht der eine oder andere unserer Leser noch weiß, war ich letztes Jahr im Finale des Champagner-Wettbewerbes des Comitée de Champagne. Im Zuge dessen hatte ich natürlich Gelegenheit einiges an Champagner zu verkosten. Und bekam von einem befreundeten Weinjournalisten den Tipp, dazu nicht Champagner-Gläsern zu verwenden, sondern größere Gläser. Folgsam wie ich bin, habe ich diesen Rat gerne angenommen. Und in der Tat, es war um Welten besser.

Nun, einige Zeit später, stellt sich für mich die Frage, ja sogar die logische Konsequenz, warum ich ein so wunderbares Getränk wie Champagner, oder auch heimischen Sekt, in einer Sektflöte regelrecht einsperren sollte. Heute ist es schon ganz normal, gewisse Weißweine in Burgundergläsern zu servieren, wieso dann nicht auch Schaumweine in größeren Gläser verkosten? Gut, momentan wäre es eine Umstellung, wir sind ja auch daran gewöhnt, Sektgläser zu verwenden, aber warum nicht einmal etwas Neues versuchen?

Im Bezug dazu – und Im Nachhinein betrachtet – finde ich die Idee der Champagnerschale gar nicht so schlecht. Dieser Glastyp hat eine ganze Menge Vorteile. Nur einer davon ist, das Mousseux sticht nicht ganz so punktuell auf die Zunge. Und dadurch kann sich der Geschmack des Champagners – oder auch Sektes – besser dort entfalten, wo er das auch darf. Und soll. Dadurch, dass die Zunge nicht so intensiv mit Perlen belastet wird, fällt es dem Genießer um ein vielfaches leichter, Schaumweine zu schlürfen und mehr des großen Geschmacks- und Aromaerlebnisses wahrzunehmen. Gut, man könnte einwenden, die alten Champagnerschalen seien dafür nicht geeignet und verwendbar, aber eine Weiterentwicklung dessen wäre doch sinnvoll. Findet sich vielleicht hier ein Produzent dafür?

Diese meine Ansicht teilen offensichtlich auch einige Champagner-Häuser. Die Gläser von Ruinart oder Gosset gehen schon vermehrt in die Breite. Veuve Clicquot hat ebenso ein gebrandetes Glas, das bereits deutlich breiter ist als die klassischen Champagnergläser. So wie es aussieht kommen sie endlich in Mode, die etwas breiteren Gläser. Ich würde mich riesig darüber freuen. So kann man den Gast auch endlich einen Schaumwein passend präsentieren und aufzeigen was sich wirklich in der Flasche verbirgt. Es stellt sich nur noch die Frage, wie lange wohl heimische Erzeuger brauchen werden, um zu erkennen, dass auch diese Produkte in größeren Gläsern besser zu Geltung kommen könnten …

Natürlich sind wir es gewohnt, diese edlen Tropfen aus der ach-so-klassischen Flöten-Form zu genießen. Aber, genau betrachtet war es für uns auch einstmals logisch für Chardonnay und ähnliches ein klassisches Weißweinglas zu verwenden. Und auch das hat sich verändert. Wie gesagt, es war einmal, und ich wünschte mir sehr, dass solch eine Entwicklung auch bei Schaumweinen der Fall sein dürfte.

In diesem Sinne beende ich meine Kolumne, wie so manches Märchen beginnt. Es war einmal, eine Sektflöte …

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf​.com

2 comments on “Weinbotschaft. Von der Champagnerschale zu Sektflöte und zurück.

  1. Ich gehöre zu jenen Schaumweintrinkern, die immer etwas befremdlich angesehen werden, weil sie ihre prickelnde Erfrischung entweder im Chardonnay- oder im großen Burgunderglas genießen möchten …

    • Peter on said:

      Ja das kann ich mir nur zu gut vorstellen Andi.
      Das habe ich in meinem Beitrag auch angesprochen. Es wird halt seine Zeit brauchen. Das hatten wir bereits bei den weißen Burgundersorten so, und werden es bei Schaumweinen auch haben. So ist die Menschheit nun mal. Man muss viel Überzeugungsarbeit leisten, und viel Überredungskunst zeigen…

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