Die Weinbotschaft: Schäumendes Obst.

VerkostungsbeschreibungSchaumweine aus Äpfel sind weit bekannt. Im deutschen Sprachraum werden je nach Herstellungsweise auch die französische Bezeichnung Cidre oder die englische Bezeichnung Cider verwendet.

Für die Herstellung werden Apfelsorten mit hohem Tanningehalt verwendet. Die Fermentierung findet bei relativ niedrigen Temperaturen von 4 °C – 15 °C statt, was einen wesentlichen Einfluss auf die Dauer der Fermentierung und somit auf das Aroma hat. Kurz bevor der Zucker vollständig durch die Hefen umgesetzt ist, wird der Cidre in neue Fässer umgefüllt. Die meisten Hefen und Schwebstoffe verbleiben im alten Fass. Das neue Fass wird ohne Lufteinschluss gefüllt und dicht verschlossen. Durch Fermentation des restlichen Zuckers entsteht dann die Kohlensäure und macht den Cidre haltbar. Durch Zugabe von Zucker kann der Alkoholgehalt noch gesteigert werden. Der Cidre ist in kurzer Zeit trinkfertig, kann aber auch zwei bis vier Jahre lang im Fass gelagert werden. Manche Cidresorten, vor allem in Asturien, werden auch nach der „método tradicional“ hergestellt. Nach „klassischer Flaschengärung“ in Sektflaschen erzeugter Cidre trägt in Frankreich die Bezeichnung Cidre Bouché. Cidre ist auch das Ausgangsprodukt für die Destillation des Calvados.

Aber nicht nur Äpfel eignen sich hervorragend für die Produktion fruchtiger Schaumweine. Ebenso erzeugen Schaumweinproduzenten auch aus Birnen edle Getränke. Und genau hier kommt man nicht um Eric Bordelet umher. Bordelet war bis 1992 Sommelier im Pariser 3-Sterne-Restaurant „Arperge“. Er kehrt zurück in den Familienbetrieb, das Château de Hauteville in Charchigne. Neben hochwertigen Apfelschaumweinen wie den Sydre Argelette produziert er auch Birnenschaumweine (französisch Poire genannt) wie Poire Authentique und Poire Granit. Und letzteres hat es mir schwer angetan. Poire Granit ist ein Birnenschaumwein aus rund 15 verschiedenen Birnensorten, welche auf teilweise bis zu 300 Jahre alten Bäume gedeihen. Der Name Poire GRANIT kommt auch daher, dass die Bäume allesamt von einer Lage mit Granit-Böden stammen.

Wie für Wein auch gibt es in Frankreich und Spanien für den Cidre so genannte „Kontrollierte Anbauregionen“ (Appellations d’origine contrôlées (AOC)/Denominación de origen controlada [DOC]). Die wichtigste Ursprungsbezeichnung ist – wie für Calvados – das normannische Pays d’Auge. Als gemeinhin besser gilt jedoch die Appellation „Cidre de Cornouaille“ aus dem bretonischen Finistère. Bei den einschlägigen Landwirtschaftsmessen, zum Beispiel dem Pariser Salon de l’Agriculture, erhalten die Elaborate dieser Region fast durchweg die begehrten Medaillen der Jurys.

Aber nicht nur in Frankreich werden Obstschaumweine erzeugt. In den USA zum Beispiel galt Cidre lange Zeit als weitverbreitetes und populäres Getränk, verlor jedoch gegenüber dem Bier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusehends an Stellenwert. Mit der Prohibition von 1919 bis 1933 kam die Produktion dann weitgehend zum Erliegen, und hat sich bis heute noch nicht erholt. Auch europäische Länder wie Belgien, Deutschland, England, Österreich sowie Italien, Spanien und Portugal produzieren diese fruchtigen Schaumweine. Jedoch nicht zwangsläufig auch auf qualitativ nennenswert hohem Niveau.

In Frankreich gelten Obstschaumweine als typischer Aperitif. Meist präsentieren sie sich fruchtig, prickelnd und mit deutlicher Säure. Jedoch können sie weit mehr. Als Speisenbegleiter können sie fast zu allen Gerichten gereicht werden. Zum Beispiel eignet sich diese Art der Schaumweine hervorragend als Alternativen zu Käsevariationen. Persönlich verwende sie auch gerne als Begleiter zu Desserts. Durch ihre intensive Frucht, sowie der Kombination der Säure und der Perlage frischen sie den Gaumen am Schluss nochmals auf.

Natürlich eigenen sie sich auch zum puren Genuss. Der große Vorteil zu einem Glas Champagner oder Sekt ist in erster Linie natürlich der geringe Alkoholgehalt. Meist liegt dieser zwischen 4 und 5 Vol.-%, was beim Genießer vor allem in den heißen Sommermonaten Freude aufkommen lässt.

Text: Peter Ladinig

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