Weinbotschaft. Orange Wine.

Orange WineSie haben diese Schlagworte sicher auch schon gehört. Orange Wine, Natural Wine. Immer öfters hört man davon. Aber was ist das eigentlich?

Bei Orange Wine handelte es sich im Grunde um Weißweine, die wie Rotweine hergestellt werden – und sich auch tendenziell wie Rotweine verhalten. Sie werden länger auf den Traubenschalen vergoren als andere Weißweine und extrahieren dadurch mehr Tannine und Farbstoffe aus den Schalen. Daher kommt auch die dunkelgelbe bis orange Färbung und der Name. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten der Orange Wines. Denn es gibt hier im Gegensatz zum allgemeinen Trend keine Regeln, keine Bestimmungen und auch keine Zertifikate. Erlaubt ist nämlich, was gefällt. Und meist sind diese Weine absolut naturbelassen, nicht selten sogar Bioweine. Einige werden wenig bis gar nicht geschwefelt, andere wiederum in Amphoren vergoren, oft werden sie unfiltriert abgefüllt, wodurch sie eine charakteristische Trübung aufweisen. Orange Wines sind also schwer einteilbar.

Das Verfahren kommt Ihnen bekannt vor? Genau! Beim Rosé verhält es sich recht ähnlich. Allerdings werden hier Rotweintrauben einem Verarbeitungsprozess unterzogen, der stark an den des Weißweines erinnert. Der wichtigste Unterschied ist jedoch die rechtliche Grundlage. Bei Orange Wines ist diese bei weitem noch nicht so ausgeprägt, wie sie das bei Weiß-, Rot- oder Roséweinen bereits seit langem ist.

Die Vinifizierung von Orange Wines ist aber alles andere als neu, ganz im Gegenteil. Die Grundsteine dieser Methode reichen bereits gut 5.000 Jahre zurück. Vor allem die Variante, der Reifung in der Amphore, denn diese Methode wurde bereits von den Kelten und Römern angewandt. Und getreu dem Motto „Back to the root’s“ werden bereits seit einigen Jahren Praktiken aus der Vergangenheit erneuert, modernisiert und dem aktuellen Stand angepasst. Wie es damals bei den alten Römern war, können wir heute nicht mehr nachvollziehen, denn damals, also vor rund 5.000 Jahren, war auch die Genetik der Reben eine andere und auch der Weinbau funktioniert anders als heutzutage.

Der Hintergrund der Orange Wines, oder auch Natural Wines, liegt in dem Bestreben weniger Chemie zu verwenden und den Wein wieder Wein in seiner ursprünglichen Art werden zu lassen. In solchen Weinen zeigt die Rebe sich nicht selten in einem völlig anderen Licht, solcherart Geschmack, solche Aromen kennen wir von den heutigen Weinen kaum. Der Name Orange rührt von der Bernstein-Farbe, die diese Wein meist haben und die man auch mit der Farbe sehr reifer Weißweine vergleichen könnte.

Wie bereits erwähnt, ist die Maischegärung im Zusammenhang mit dieser Art Weinen ein wichtiger Punkt. Bei der Maischegärung  bleibt der Traubensaft mit den Schalen und Traubenkernen zusammen über längere Zeit – mehrere Tage bis Woche oder Monate liegen. Dabei wird ein hohes Maß an Tanninen (Gerbstoffen) und Polyphenolen (d.h. Farb- u. Geschmacksstoffe) an den sich entwickelnden Wein übertragen. Diese Machart verleiht dem Wein eine sehr körperreiche, trockene und komplexe Struktur. Ist diese Art der Maischegärung bei der Herstellung von Rotweinen durchaus erwünscht, so war sie in den letzten Jahrzehnten bei der Weißweinproduktion nicht gerade populär. Aber da sich unsere Idealvorstellung eines Weißweines vor allem in den letzten zehn Jahren massiv verändert hat und der Wunsch nach gehaltvollen und kräftigen Weißweinen gestiegen ist, werden Weine, die nach dieser Methode vinifiziert sind momentan  verstärkt angeboten.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: szakaly / 123RF Stock Photo

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