Weinbotschaft. Cuvée und Gemischter Satz und das Potential.

Wein richtig lagern. Wie geht das?Der Gemischte Satz, egal woher, ist an sich schon eine spannende Angelegenheit. Wien hat sich der weltberühmten gemischten Satz via DAC-Status schützen lassen. Generell ist das Konzept Gemischter Satz durch eine EU-Verordnung alleine in Österreich möglich. Ganz grob formuliert ist zwar ein Gemischter Satz nichts anderes als ein gewöhnlicher Cuvée, aber im tief in seinem Innersten verbergen sich einige Geheimnisse, die äußerst spannend sind.

Einige dieser Weine muss man erst einmal verstehen. Sie sind ganz offensichtlich nicht für den Otto-Normal-Genießer gemacht und wohl auch nicht gedacht. Die Vielfalt in solchen edlen Säften überfordern schnell den Gaumen. Bei so manchem Gemischten Satz muss man sich wirklich erst einmal aktiv mit dem Wein befassen – bevor man dazu ein Gericht wählt. Einige dieser Weine sollten sogar über Jahre hinweg beobachtet werden.

Neu im Sortiment bei mir sind beispielsweise die gemischten Sätze vom Weingut Thiery-Weber aus Rohrendorf (Wolferl) sowie auch Gottfried Lamprechts „Buchertberg weiß“. Beides tolle und spannende Weine, beides Weine, die man nicht unterschätzen darf. Das Problem dabei ist jedoch, diese Weine sollten niemals zu jung und auch nicht zu kühl probiert werden. Wenn man einen Wein untersucht – so handhabe ich es jedenfalls – testet man den Wein in verschiedenen Gläsern. Bei einen gemischten Satz weiß man ja in Wirklichkeit nie so genau was denn alles oder der wieviel von welcher Rebe enthalten ist. Man kann beim selben Wein, aus der gleichen Flasche aber in verschiedenen Gläsern, spannende und aufschlussreiche Unterschiede feststellen. Und vor allem darf der Faktor Zeit nicht außer Acht gelassen werden.

Sollten Sie die Möglichkeit bekommen verschiedene Jahrgänge verkosten zu dürfen, so nutzen Sie diese unbedingt. So mancher Weißwein ist in seinem Reifepotential deutlich unterschätzt – es ist beachtlich. Mehrere Jahrgänge hinter- oder nebeneinander verkosten zu dürfen – eine sogenannte Vertikalverkostung – bietet Ihnen die seltene Möglichkeit den Protagonisten in seiner ganzen Entwicklung, jedes Jahr für sich wahrnehmen zu können. Scheuen Sie sich nicht einen 10 Jahre alten Weißwein zu genießen. Beim Wein stecken sehr viele Überraschungen im Faktor Zeit. Vor allem bei Cuvées und gemischten Sätzen steht enormes Potential. Meist sollten solche Weine in den ersten zwei oder drei Jahren gar nicht erst geöffnet werden. Einige Reben geben das Potential erst nach Jahren frei und erheben erst dann den Wein zu einen wirklichen Genussmittel.

Vor vielen Jahren hatte ich das Glück einen Supermarkt zu finden, dessen Weineinkäufer sich mit seinen Produkten wohl  so gar nicht auskannte. Damals waren viele Weine im Angebot, die einfach schon gereift waren. Für die Geschäftsleitung galten diese wohl schon als alt. Zu einem Spotpreis durfte ich Weinen einkaufen die normalerweise locker das Doppelte oder sogar das dreifache Wert gekostet hätten. Und natürlich musste ich da sofort zuschlagen. 50 Euro später verließ ich diesen Markt mit Weinen im tatsächlichen Wert von fast € 300,-! Daher mein Rat an Sie, Geduld ist eine Tugend! Auch in Weißweinen und vor allem in Cuvées und Gemischtem Satz steckt viel Potential im Hintergrund. Anfangs sind solche Weine sehr schwer zu verstehen, mit der Zeit werden sie zum Sprichwörtlichen offenen Buch und vielleicht zu einem echten Weinerlebnis. Nützen Sie solche Gelegenheiten. Sie werden es nicht bereuen.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf​.com

 

2 comments on “Weinbotschaft. Cuvée und Gemischter Satz und das Potential.

  1. Peter on said:

    Liebe Leser/innen,

    Um Missverständnisse vorzubeugen:
    Im Detail ist ein „gemischter Satz“ nicht das gleiche wie ein Cuvée. Aber bei beiden Weinen handelt es sich um Weine aus verschiedenen Rebsorten. Im Beitrag ist es egal wie der Wein erzeugt wurde, sondern es geht um die Vielfalt solcher Weine im Gesamten.

    • Prinzipiell sag ich selber immer, ehrlich g’macht muss er sein, der Wein, und schmecken muss er dem Konsumenten, „verstehen“ muss er ihn nicht wirklich, denn dann wird aus Trinkgenuss oftmals „Genussdiskussion“ *g*

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