Weinbotschaft: Belüften?

Peter Ladinig fragt nach Luft für den wein.In der Welt der vinophilen Genüsse gibt es immer wieder einmal Themenbereiche, die für erhitzte Gemüter sorgen. Ein solches ist auch das Belüften. Soll man Wein belüften? Ihm Luft geben? Ja oder Nein?

Ein Master of Wine hat in seiner Abschlussarbeit dieses Phänomen, diesen Vorgang, genauer untersucht. Dabei will er herausgefunden haben, dass es angeblich vollkommen egal sei ob und wie man Wein belüftet. Aber wenn wir darüber philosophieren wollen, müssen wir uns automatisch auch die Frage der richtigen Glaswahl stellen – zumindest sollte dieses Thema Beachtung finden dabei. Denn oft wird die Wahl des Glases mit der nötigen Luftzufuhr gerechtfertigt. Und wenn wir alleine diesen Punkt in Betracht ziehen würden, wäre die Wahl des Glases völlig ohne Belang, da die Luftzufuhr, laut der genannten Untersuchung, keine Rolle spielen würde. Natürlich – oder Gott-sei-Dank – spielen bei der Wahl des korrekten Glases in der Realität aber auch noch andere Faktoren wie Aroma, Bouquet und Weintyp eine Rolle.

Aber kommen wir wieder zum Thema Belüften. Mir persönlich ist das Ergebnis dieser Untersuchung ehrlich gesagt ein wenig schleierhaft. Ich möchte Ihnen, liebe Leser, dazu eine kleine Geschichte aus meiner Arbeit erzählen. Vor wenigen Tagen hatte ich einen Tisch mit acht großzügigen Herren, die sich einen großen Blaufränkisch aus der Magnum genehmigt hatten. Was auch bei der ersten Flasche wunderbar funktioniert, bei der zweiten allerdings gab es Probleme mit dem Korken. Er „klebte“ schier am Flaschenhals und brach ab beim Versuch die Flasche zu öffnen. Der Korkenzieher ging regelrecht durch den Korken hindurch, mit dem Ergebnis, dass der halbe Korken innen am Flaschenhals klebte, nun allerdings mit einem Loch versehen. Wir lösten das Problem sehr elegant, indem wir den Wein aus der Flasche heraus durch ein Sieb gossen und anschließend wieder in die Flasche zurück. In der Zwischenzeit wurde den Gästen aber natürlich eine andere Flasche des gleichen Weines serviert. Nachdem diese zweite Flasche auch von der Herrenrunde geleert war und sie um eine dritte baten, servierten wir die Problemflasche, deren Korkreste inzwischen erfolgreich entfernt und deren Inhalt nun ausgiebig belüftet worden war. Als Feedback kam, dass dieser Wein bereits viel offener, zugänglicher und insgesamt „besser“ sei. Spannend, nicht?

Gut, es kann natürlich auch an den beiden ersten Magnumflaschen liegen aber die dritte war unbestreitbar auch die, deren Inhalt bereits ordentlich Luft bekommen hat. Interessant, nicht? Wenn man dies nun berücksichtigt, dann stellt sich wieder die Frage, wie der oben genannte Master of Wine zu seinem Ergebnis kommt. Die Herrenrunde jedenfalls wusste nichts davon, dass der Wein bereits ausgiebig belüftet war, die Herren dachten, die Flasche sei direkt aus dem Weinkeller.

Ich für meinen Teil, kann diese Ergebnisse in keinster Weise nachvollziehen. Daher werde ich wohl weiterhin meine Weine belüften, genauso, wie der Wein es meiner Meinung nach braucht.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf.com

One comment on “Weinbotschaft: Belüften?

  1. gottfried on said:

    Das finde ich auch,
    vor allem bei älteren Weinen tut eine gewisse Belüftung dem Wein gut. Manche Weine brauchen weniger Luft, manche mehr..

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5