Weinbotschaft. Der experimentierfreudige Weingenießer.

SonntagsbratenWer kennt das nicht? Wenn zum Hauptgang das Rindersteak kommt, dann muss ein Rotwein dazu auf den Tisch. Aber das muss nicht sein, es gibt durchaus Alternativen. Denn wer sich hier und heute auf etwas Neues einlassen möchte, experimentierfreudig ist und neue Ufer suchen will, der sollte einmal Weißwein zu solch kräftigen Fleischgerichten versuchen. Die Überraschung wird groß sein, denn genau das kann einfach sehr gut passen. Vor einigen Tagen saß ich nach der Arbeit in einer Bar, deren Küche bis nach Mitternacht geöffnet war. Für meinen Hunger nach einem langen Tag hatte ich mir zu dieser Gelegenheit einen Vitalteller bestellt, einen Salat mit Rindersteak und Kräuterbutter. Und dazu genossen ein Glas Riesling Smaragd. Und ich war ehrlich überrascht wie gut diese Kombination harmonierte.

Dieser Moment der unerwarteten Harmonie machte mich etwas stutzig, ich konnte einfach nicht umhin, weitere Kombinationsmöglichkeiten zu testen. Und somit probierte ich verschiedene kräftige Fleischsorten mit verschiedenen Weißweinen. Eines war schnell klar. Mit einfachen Weißen wird es schwierig. Es braucht kräftige Weißweine, Reserven, Smaragde, und von Fall zu Fall ist eine gewisse Reife auch sehr hilfreich.

Fangen wir mit dem Rindfleisch an. Wie immer ist das Entscheidende der intensivste Faktor des Gerichtes, in vielen Fällen sind das die Saucen. Wer beispielsweise ein einfaches Steak probiert und dazu Kräuterbutter wählt, der kann mit einem Riesling Smaragd, noch recht jung, also je nach Wein nicht älter als 3 Jahre, schon sehr viel Spaß haben. Bei kräftigeren Saucen sollte man auf einen Grünen Veltliner, einen Riesling oder einen weißen Burgunder zurückgreifen, allesamt aus dem Bereich Smaragd oder Reserve und schon mindestens fünf Jahre gereift. Wer zum Lamm einen Weißwein genießen möchte, kann auf reife Burgunderweine wie Chardonnay, Weiß- oder Grauburgunder zurückgreifen. Sie werden überrascht sein, welche Aomasynergien sich hier erschließen.

Beim Wild wird es nun schon schwerer. Da das Fleisch an sich schon einen intensiven Eigengeschmack hat, muss man hier auf die richtig kräftigen Protagonisten unter den Weißweinen zurückgreifen. Sehr gut funktionieren wieder Riesling und Grüner Veltliner Smaragd oder Reserve. Allerdings reden wir hier durchaus schon von mindestens zehn Jahren Reifung.

Natürlich sind diese Kombinationen sehr gewagt, sie sind aber mindestens genauso spannend und aufschlussreich. Solche Experimente zeigen wieder durchaus sehr deutlich welches Potential Weißwein hat. Ebenso zeigen sie aber auch leicht wir Konsumenten uns von Klischees blenden lassen. Denn: Nur rote Weine zum Fleisch? Das stimmt nicht und ist obsolet.

Aber, als letzter Tipp, es müssen nicht immer sehr reife Weine sein, die gut harmonieren. Es gibt auch Weißweine, die quasi komplett outstanding sind, beispielsweise der Grüne Veltliner Stockkultur. Ich habe diesen Wein aus dem Jahr 2010 mit einem Wildhasenragout kombiniert. Die Gäste waren fasziniert, auch wenn sie mich erst nur belächelten oder eher misstrauisch beäugten. Dennoch haben sich viele auf dieses Experiment eingelassen und in allen Fällen war es erfolgreich und Essen und Wein gaben ein interessantes, spannendes und sehr harmonisches Konvulut ab.

Lassen wir unserer Kreativität freien Lauf und erleben wir wie unendlich vielfältig die Welt der Weine doch ist. Versuchen Sie es selbst.

Text: Pe­ter La­di­nig
Bild: 123rf​.com

2 comments on “Weinbotschaft. Der experimentierfreudige Weingenießer.

  1. das sollte wohl heißen: meint (!) peter ladinig – sonst wärs ja kontraproduktiv für die weinpresse …

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