Die Weinbotschaft und die vier Weinfarben

Reife WeineWenn ein Wein schmeckt, ist sein Aussehen Nebensache. Doch das Farbenspiel im Glas kann bereits vor dem ersten Riechen oder Probieren Hinweise auf den Genuss geben. Ihnen allen ist sicherlich bekannt, dass die 3 Haupt-Weinfarben Weiß. Rot und Rosé sind. Die vierte Farbe stellt Orange dar. Eine komplett neue Farbe? Es tut mir sehr leid, aber dem ist nicht so, lassen Sie mich damit schon vorweg aufräumen. Orange ist nichts Neues, das gab es schon. Aber es wurde neu entdeckt. Ebenso wie Rosé jeden Sommer neu entdeckt wird.

Weißwein
Das Farbspektrum beim Weißwein reicht von einem „Fast durchsichtig“ bis hin zu einem „Braun/Gelb“. Abhängig ist die spezifische Farbe im Grunde von drei Faktoren. Einer dieser Faktoren wäre die Rebsorte. Ein Chardonnay zeigt sich meist mit einem kräftigeren Gelbton. Anders zum Beispiel ein Sauvignon Blanc, dieser zeigt sich deutlich heller im Glas. Ein weiterer Faktor ist die Art des Weinmachens. Süßweine haben meist eine kräftigere Farbe als ein trockener Wein derselben Rebsorte. Auch der Einsatz von Holz spielt eine Rolle. Ein Chardonnay der im Barrique ausgebaut ist, zeigt sich mit einer intensiveren Farbe als ein Chardonnay aus dem Stahltank. Der Dritte Faktor ist das Alter des Weines. Ein junger Frischer Riesling aus einem aktuellen Jahrgang präsentiert sich heller, als ein reifer Riesling.

Ein paar einfache Regeln zur Übersicht:
• Trockene Weißweine sind oft eher grünschimmernd-weißgelb.
• Barrique-Weißweine sind dunkler und können mit steigendem Alter eine gold-gelbe Farbe erhalten.
• Sauvignon Blanc schimmert blass-weiß im Glas.
• Chardonnay hat eine eher gelbe Farbe.
• Dessertweine sind generell dunkler als trockene Tropfen (siehe Eiswein).

Rotwein
Und auch bei Rotweinen finden wir ein breites Spektrum an Farben. Wie beim Weißwein schon, sind zwei der Faktoren der Farbgebung abhängig von der Rebsorte, und auch von der Machart. (Aber ich würde sagen, man kann hier nur einen sehr geringen Unterschied feststellen.) Wie schon beim Weißwein, ist der Faktor der Reife hier ebenso gegeben, allerdings genau umgekehrt: Denn Rotweine werden mit zunehmendem Alter heller. Im Kern zeigen sich Rotweine im höheren Alter in einem Ziegelrot, oder einem Rotton mit bräunlichen Nuancen.

Auch hier wieder einige einfache Regeln zur Übersicht:
• Rotweine aus warmen Gegenden sind meistens dunkler als Weine aus kälteren Anbaugebieten.
• Spätburgunder, besonders aus Deutschland, ist lachs- bis rubinrot.
• Tanninhaltige Rotweine sind generell dunkler, leichte Rotweine eher heller.
• Rotwein aus nördlicheren Anbaugebieten haben einen rötlichen Rand mit leuchtenden Reflexen.
• Je älter der Wein, desto stärker die Brauntöne.
• Kein roter Schimmer bei Rotwein kann bedeuten, dass der Wein bereits seine besten Jahre hinter sich hat.

Rosé und Orange
Diese zwei Weinfarben können wir unter einem Punkt zusammenfassen. Und das liegt daran, dass diese Typen sich sehr ähneln. Ein Rosé ist ein Rotwein, der wie Weißwein verarbeitet wurde, ein Orange-Wein ist ein Weißwein, welcher wie Rotwein erzeugt wurde. Die Farben entstehen bei der Maischegärung. Die Maische eines Weißweines, und somit auch bei einem Rosé, wird erstens eher kühl gehalten und auch die Standzeit ist eine geringere. Die Maische eines Rotweines hingegen wird teilweise erwärmt, auch die Standzeit ist deutlich höher. Die Farbstoffe der Weintraube befinden sich in den Schalen der Frucht. Durch die längere Standzeit, sowie auch die höheren Temperaturen der Maisch können mehr Farbstoffe ausgelaugt werden.

Ein kleiner Fan-Fact: Champagner wird zum größten Teil mit Rotwein-Trauben erzeugt. Pinot Noir sowie Pinot Meunier, oder auch Schwarzriesling genannt.

Farbe Nummer 5: Blau
Vielleicht haben Sie es schon gehört. Im Sommer kam ein blauer Wein auf den heimischen Mark. Erzeugt wird dieser Wein von einem sechs-Köpfigen Team in den Mittzwanzigern auf einem spanischen Weingut. Die Gïk-Macher postulieren, dass sie selbst keine Winzer sind, sondern Erschaffer und sich absichtlich den traditionellsten Sektor, den sie kennen, ausgesucht haben um ihre Ideen und Gedanken umzusetzen.

Weinblogger und Winzer Dirk Würtz sagt ganz klar Nein dazu: „Der Wein ist trinkbar, wenn man schon leicht einen sitzen hat und auf Mallorca oder Ibiza weiter vorglühen will. Mit Wein und Weingenuss hat das nur am Rande zu tun. Ich habe ihn probiert und konnte ihn nicht einmal herunter schlucken.“ Für Würtz ist der blaue Wein ein netter Gimmick, auch ein lustiges Partygetränk, „aber besoffen werden geht auch stilvoller und mit mehr Geschmack.“ So die Meinung des von Dirk Würtz und ich schließe mich dieser Meinung vollinhaltlich an. Daher werden wir uns auch nicht näher damit befassen, man sollte nur wissen dass es sowas gibt.

Gik wird durch einen Pigmentierungsprozess produziert. Zuerst werden weiße und rote Trauben gemischt, um dann zwei organische Pigmente hinzuzufügen – Indigokarmin und Anthocyan –; diese  beiden stammen aus der dünnen Haut der Weintrauben, die genutzt werden, um den Wein herzustellen. Jedoch kann daran gezweifelt werden, dass wir dieses Produkt noch lange auf den Markt haben werden.

Denn schließlich ist es egal welche Farbe der Wein hat. Wenn er nicht schmeckt, wird er nicht gekauft. Ganz einfach.

Text: Peter Ladinig.

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5