Weinbotschaft. Chardonnay wie ich ihn mag!

Orange WineViele Weißweintrinker bevorzugen eher etwas Fruchtiges, etwas Leichteres, und auch Spritziges. Doch kann Weißwein auch anders? Ganz anders! Eines der schönsten Beispiele für die große Bandbreite dieser Sorten ist für mich der Chardonnay. Lässt man die Trauben länger reifen, erzeugt dadurch einen extraktreicheren Wein, gerne auch mit Holzausbau, wird Chardonnay für mich ganz besonders spannend.

Er zeigt sich in vielen Facetten. In jungen Jahren noch verspielt, reift er mit der Zeit zu einem gehaltvollen und eleganten Weißwein mit sehr viel Schmelz und Tiefgang. Solche Weine kann man gut und gerne über Jahre und sogar Jahrzehnte im Keller liegen lassen. Diese Reifezeit tut ihnen keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Solche Weine brauchen sogar sehr viel Zeit.

Mit der Reife entwickeln sich im Wein die klassischen Burgundernoten. Er wird milder in der Säure, kraftvoll im Gesamtpaket und auch leicht cremig im Abgang. Es zeigen sich Spuren von Honigmelonen, leichtem Karamell, reife exotische Früchte wie Mango und Bananen aber auch reife heimische Früchte wie Äpfel oder Birnen. Als Speisenbegleiter lässt er sich dann problemlos auch zu kräftigeren Gerichten genießen. Sehr schöne Vertreter von dieser Weinstilistik finden wir zum Beispiel am Weingut Loimer mit den Chardonnay „Schellmann“, aber auch der Chardonnay „Pandkräftn“ vom Weingut Ernst Triebaumer ist er sehr schöner Vertreter. Beide sind sehr kraftvoll am Gaumen, zeigen sich anfangs verspielt und präsentieren sich schnell opulent und elegant am Gaumen. Auch der Chardonnay „Hasl“ vom Weingut Topf darf hier nicht vergessen werden. Vor allem im Alter ist dieser Wein besonders spannend. Ich hatte neulich erst einen Chardonnay „Hasl“ aus dem Jahre 1997 im Glas. Ich war positiv überrascht, wie frisch er doch noch immer wirkte, nach so vielen Jahren in der Flasche.

Wenn wir schon von solchen Chardonnays reden, dürfen wir die zwei Chardonnay vom Weingut Velich nicht vergessen. Zum einen hätten wir hier den Darscho und den großen Bruder Tiglat. Darscho ist zwar nicht so komplex und filigran am Gaumen wie sein kleiner Bruder, dennoch zeigt er sich schnell von seiner kraftvollen Seite. Tiglat hingegen benötigt mehr Zeit, zeigt sich aber zum Schluss mit mehr Kraft, besserem Standing, feiner Mineralität, eleganter. Auch der Chardonnay „Gaisberg“ von Birgit Eichinger zählt zu diesen Weinen. Natürlich muss man klar feststellen, dass nicht jeder Chardonnay für eine lange Lagerzeit gedacht und gemacht wurde. Entscheidend sind Faktoren wie das Alter der Rebstöcke, der Boden, das Klima. Und natürlich auch die Handschrift des Winzers, das was er am Ende daraus macht. Aber es gibt einige Kandidaten, die immer eine sichere Nummer sind. Also, beim nächsten Einkauf daran denken. Ruhig etwas mehr von den edlen Tröpfchen bestellen. So schnell werden sie nicht kaputt. Ganz im Gegenteil.

Text: Peter Ladinig
Bild: 123rf.com

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