Brot ist Genuss. Aber vom Pheinsten.

Joseph Brot vom pheinstenVor langer Zeit schon hat in der Brotindustrie ein Umdenken stattgefunden. Weg vom Lebensmittel, hin zum Produkt. Getrieben von einer allgegenwärtigen „Geiz-ist-geil“– Mentalität, wurden Qualität und Inhaltsstoffe für Industrie wie für Konsument zweitrangig. Hauptsache billig, hieß das Mantra und zu dieser Zeit hat das Brot viel von seiner Strahlkraft eingebüßt. Als dann mit der Zeit der Preis wieder anstieg und der Inhalt immer noch vernachlässigt wurde, war das Geschäft zwar für viele Industriebäckereien ein Gutes, für den Brotesser und Genussmenschen war die Sache aber schon gekippt.

Heute interessieren sich viele Konsumenten wieder dafür was sie essen. Sie wollen wissen, was sie sich zuführen, wollen Inhaltsstoffe und Produktionsvorgang kennen, wollen nicht nur essen, sie wollen sich ernähren und dabei den Genuss in den Vordergrund stellen. Wir haben diesen Gedanken aufgegriffen und Josef Weghaupt, dem Gründer und Kopf von „Joseph-Brot vom Pheinsten“, um ein Gespräch gebeten und ihn gefragt was ihn antreibt, was sein Brot ausmacht.

Als Josef Weghaupt die Idee geboren hat, eine Bäckerei zu gründen, die Brot noch bäckt wie vor 100 Jahren, da wollte ihm niemand zuhören. Es wollte auch niemand wissen was genau sein Antrieb war oder warum er sein gesamtes Vermögen in ein Projekt stecken wollte, das von seiner Hausbank nicht für voll genommen wurde. Inzwischen ist der Beweis angetreten, dass das Konzept funktioniert und inzwischen hat man sich, mit der Backstube in Vitis im Waldviertel, auch den Ruf erarbeitet wirklich gutes Brot zu backen. Manche sagen, das Beste Wiens.

Warum das Brot schmeckt wie es schmeckt, ist, glaubt man dem ausgebildeten Lebensmitteltechniker und Fleischhauer, nicht sehr schwer zu erklären. „Bei uns geht es in erster Linie um naturbelassene Grundstoffe. Wenn man Getreide nimmt, und es nicht aber auch gar nicht behandelt, und so wie es vom Biobauern kommt verarbeitet. Ohne Hefe und ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Dann bleibt letztlich der reine Geschmack, der reine Genuss übrig. Und das ist es, was unser Produkt ausmacht. Wir verkaufen nicht nur Brot, wir verkaufen Genuss.“, so erklärt er leidenschaftlich. Angreifen, ansehen, hinhören, riechen und schmecken, gutes Brot aus Sauerteig sei im Grunde ein Erlebnis aller Sinne. – Und fast gerät er dabei ins Schwärmen – man kann durchaus verstehen, warum seine Mitarbeiter gerne für ihn und seine Idee arbeiten. Warum sie sich mehr als anderswo motivieren, sich einbringen und hinter dem Produkt stehen, es zu ihrem eigenen, ganz persönlichen Projekt machen. Bezeichnenderweise spricht man von einander nicht von Chef und Mitarbeiter. Eher von Josef und Kollegen. Und hat durchaus das Gefühl, dass hier auch Verantwortung füreinander übernommen wird. Und der Firmengründer holt noch weiter aus: „Auch wenn wir das nicht plakativ draufschreiben, natürlich machen wir Biobrot. Wir sind auch ein biozertifizierter Betrieb, aber man wird dazu keinen Hinweis  an der Eingangstüre finden. Wir schreiben es nicht drauf, weil es darum erst in zweiter Linie geht. Denn die Bio-Denkweise ist die unbedingte Konsequenz des Anspruches Brot wieder erlebbar, wieder schmeckbar zu machen.“ Es wieder aus der Ecke der industriellen Lebensmittel zu holen und wieder zu dem zu machen, was es früher einmal war. Ein Grundnahrungsmittel.

Josef Weghaupt und sein BrotWas in anderen Bereichen, wie beim Qualitätswein beispielsweise, bereits seit langem gesetzlich unterstützt wird, beim Getreide, der Urzutat unseres täglichen Brotes, ist noch keine Rede davon. Von Ertragsbeschränkung keine Spur. Die Entscheidung Weghaupts, sich einen Bio- oder sogar Demeterbauern als Partner ins Boot zu holen, eine Abnahmeverpflichtung zu unterschreiben und einfach nicht mehr als knapp 2 Tonnen pro Hektar zu ernten, ist in Österreich ein Novum. Aber so kann die Qualität in jedem Fall garantiert werden, so kann der Geschmack des Getreides unverfälscht ins Produkt kommen.

Sieht man noch ein wenig genauer hin, so erkennt man auch eine weitere Qualität: Die wirkliche Kunst Josef Weghaupts liegt darin, die Waage zu halten zwischen Produkt und Präsentation. Zwischen Authentizität mit Bioinhaltsstoffen und viel Handwerkskunst auf der einen Seite, und Designershop im Zentrum Wiens mit viel Marketingeinsatz auf der Anderen. Und dabei ehrlich und nachvollziehbar zu bleiben und nicht in die Designerprodukt–mit-Nichts-drin-und-viel-drumherum-Falle zu tappen. Der Vorwurf, „Joseph-Brot vom Pheinsten“ sei ein Bobo-Produkt, geht ins Leere und ärgert den Firmenchef ganz persönlich. „Ich möchte meine Mitarbeiter gut bezahlen können und hochwertige Produkte mit den besten Inhaltsstoffen liefern. Das kostet Geld.“, rechtfertigt er sich. „Letztendlich haben wir schon in der Produktion einen um vieles höheren Aufwand als jeder Industriebäcker, und wir haben eine faire Kalkulation. Die großen Millionen haben wir bislang nicht verdient – und werden wir wohl auch nicht so schnell.“  Zur Veranschaulichung: In einer durchschnittlichen Industriebäckerei werden pro Stunde und Person etwa 900 kg Brot gebacken, bei Joseph-Brot schaffen 3 Personen knapp 60 kg. Weghaupt weiß wovon er spricht, er kennt beide Seiten von innen.

Josef Weghaupt will 2013 einen Umsatz von gut 3 Millionen Euro erreichen, was für einen Bio-Bäcker-Betrieb mit inzwischen 60 Mitarbeitern schon recht erklecklich ist. Breitflächig vergrößern möchte er nicht, da ließe sich die Qualität nicht sichern. Und das ist immer noch das Wichtigste für ihn. Ohne Frage.

Text: Gregor Klösch
Bild: Joseph-Brot

4 comments on “Brot ist Genuss. Aber vom Pheinsten.

  1. Ich habe gerade hier „GEFÄLLT“ gedrückt.. was erscheint… Warnung: Bitte verlangsame deine Nutzung
    Es scheint als ob du diese Funktion nicht ordnungsgemäß verwendest. Verwende sie bitte langsamer, sonst kann deine Nutzung dieser Funktion blockiert werden.

  2. Karl-Heinz Kleinert: Facebook treibt js so manchmal sehr seltsame Blüten mit sich selber. Was stellen sich die Herren da vor? Soll man langsam klicken??? Und wie genau soll das gehen?

  3. *kopfschüttel*

  4. Das ging den ganzen Abend so, auch auf der „normalen“ Seite. Eine Erklärung bekommt man ja von fb. sowieso nicht, höchstens die Sperre (sie blieb aber aus)..

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