Ehrlich isst am besten.

Waldtzeile, Hitzing, Wien

Jan Sturrus, Wirt aus Gemütlichkeit und Überzeugung

Gemütlich und authentisch. Was wäre ein schönerer Untertitel für dieses Lokal, pardon, Wirtshaus. Mitten in Hitzing, in einem der grünsten Bezirke Wiens, nicht weit von Schönbrunn liegt ein Wirtshaus der besonderen Art. In einer alten Meierei, dort wo in alten Zeiten wohl noch der Wald begann, dort findet sich die Waldtzeile. Ein Schmuckstück – weniger Lokal als Wirtshaus – , das nicht nur viel Liebe zum Detail in Sachen Einrichtung erkennen lässt, sondern auch zeigt, dass Wirt sein auch etwas mit der eigenen Lebenseinstellung zu tun hat. Denn Jan Sturrus, der Chef, der uns mit launischem Wiener Schmäh an unserem Tisch begrüßt, scheint genau so zu sein wie sein Lokal: Gemütlich und authentisch.

Hier wo das Gastzimmer quasi Wohnzimmer der Wirtsleut‘  ist, wo die Kinder ihre Schulsachen liegen lassen dürfen um ungestört zwischen den Tischen zu laufen und zu spielen, hier findet man nicht nur eine ansehnliche Auswahl an Weinen österreichischer Spitzenwinzer – die Namen Gesellmann, Heinrich und Nittnaus sind zu sehen – und eine interessante  Bierauswahl. Auch die Speisekarte hat einen Hauch des Speziellen. Wir sehen hier eine bunte Mischung traditioneller Wiener Gerichte bis hin zu Fisch- und einigen Wildgerichten. Zu Mittag gibt es interessante Menüangebote – und das nicht nur von Gaumenseite, auch das Portmonnaie freut sich über einen Preis von  € 6,90 für Hauptgericht und Dessert oder Suppe.

Die original erhaltenen Räume des Alt-Wiener-Wirthauses, mit viel Sinn und Liebe zur Einrichtung gestaltet, sind meist großzügig geschnitten. Der überraschend geräumige Wintergarten, der an kühlen Wintertagen sicher genug Sonne bietet um den Alltag ein wenig zu vergessen, bietet eine angenehmes Mischung zwischen Gemütlichkeit und gehobener Gastlichkeit. Und wer die anderen Räume in ihrer Detailverliebtheit kennenlernen möchte macht sich einfach auf den Weg und stromert durch’s Lokal. Man findet ein großes Gastzimmer, wo das erfreute Kennerauge die Schätze des Sommeliers erblickt, den kleine Gastraum am Eingang mit seinem sehenswerten, silbernen Kanonenofen und wunderbar geätzten Glasscheiben oder den im Moment schneebedeckten Hof, im Sommer sicher ein herrlicher Gastgarten. Am Rande bemerkt: Er nennt sich selbst den „schönsten Wiener Gastgarten“ und das ist sicher ein hoher Anspruch. Am Weg dorthin kann der geneigte Gast jedenfalls schon mal einen Blick in die Küche werfen und sich hier die Einstimmung für das nachfolgende Mahl holen.

Wir wählten zu diesem kleinen verspäteten Mittagessen die Faschierten Laibchen mit Püree und den Gebratenen Ziegenkäse auf verschiedenen Salaten. Die Laibchen waren dem Geist des Hauses entsprechend: Gut – nein genau richtig –  gewürzt und fein abgestimmt, auch das Erdäpfelpüree war schön sämig und kartoffelig. Die übergeworfenen  gebratenen Zwiebeln waren gut und passend dazu, noch besser wären sie gewesen, wenn sie nicht als Convenience-Produkt sondern frisch und selbst geröstet diesen Weg gefunden hätten. Der Ziegenkäse, kräftig und frisch im Geschmack – außen scharf angebraten und knusprig, innen weich schmelzig und cremig, würzig und perfekt für den Gaumen – lag auf einem ansehnlichen und liebevoll gerichteten Bett aus Salat. Dessen Würze allerdings kaum wahrnehmbar war – ein klein wenig mehr an Essig und dafür etwas weniger und hochwertigeres Öl wäre hier vielleicht vertretbar. Die angebotene Marzipantorte war zur Bestürzung des Autors nicht mehr verfügbar, die ersatzweise angebotene Nougattorte, die dann letztendlich eine Maronitorte war, erfreute besonders meine charmante Begleitung, die eine ausgesprochene Maroniaffinität besitzt. Nicht zu süß präsentiert sich die Torte mit typisch feinem Kastanienaroma auf – im besten Sinne – unspektakuläre Weise. Hier ist die Betonung nicht auf der Süße oder dem Beiwerk – hier steht die Maroni im Vordergrund und genau so soll es sein. Nur der Espresso machte unsere Herzen ein wenig schwer. Zu dünn und wässrig suppt er im Tässchen. Die Crema verkocht, bietet er ausschließlich dunkle Röstaromen. Nichts von der bunten Vielfalt, die guten Espresso auszeichnet. Auch wenn wir hier nicht in einem Café sind – hier wäre noch Raum zur Entwicklung.

Résumé: Nicht nur ein Lokal oder Restaurant – sondern ein ausgesprochen spannendes Wirtshaus, überzeugt hier mit sehr guter Küche, toller Wein- und Bierauswahl und wirklich sehenswerten Räumlichkeiten. Und vor allem – der Wirt ist authentisch.

Bild: Waldtzeile

Spirits:

4 comments on “Ehrlich isst am besten.

  1. Thomas on said:

    Da die Kaffeemühle am 17.1.2013 neu installiert wurde und nach einer Einlaufzeit der Mahlscheiben nachjustiert werden muss, in der Regel nach 14Tagen, war bei Ihrer Verkostung die Mahlung zu grob und der Kaffee somit unterextrahiert. Wir haben die Einstellung heute korrigiert sodass die Qualität in der Tasse wieder stimmt. Möglicherweise müssen wir diese Einstellung nochmals kommende Woche korrigieren, danach hält diese dann über einen längeren Zeitraum.
    Lg Euer Kaffeekönig

  2. Wolfgang Laurent on said:

    Wenn ich Ihrern ( wirklich interessant geschilderten) Bericht lese kann ich nicht glauben, dass ich vor ca. 1 1/2 Jahren in selbigem Lokal gewesen sein soll.
    http://www.restauranttester.at/waldtzeile.html

    • Ja, offensichtlich teilen sich die Gäste der Waldtzeile in zwei verschiedene Lager. Diejenigen, die sich dort wohlfühlten und Essen, Trinken und Wirt goutierten und die andere, möglicherweise konträre Seite. Wir machten dort die genannten – recht positiven – Erfahrungen; und nur die kann ich schreiben, da hilft nix.
      Aber versuchen Sie es doch einfach wieder einmal – und beziehen sie sich auf dieWeinpresse. Vielleicht sind Ihre Erfahrungen dann besser.

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