Verrenberger Lindelberg Riesling, 2012, Weinkellerei Hohenlohe (D)

VerkostungsbeschreibungDas leuchtende, mittelkräftige Strohgelb mit goldgelben Reflexen lässt den Wein elegant in Erscheinung treten. Die am Glasrand gemächlich abfließenden Schlieren lassen Kraft vermuten. Kompromisslos, typisch, unverkennbar Riesling! Petrol, ordentlich Petrol, fast schon Heizölkanne, aber mit viel Grazie! Gleichzeitig gesellen sich Feuerstein- und Steinobstaromatik mit voller Power dazu. Dann kommt auch noch ganz dezent etwas Hollerblüte und Kräuterwürze ins Spiel. Beim zweiten Schnupperversuch präsentiert sich plötzlich eine ausgewogene Aromastruktur mit verblüffender Frische. Frucht und Mineralik präsentieren sich fein verwoben mit viel Kraft und Extrakt, ganz ohne kitschige „Süssstoff Anflüge“. Dafür verantwortlich ist die knackige Säure, die sofort im Gaumenorchester mitspielt und nicht nur für Frische, sondern auch für Harmonie sorgt. Da hat man wahrlich vollmundigen Wein am Gaumen, der aber trotzdem leichtfüssig auf der Zunge tänzelt, bevor es in den Abgang geht. Kraftvoll, aber nicht mächtig, sondern animierend. Irgendwie rund und ausgewogen, aber nicht langweilig, denn es spielen Ecken und Kanten mit, die dem mittellangen Abgang Charme und Finesse verleihen. Im Nachklang kommt sofort die Bestätigung; Riesling pur mit angenehmer Reife, alles andere als gealtert und fad, bitte nachschenken!

Geradlinig subtile Aromastruktur für’s Näschen, ein Muntermacher am Gaumen und ein passender Abgang. Wer Riesling nicht mag, der darf den nicht trinken, so mein Urteil. Der Wein verfügt über mittlere Trinkreife und hat auch noch mittelfristiges Entwicklungspotential in sich, welches innerhalb der nächsten 12 bis 15 Monate noch für einigen Trinkspaß sorgen wird. Fazit: Viel Riesling für wenig Geld (gesehen bei REAL in Süddeutschland für € 4,77), der wahre „Rieslingfreaks“ nicht nur wegen seines ausgezeichneten Preis- Leistungsverhältnis erfreuen kann. Achtung, absolut ungeeignet für Freunde hübsch gestylter Weine. Die Rebstöcke für diesen Riesling wachsen auf Muschelkalk- und Keuperböden und haben ein durchschnittliches Alter von 20 Jahren, was meines Erachtens eine gute Grundvoraussetzung für diese Rebsorte darstellt. Und das merkt man auch im Glas. Von daher drei große und leuchtende Sterne von mir.

Tief drinnen im Gedächtnis fast aller „weinwissenden“ KonsumentInnen ist es verankert; Weine von Großbetrieben sind zwar günstig, dafür qualitativ auch weniger hochwertig. Das mag vor 20 Jahren zutreffend gewesen sein. Heute aber wohl nicht mehr, denn auch in Großbetrieben haben sich die Prioritäten geändert. Ökologische Bewirtschaftung, Mengenreduktion und schonende Verarbeitung stehen auch hier an oberster Stelle. Die Weinkellerei Hohenlohe macht da keine Ausnahme, bewirtschaftet die insgesamt 500 ha Rebfläche mit größter Sorgfalt, vinifiziert saubere, reintönige Weine, mit den für die Region typischen Charaktereigenschaften und vermarktet sie unter dem Namen Fürstenfass.

Verkostet im Jänner 2016 von Andy Bigler

 

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