Weinworte. Aus der Tiefe unseres Herzens.

Weinverkostung. Im Internet.Können sie Wein? Und ich meine nicht machen sondern vielmehr beschreiben? Können Sie das was in ihrer Nase, auf ihrer Zunge, in ihrem Kopf vorgeht, wenn sie das Glas an die Nase und an die Lippen führen beschreiben? Vor einiger Zeit habe ich schon einmal dieses Thema aufgegriffen und eine kleine Anleitung verfasst, ein How-To, ein Weinverkostung-für-Dummys, die die grundsätzliche Herangehensweise beschreibt. Haben sie all das beherzigt und haben sie etwas daraus gemacht? Haben sie ihre Erinnerungen durchforscht, die kurz aufblitzenden Bilder in ihrer Großhirnrinde erkannt und können sie all das nun in Worte fassen und dem nächsten Konsumenten und Flaschenöffner eine Idee des Weins liefern?

Ja? Wie schön für sie. Aber dass es dabei mehr als einen Weg gibt, steht für mich auch außer Zweifel und ich möchte ihnen im folgenden eine Verkostungsnotiz nicht vorenthalten, die ich an einem der vergangenen Abende von einem Weinpresse-Autor erhalten habe:  Er schmeckt nach frisch gemähtem Gras. Nach Äpfeln, die gerade vom Baum gefallen sind und nach dem Lachen meines Vaters, er schmeckt nach den versteinerten Seesternen, die ich als Kind gefunden habe und nach dem Grün, das die Bäume sich anziehen, wenn es Frühling wird. Und, geneigter Leser, soll ich ihnen verraten was ich dazu denke? Ich finde sie gut, berührend, ja beeindruckend. Ja, natürlich sie werden sagen, eine Verkostungsnotiz muss beschreiben nach welchen Aromen und wie der Wein schmeckt. Sie soll eine Idee vermitteln, eine Vorstellung wie er sein könnte. Möglichst objektiv und nachvollziehbar.

Aber machen wir uns auch eines klar: Genau genommen ist eine Verkostungsnotiz der Versuch etwas objektiv darzustellen, das immer subjektiv bleiben wird. Denn die Beschreibung der wahrgenommenen Aromen und des Geschmacks sind immer ein Bild der eigenen Erinnerungen und Erfahrungen. Assoziationen die wir haben und die wir beschreiben, wenn uns ein bestimmtes Aroma in der Nase haften bleibt. Und letztendlich, im tiefsten Grunde unseres Herzens sind die oben zitierte Worte genauso treffend, wie jede andere Weinnotiz es sein wird, ja vielleicht sogar manchmal noch passender. Ja, vielleicht sind sie noch viel schöner – weil sie nämlich auch die Poesie des Weines zitieren. Und beschreiben was im Herzen unseres Verkosters geschehen ist, als er diese Aromen wahrnehmen durfte.

Und so gesehen, ist diese Verkostungsnotiz doch auf jeden Fall nachvollziehbar, oder?

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