Wie man eine Flasche präsentiert. Teil I.

Falstaff, Parker und CoOder: Eine Anleitung für die eigene, ganz private, Weinverkostung.
Sind Sie ein Weinfreund? Schön für Sie. Und schön für Ihre Freunde. Denn sicher haben Sie einen Keller, in dem so mancher Schatz liegt, sicher haben sie viel zu erzählen über die eine oder andere Flasche und ganz sicher wollen Sie Ihre Freunde auch an Ihrem Wissen teilhaben lassen. Also? Haben Sie schon einmal daran gedacht eine eigene Weinverkostung zu machen? Mit Ihren eigenen Weinen? An Ihrem eigenen Esstisch und mit Ihren Freunden? Warum nicht? Kein Problem für Sie. Die Flaschen dazu warten im Weinkeller und das Wissen dazu in Ihrem Kopf. Also, worauf warten Sie noch?

Die Gästeliste
Stellen Sie doch eine illustre Gästeliste zusammen, laden Sie Ihre Freunde ein und beginnen Sie das mit einem Termin. Es bietet sich hierfür Doodle an, aber dieses Instrument kennen Sie ganz sicher – Sie sind ja Mann oder Frau von Welt. Der Termin sollte vielleicht am Vorabend eines Feiertages sein – speziell wenn Sie nicht vorhaben Spucknäpfe aufzustellen – aber in jedem Fall sollte jeder Teilnehmer Zeit und Ruhe mitbringen. Und Lust sich auf eine möglicherweise ganz neue Welt einzulassen. Was Sie vermeiden sollten, sind vielleicht  Teilnehmer die sich zum strikten Anti-Alkoholismus bekennen und Leute, die den Abend mit einem Statement beginnen wie: „Ich kann nur ein kleines Glaserl trinken, ich muss nämlich noch fahren.“ Mit solchen Gästen ist Ihrem Anspruch nicht gedient, solche Nicht-Trinker könnten den anderen Teilnehmern den ganzen Abend vermiesen. Ich möchte hier keinen Aufruf zum Komasaufen generieren, allerdings ist es beim Weinverkosten doch hilfreich, sich mit der richtigen Klientel zu umgeben. Finde ich. Eine gute Variante wäre es, einen Fahrdienst zu organisieren oder alle Eingeladenen von Anfang an darauf hinzuweisen, doch bitte die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und Führerscheine und Fahrzeuge zu schonen.

Der Abend
Nachdem sie nun die Einladungsliste fixiert und auch den Termin geklärt haben, schon dies ist ja in manchen Fällen eine größere Herausforderung, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt die Planung des Abend zu beginnen. Beginnen sie damit eine Auswahl an Weinen zusammenzustellen, die sie für interessant halten. An dieser Stelle sollten sie auch eine weitere Entscheidung fällen: Werden sie Spucknäpfe aufstellen oder nicht? Wenn sie diese Frage mit Nein beantworten, sollten sie die Anzahl der Weine mit der Anzahl der Gäste beschränken, also pro Gast nicht mehr als drei Viertel des kostbaren Saftes einplanen. Die Fähigkeit zu riechen und zu schmecken lässt mit zunehmendem Alkoholkosum stark nach und nach einiger Zeit werden die Gäste möglicherweise  ihre großartige Auswahl nicht mehr sehr zu schätzen wissen. Oder die pointierte Wertschätzung Ihrer Weinauswahl nicht mehr wirklich verständlich formulieren können. Sollten Sie entscheiden, die Frage der Spucknäpfe zu bejahen, dann darf die Quantität in der Auswahl etwas großzügiger ausfallen. Übrigens, bei der Herausforderung, die Spucknäpfe zu besorgen, könnte ein gelb-blaues schwedisches Möbelhaus Lösungsansätze miteinbringen. Hier findet man ganz sicher den einen oder anderen Krug, Vase oder ähnlichen Tischschmuck, der den Voraussetzungen (groß genug, opak, stilsicher) genügen könnte. Und noch einmal zurück zum Thema Gästeliste. Sie  muss nicht aus Weinkennern bestehen, oft ist viel interessanter, so manchem Laien und Genußliebhabern eine neue Geschmacksdimension zu eröffnen. Und aus eigener Erfahrung kann ich mitgeben, dass Runden, die die Schmerzgrenze von sechs Personen überschreiten, im privaten Rahmen schon eine Herausforderung sein könnten. Aber das können Sie sicherlich für sich selber besser einschätzen.

Das nächste Mal reden wir über die Auswahl und die Präsentation. Bis bald.

Text: Gregor Klösch
Bild: mweichse / 123RF Stock Photo

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