Unter der Lupe: Laktoseintoleranz.

Laktoseintoleranz, was ist das eigentlich? Ernährung und seine Tücken.Wandert man aufmerksamen Blickes durch die Regale der österreichischen Supermärkte, so stolpert man früher oder später unweigerlich über einen schimmernden Begriff, der Betroffenen nur zu bekannt ist: „laktosefrei“. Das Wort „Laktoseintoleranz“ ist längst zu einer weithin bekannten Erscheinung der Lebensmittelwelt unserer Zeit geworden. Doch was steckt dahinter?

Grundsätzlich betrachtet sind Nahrungsmittelintoleranzen das Unvermögen des Körpers bestimmte Nahrungsmittelbestandteile zu verwerten, was auf angeborenen oder auch erworbenen Enzymdefekten beruht. Allerdings sind Intoleranzen dabei keinesfalls mit echten Allergien zu verwechseln. Bei Allergien handelt es sich um Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems auf bestimmte Umweltstoffe, in diesem Fall Nahrungsmittel. Im Gegensatz dazu ist das Immunsystem bei Intoleranzen nicht beteiligt, obgleich es in gewissen Fällen sehr wohl zu allergieähnlichen Symptomen kommen kann. Tatsächliche Nahrungsmittelallergien sind außerdem weitaus seltener. Die Laktoseintoleranz ist die häufigste der bekannten Intoleranzen und in wenigstens geringen Maßstäben ist sie bei einem Großteil der Weltbevölkerung zu finden.

Diese Tatsache liegt in der menschlichen Entwicklung begründet. Im Säuglingsalter sind wir mit der Muttermilch selbstverständlich bestens dazu in der Lage, den Milchzucker (die Laktose) zu verarbeiten. Mit steigendem Alter sinkt die Aktivität der Laktase jedoch, des Enzyms, das für die Verwertung der Laktose verantwortlich ist. Damit ist eine mehr oder minder stark ausgeprägte Intoleranz für Erwachsene also eine völlig normale Sache. Dementsprechend ist der Maßstab einer wirklichen Laktoseintoleranz individuell äußerst unterschiedlich und hängt mit dem Grad zusammen, in dem der erwachsene Körper Laktase produzieren kann. Eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker bedeutet also keineswegs das völlige Unvermögen nicht wenigstens kleinste Mengen verarbeiten zu können. Wer nun einen genaueren Blick auf die vielfältigen Produkte wirft, die sich in Supermärkten heute mit dem Etikett „laktosefrei“ vorfinden lassen, wird auch bemerken, dass „laktosefrei“ eigentlich nur die Reduktion des Milchzuckergehalts auf äußerst geringe Werte meint.

Unter normalen Umständen findet die Verwertung der Laktose im Dünndarm statt. Die verminderte Aktivität der Laktase sorgt bei der Intoleranz jedoch dafür, dass der zugeführte Milchzucker nicht vollständig verwertet wird und in Teilen weiter in den Dickdarm wandert. Dort übernehmen die vorhandenen Darmbakterien stattdessen den Abbau und setzen dabei diverse Gärprozesse in Gang, die zu Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall führen können. Der richtigen Diagnose einer Laktoseintoleranz dient ein Instrumentarium diverser medizinischer Tests, wie beispielsweise über den Blutzucker. Dank der heutigen Produktvielfalt an laktosearmen Nahrungsmitteln ist eine laktosereduzierte Ernährung, die möglichen Symptomen vorbeugt, sehr wohl möglich. Selbstverständlich erweist sich dabei auch die berühmte Allergenverordnung für die Gastronomie als hilfreich, laut der Milch bzw. Laktose unter dem Code „G“ geführt wird. Neben einer bewusst laktosearmen Ernährung kann auch die ergänzende Einnahme von Laktase in Form von Kapseln oder Tabletten genutzt werden, um der Intoleranz beizukommen.

Text & Bild: Cornelius Binder

 

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5