Unaussprechlich gut: das Beisl „Woracziczky“ in Margareten

Logo2013Der Trzesniewiski gehört zu den bekanntesten Wiener Essens-Institutionen. Kaum einmal gelingt es mir, beim Stammsitz in der innerstädtischen Dorotheergasse oder bei einer der sonstigen Filialen, etwa auf der Mariahilfer Straße, vorbeizugehen, ohne nicht zu mindestens einen Einkehrschwung auf ein oder zwei Brötchen und einen Pfiff Bier zu machen. Die auf Erdäpfelbasis hergestellten Aufstriche sind einzigartig, unterscheiden sich in ihrer Charakteristik deutlich von Duran, Tauber und Co. Meine zwei Lieblinge sind der Schwedische Hering und der scharfe Pfefferoni-Aufstrich. Zweiteren esse ich immer als Letztes, weil nachher schmecke ich nicht mehr viel. Brennt gut. Der Werbeslogan von Trzesniewski „Unaussprechlich gut“ ist jedenfalls voll berechtigt. Aber eigentlich wollte ich heute gar nicht über den Trzesniewski schreiben, sondern über einen anderen Zungenbrecher, den Woracziczky. Der ist nämlich auch unaussprechlich und gut, sehr gut sogar.

Der Woracziczky ist ein Wiener Beisl in der Margaretner Spengergasse, nahe dem Wienfluss. Und es handelt sich um ein echtes Juwel von einem Beisl. Warum? Weil mich dort eine angenehme Atmosphäre empfängt, egal ob drinnen oder im Schanigarten. Drinnen ist es ein angenehm heller, reduzierter Neo-Beisl Stil, draußen sitzt man in einer ruhigen Sackgasse direkt am Gehsteig. Die Anrainer, die wie die Muppets StatlerWaldorf an den Fenstern hängen, schauen Dir halt bis auf den Grund deiner Frittatensuppe. Und registrieren jedes Achterl. Daran muss man sich gewöhnen; aber sonst ist es sehr angenehm.

Weiters ist es das ausgesucht nette, persönliche Service. Die Chefin Marion Jambor, die zuvor schon Edelhütten wie das Mraz und Sohn und das Coburg managte, ist einfach Wirtin durch und durch. Man merkt ihr den Spaß an der Arbeit an. Und sie hat ein Gedächtnis wie ein Elefant. Die Bestellung aufschreiben hat sie nicht notwendig, es wird alles richtig und flott serviert.

Und natürlich am wichtigsten: das gute Essen. Hervorragende Zutaten verbinden sich mit avancierter Kochkunst, es schmeckt einfach alles gut. Ob das jetzt der großartige Beinschinken vom Thum mit Gemüsemayonaisse war, die Schinkenrolle mit Kräutergervais oder die kalte Gurkensuppe. Oder gar der Vanillerostbraten mit kiloweise goldbraunen Knofel. Der Knoblauch schmeckt süß-scharf, kein bisschen bitter. Ich wünschte, ich würde ihn daheim immer so hinkriegen.

Zu den Desserts brauch ich nicht mehr sagen. Sowohl die Creme Brulee als auch das hausgemachte Vanilleeis mit heißen Himbeeren waren unaussprechlich gut.

Das Woracziczky gibt es jetzt doch schone einige Jährchen und es hat sich – berechtigterweise – zu einer richtigen Institution entwickelt. Ein Ort, wo man sich einfach wohlfühlt. Auch noch nach drei Gängen bei hochsommerlichen 33 Grad im Schatten. Und das will was heißen.

Also Leute, nichts wie hin zum Woracziczky. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: ich krieg keine Prozente für diese Werbung. Leider!

Text: Michael Binder
Bild: Woracziczky

One comment on “Unaussprechlich gut: das Beisl „Woracziczky“ in Margareten

  1. Also ich kenne das Beisl nicht – aber ich werde es mir wohl in nächster mal ansehen. Und um mal aus der Schule zu plaudern, ich mag die Beiträge von Michael Binder. Schon rein sprachlich sind sie immer interessant. 🙂

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