Streetfoodmarket in Graz: Essen bis zum Abwinken

GenussSeit 2 Jahren gibt es in der Messehalle in Graz den Streetfoodmarket, in dem Aussteller aus der ganzen Welt Take-away-Gerichte anbieten, meistens in stylishen Trucks, derentwegen allein man schon Grund hätte, sich das anzuschauen. Ich allerdings, bekannt als große Feinschmeckerin vor dem Herrn, habe mich auch im Jahre 2016 aufgemacht, um das ultimative Geschmackserlebnis zu finden, mich durch die Küchen der Welt zu kosten und von Argentinien bis Zypern alles zu probieren, was es gibt.

Schon beim Eintreten machen Duftkompositionen Appetit. Es wird gesotten, gebraten, frittiert und gedämpft, Rauchschwaden steigen in die Luft, es riecht nach Samstagabendgrillerei, Zuckerzeug und sämtlichen Gewürzen, die dereinst auf der Seidenstrassse den Weg nach Europa fanden. Ich kann mich nicht entscheiden, womit ich beginnen soll und staune wie ein kleines Kind ob der reichhaltigen Fülle, die mir dargeboten wird. Meine Begleitung steuert KOREA an. Eine gleichbleibend freundlich-lächelnde Frau reicht uns MANDU über den Tresen, das sind mit Fleisch gefüllte und frittierte Teigtaschen, über die man süß-saure Sauce aus Essigurken und allerlei anderem Gemüse gibt. Selbstverständlich wird mit Stäbchen gegessen, meine österreichischen Finger, ungeduldig wie der Rest von mir, legen diese nach dem ersten ungeschickten Versuch zur Seite und greifen zu, sowie sie es gelernt haben.
Es schmeckt gut, reisst mich aber nicht vom Hocker.

Wir machen einen grossen Sprung quer über den Erdball und landen New York: bei original amerikanischen Burgern gibt es nicht viel zu bekritteln, das Fleisch ist saftig, das Brötchen flaumig und die dazugehörige Barbecue-Sauce mittelscharf und würzig. Die Höhe des Gebildes macht es unmöglich, „schön“ zu essen, weil man den Mund aufreißen muss, wie ein hungriger Jungvogel, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Als Zwischengericht gönnen wir uns holländische Poffertjes, das erste Highlight des Tages. So einfach sie sind, so gut schmecken sie. Man stelle sich sehr kleine, dicke Palatschinken vor, die aus Buchweizen und Weizenmehl bestehen, mit Staubzucker bestreut werden und mit Sirup oder frischen Früchten serviert werden. Was eigentlich brüderlich geteilt hätte werden sollen, landete fast zur Gänze in meinem Mund, so begeistert war ich.

Jetzt muss was Pikantes her, wurde festgestellt und wir wanderten nach Vietnam. Satay-Spiesse, deren Zubereitung allein uns schon das Wasser im Mund zusammenrinnen ließ, wurden mit einer Erdnuss-Kokos-Sauce serviert, deren Geschmack kaum zu beschreiben ist. Mollig-süß-würzig fällt mir ein und wie versunken ich dagesessen bin vor lauter Gaumenfreude.

Das kann nichts mehr toppen, wurde einstimmig festgestellt. Da hatten wir den irischen Stand allerdings noch nicht aufgesucht. Ich bin, was Irland betrifft, sehr voreingenommen (Lieblingsland) und mein Urteil daher nicht „rechtskräftig„, wurde mir gesagt. Trotzdem war auch meine Begleitung begeistert von einem scharf angebratenen Stück Lamm mit einer Cheddar-Sauce (oja – das geht!), Cole-slaw (Krautsalat) und knusprigem Weißbrot. Das Gericht hieß sinnigerweise „I miss you, Irland“ (!) und beförderte den vietnamesichen Spiess auf Platz 2 der nach unten offenen Genussskala.

Aber noch war nicht aller Tage Abend. Tibet und Frankreich standen noch auf unserer Liste.
Momo heißen in Tibet gedämpfte Teigtaschen, die sich allerdings nur in der Zubereitung von den anfangs probierten Mandu unterschieden. Dann kam Frankreich. Ich musste einfach Austern bestellen. Ich habe erst einmal welche gegessen, aber das ist so lange her, dass ich sie noch einmal versuchen wollte. Irgendwie hatte ich das schlüpfrige, salzige Weichtier in guter Erinnerung.

Mit einem Glas Chablis stand ich allein am Tresen und schlürfte. Beides. Um ehrlich zu sein macht es wahrscheinlich die Kombination Auster-Wein aus, die dem Ganzen einen elitären Touch verleiht. Die Auster schwamm in einem See aus Meerwasser und rutschte quasi von selbst den Hals hinunter. Vielleicht aber bin ich auch nur eine kulinarische Banause. Austernliebhaber mögen mir verzeihen.

Nach drei Stunden schauen, schmecken und riechen sind wir gegangen.
Satt, zufrieden und mit dem festen Willen, nächstes Mal wieder zu kommen. Ohne Austern.
Dort.

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