Steirerblut. Claudia Rossbacher im Interview. (1)

Claudia Rossbacher Weingarten, Steiermark, ÖsterreichSoeben erschien ihr sechster Kriminalroman um das Ermittlerduo Sandra Mohr und Sascha Bergmann: „Steirernacht“. Kaum erschienen, eroberte er schnell die Bestsellerlisten. Zeit zum Ausruhen und Entspannen hat die erfolgreiche Autorin Claudia Rossbacher allerdings nicht – aber Zeit für einen Kaffee und ein Interview nimmt sie sich dennoch gern.

Kathrin Bürger traf Claudia Rossbacher im beliebten Café Dommayer in Wiens 13. Bezirk.

KB: Frau Rossbacher, „Steirernacht“, der sechste Fall der LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann ist seit 1. Juni auf dem Markt. Wie fühlen Sie sich dabei? Können Sie jetzt aufatmen, zur Ruhe kommen, ein bisschen entspannen?

CR: Keineswegs! Bislang erschien jährlich, seit 2011, immer im Frühjahr ein neuer Fall von Sandra Mohr und Sascha Bergmann. Heuer mussten meine Leser sich bis Juni gedulden. Damit es sich in 2017 wiederum mit dem Frühjahrsprogramm ausgeht, arbeite ich bereits am siebten Fall. Zudem bin ich gerade viel unterwegs auf Lesereisen. Zeit zum Ausruhen gibt es also nicht wirklich. Da ich aber liebe, was ich tue, empfinde ich jeden Tag wie Urlaub, na ja fast.

KB: Sie sind gebürtige Wienerin, wohnen zum Teil auch noch hier, aber Ihre Fälle siedeln Sie – zumindest in dieser Serie – immer in der Steiermark an.

Was gefällt Ihnen an der Steiermark?

CR: Man hat so seine Regionen, die einen inspirieren, wo man Ruhe und Kraft findet. Bei mir hat es bereits in der Kindheit begonnen, als ich in den Ferien auf den Reinischkogel ins Ferienlager geschickt wurde. Da ist mir das steirische Land in schöner Erinnerung geblieben und ich bin immer wieder gern dahin zurückgekommen. Außerdem ist mein Mann Steirer und seit einiger Zeit leben wir auch fest am Reinischkogel.

Auslöser für den ersten Steirerkrimi war meine Idee, dass eine nackte Frau durch einen Wald rennt. Ich wollte diesen Wald nicht zu nah an Wien ansiedeln und so bin ich schnell auf das waldreichste Bundesland Österreichs gekommen: die Steiermark. Mit „Steirerblut“ begann ich eine Krimiserie, die neben dem Fall an sich auch immer wieder bestimmte Gegenden porträtiert. Es war, als hätten die Leser darauf nur gewartet, denn ganz Österreich und auch Deutschland ist an dieser Serie interessiert.

KB: Joanne K. Rowling sagte auf die Frage hin, wie sie die Geschichten um Harry Potter entwickelte, dass sie von Beginn an wusste, wie es Harry ergehen wird. Ist es bei Ihnen auch so? Wissen Sie, wie es mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann weitergehen wird?

CR: Nein, das weiß ich nicht. Das entwickelt sich beim Schreiben. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, vielleicht ist es die Muse oder kosmische Eingebung … wichtig ist, dass die Figuren authentisch und die Geschichte logisch bleibt. Ob die beiden jemals auch privat zusammenkommen werden, was ich von Lesern sehr oft gefragt werde, kann ich noch nicht sagen, das ergibt sich wie alles andere auch.

KB: Wie recherchieren Sie Ihre Schauplätze? Sie kennen sich sehr gut aus in der Steiermark, haben gemeinsam mit Ihrem Mann auch einen Reiseführer geschrieben („Griaß eich in der Steiermark“), wie erarbeiten Sie sich die Gegend für den kommenden Fall?

CR: Ich muss die Region in allererster Linie einmal erspüren und frage mich: Welche Themen beschäftigen die Menschen dort? Was ist ihnen wichtig, was sind ihre Probleme? Und nicht zu vergessen: Meine Leichen sind meistens regionsspezifisch, sie müssen in die Landschaft passen. In meinem aktuellen Buch geht es auch um die typischen Höhlen rund um Pöllau. Das sind weit verzweigte, kaum erforschte Labyrinthe aus Höhlen und unterirdischen Gängen, die sich durch die ganze nördliche Oststeiermark ziehen, mehr als zehntausend Jahre alt. So etwas greife ich natürlich auf, das ist besonders an dieser Gegend. Wie auch einige andere Details.

KB: Wie reagieren besonders die Steirer auf Ihre Bücher? Kommen da schon einmal „Bewerbungen“, wo der nächste Schauplatz sein sollte?

CR: Offizielle Bewerbungen, z.B. von Tourismusverbänden, gab es noch keine. Allerdings kommen immer wieder einmal Leserbriefe, in denen mir die Fans schreiben, es wäre doch fein, wenn der nächste Fall da oder da stattfinden würde.

Zudem bekomme ich einige E-Mails von Lesern, die erstaunt sind über bestimmte Einzelheiten, die beispielsweise noch nie von diesem Höhlensystem gehört haben, obwohl sie dort geboren und aufgewachsen sind.

KB: Von drei Büchern gibt es bereits Hörbuchfassungen, werden die anderen auch eingelesen?

CR: Das würde ich sehr gerne, ich habe ja alle selbst eingelesen und mir macht das großen Spaß. Aber das Hörbuchgenre ist in Österreich nicht so gut vertreten, da muss man abwarten, ob sich ein deutscher Lizenznehmer findet. Momentan ist leider kein weiteres Hörbuch geplant.

Den zweiten Teil dieses inspirierenden Interviews lesen Sie morgen hier.

Text: Bürger
Bild: Rossbacher

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