Grüner Veltliner Steinvision, 2014, Markus Waldschütz

Markus Waldschütz, Österreich, KamptalHelles Strohgelb mit leuchtenden goldfarbenen Reflexen laden zur genaueren visuellen Begutachtung ein. Es klingt etwas übertrieben, aber in den gemächlich abfließenden Schlieren am Glasrand lässt sich ein zarter Hauch von Mineralik erkennen. Pfeffrig, kräutrige Aromen, kompakt verwoben mit Noten von Feuerstein und Steinmehl vom Granit. Würzig frische Aromen und ein Hauch von Steinobst gesellen sich sofort dazu. Mit knapp 14%vol. Alkohol ist dieser Bursche eher kein Leichtgewicht. Trotzdem tanzt er vorerst ziemlich ausgelassen am Gaumen herum. Frisch und angenehm opulent breiten sich würzige Fruchtaromen am Gaumen aus, getragen von einem perfekt passenden Säuregerüst. Spürbare Mineralik verleiht diesem Gaumentanz sehr viel Elegance. Der Abgang gestaltet sich komplex und feingliedrig, zeigt einige äußerst charmante Ecken und Kanten, die sich finessenreich in den langen Abgang einbinden. Dieser Abgang strotzt vor Kraft, ist aber Dank der ausgeprägten Mineralik niemals unangenehm breit oder gar plump. Im Gegenteil, Elegance und Charme prägen den Gesamteindruck. Der Nachklang dauert eine halbe Ewigkeit.

Der erste Wein, der sogar meine audiovisuelle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Sofort nach dem Öffnen der Flasche und anschließender Begutachtung des Etiketts hat man, etwas Phantasie vorausgesetzt, die schweißtreibenden Steinmetzarbeiten vor Augen und kann auch das Bersten der Gesteinsbrocken vernehmen. Im Hintergrund ist das dezente Gurgeln eines Karstgerinnes wahrnehmbar. Das alles leitet unmittelbar die eigentliche Verkostung ein.
Der Gesamteindruck von der Erstbegegnung mit der verschlossenen Flasche bis zum finalen Nachklang kann mit zwei Worten treffend beschrieben werden, „saugeil, unvergesslich“! Und man muss sich wirklich beherrschen, um nicht den gesamten Vorrat innerhalb kürzester Zeit auszutrinken, denn trinkreif ist sie, die Steinvision 2014. Allerdings sollte das merkliche Potential nicht unbeachtet bleiben, da ist noch mindestens für weitere sieben bis zehn Jahre Entwicklungspotential vorhanden.
Fazit: Egal welche seiner Visionen, Markus Waldschütz hat sie alle perfekt in Szene gesetzt und mit der Steinvision 2014 einen erstklassigen Grünen Veltliner geschaffen, der keines großartigen Fachwissens bedarf, um ihn zu verstehen und genießen zu können. Er beweist damit aber auch, dass es weder Orange noch Natural sein muss, um nicht Alltägliches zu vinifizieren und dafür gibt es auch nicht alltägliche 6 Spirits ******!!! Ich weiß, wir haben maximal 5 zu vergeben, aber wo ein Wille, da auch ein Weg. Über den Werdegang des Steins haben wir schon hier geschrieben.

Ein bekanntes Sprichwort ein wenig abgeleitet, „die Traube fällt nicht weit vom Stock“. Damit wäre eigentlich alles gesagt, denn Markus Waldschütz ist seinem Vater Reinhard sehr ähnlich. Markus, ein innovativer Bursche, bodenständig und ein wenig stur, weiß was er will. Tradition und Klassik sind ihm sehr wichtig und er hat auch das Verständnis modernste Kellerei Technik so einzusetzen, dass seine Weine nicht verfälscht werden. Mit der Anschaffung, des nicht gerade günstigen Granitfasses, legte er den Grundstein für eine Weinstilistik, deren Wurzeln im traditionellen Weinbau zu finden sind. Markus tritt zwar in die Fußstapfen seines Vaters, überzeugt aber mit eigenen Ideen, mit denen er den traditionellen Weinbau quasi aufpeppt. Dieser Jungwinzer weiß nicht nur wo er hin will, er versteht es auch, sich sehr professionell in Szene zu setzen. Seine Weine sind quasi sein persönliches Spiegelbild, eigenständig, unverkennbar und reich an Potential.

Verkostet von Andy Bigler, Anfang Juni 2016

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