Kaffee wie im Urlaub

Türkischer Kaffee mit Peter SteiningerZuhause ist es doch am Schönsten. Dieser Satz steht oft erleichtert am Ende eines Urlaubs. Davor wird er meist belächelt, wartet doch zuhause an jeder Ecke und hinter jeder Schranktür eine lange Liste von Erledigungen. Doch der Tapetenwechsel ruft. Denn die Witze der Arbeitskollegen sind nicht mehr frisch und selbst der Chef hat den Urlaub offensichtlich schon bitter nötig, der Akku möchte endlich wieder aufgeladen werden. Also ab in die Sonne, machen wir uns auf Neues zu entdecken. Wie wäre es heuer einmal mit der Türkei oder mit Griechenland? Das sind Länder mit beispielhafter Gastfreundschaft, die sich in einer ganz besonderen Zubereitung von Kaffee wiederfindet.

Türkischer Kaffee wird in jedem Haushalt nach überlieferten Rezepten zelebriert und als Willkommensgeste jedem gern gesehenen Gast angeboten. Verwendet werden Bohnen die fast ausschließlich in die Türkei, Griechenland und die angrenzenden Länder geliefert werden. Diese Arabica-Bohnen stammen aus Brasilien und bekommen schon am Strauch ihr ganz spezielles Aroma. Dafür verantwortlich sind Viren die die Pflanze befallen und den Kaffee nach Karbol riechen lassen. Zugegeben, das klingt nicht übertrieben verlockend, hat aber in dieser speziellen Zubereitung durchaus seinen Reiz. Dieser markante Rio-Geschmack leitet sich von dem im Rohkaffeehandel üblichen Namen ab, dem Rio Minas. Bei uns auch bekannt als harter Arabica.

Die hell gerösteten Bohnen werden am Besten in einer der goldfarbenen, zylindrischen Handmühle mehlfein vermahlen. 7-10g pro Portion sind ein passendes Maß für diesen kräftigen Genuss. Das Mahlgut wird in verhältnismäßig kleine Kupferkännchen, den Ibrik, eingefüllt und je nach Vorliebe mit Gewürzen wie Zimt, Kardamom, Anis oder Nelken vermischt. Meist stark gesüßt wird mit Honig oder Zucker und anschließend bis zur engsten Stelle am Kannenhals mit kaltem Wasser bedeckt und umgerührt. Diese Verjüngung hat die Aufgabe, den Kaffee steigen und aber nicht zu kochen zu lassen wenn der Ibrik auf dem Feuer steht. Es bildet sich schon beim ersten Durchgang ein Deckel aus Kaffeesud. Bei geringer Hitze steigt der Kaffeekuchen bis zur Oberkannte – Vorsicht, nicht übergehen lassen – danach wird die Kanne vom Feuer genommen und einige Sekunden zur Seite gestellt, bis sich der Sud wieder gesetzt hat. Dieser Vorgang wird zwei weitere Male wiederholt. Nun lässt man den Sud wieder absinken oder gießt ihn mit in die kleinen Schalen.

Der Kaffee wird in drei Durchgängen auf die Anzahl der Schalen aufgeteilt. Den dazu gereichten Rahat oder Lokum ganz nach Landessprache, ein geleeartiger mit Stärke gebundener Zuckerwürfel, wird in den Mund genommen, ein wenig zerkaut und auf der Zunge liegen gelassen. Darüber genießt man in kleinen Schlucken den kräftigen Trunk. Sie erleben eine Geschmacksexplosion, die für viele Stunden den Gaumen erfüllt. Sollte Ihnen die originale Bohne nicht schmecken, versuchen Sie es mit einem Sidamo oder Kolumbien, mit oder auch ohne Gewürzen.

Diese Zubereitungsart für den intensivsten aller Kaffees, wird auch voreingenommene Gäste restlos begeistern. Nehmen Sie einen Ibrik und eine Mühle mit nach Hause und zelebrieren Sie eine schöne Urlaubserinnerung.
Schönen Urlaub!

Text: Peter Steininger
Bild: Steininger

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5