Monsooned oder wie das Salz in den Kaffee kam.

Segelschiff, Monsooned Kaffee, SteiningerDer Wechsel der Jahreszeiten ist ein ständiger Motor für Veränderung in Natur und Kultur, so natürlich auch beim Kaffee. Die immer wiederkehrenden Regenfälle legen den Grundstein für die Blütezeit und geben damit die Haupterntezeiten vor. Zwei Wochen nach dem ergiebigem Regen beginnen die Kaffeepflanzen zu blühen und nach 6 bis 12 Monaten, je nach Sorte und Seehöhe, die daraus entstehenden Früchte heranzureifen. Soweit nichts Ungewöhnliches, doch eine kleine Besonderheit dieser Wetterkapriolen möchte ich hier herausheben.

In vielen tropischen Ländern zeigen sich diese Wetterumschwünge in Form starker Wechselwinde und Regenfälle.  Meteorologen bezeichnen diese Phänomen als Monsun, besonders stark wirkend im Indischen Ozean. Dort nehmen sie auf besondere Weise nicht nur auf die Pflanzen sondern auch auf die geernteten Bohnen Einfluss. Machen wir aber unterhaltsamen Ausflug in die Historie.

Die kleine Geschichte, die ich Ihnen nahebringen möchte, stammt aus einer Zeit als die Handelsgüter dieser Erde noch mit Segelschiffen ihren Weg zu den Konsumenten fanden. So kam auch der Kaffee durch rege Handelsbeziehungen aus Indien in das viel gerühmte Kaffeeland Italien. Zur Erntezeit machten sich die Seeleute die Zeit der Monsunwinde zunutze, hissten ihre Segel über den vollbeladenen Schiffsbäuchen und am Ende der langen Reise warteten schon Händler und Röster im Hafen von Triest dringend auf die frische Ware aus dem Osten. Dieses, aus heutiger Sicht romantische Szenario mit Blick auf riesige Segel und mächtige Masten änderte sich rapide durch das Anbrechen des Containerzeitalters. Noch größere Schiffe aus Stahl mit dampfenden Schloten legten nach nur halber Fahrzeit mit weniger Besatzung an den Docks an. Doch der technische Erfolg der schnelleren Überfahrt zu geringeren Kosten wurde durch einen entsetzten Blick auf die gelieferte Ware schnell zunichte gemacht. Der Rohkaffee sah mit einem Mal völlig anders aus als bisher und schmeckte in keiner Weise mehr wie zuvor. Der Aufschrei war bis Indien zu hören, doch dort waren die Lieferanten völlig ratlos, hatte man doch alles gemacht wie bisher. Keine Überlieferung berichtet wie lange es dauerte oder wie genau das Rätsel dann gelüftet werden konnte. Die Lösungaber war: Es lag am Monsun und an den durchlässigen Holzplanken der Segelschiffe. Der Wind blies die feuchte Salzwasserluft durch die Juttesäcke und die Bohnen kamen aufgequollen und knochenbleich am Bestimmungshafen an. So kannten die italienischen Röster ihren Kaffee. Diese optische Veränderung wäre noch kein Grund zur Aufregung gewesen, da doch nach dem Rösten die Bohnen den anderen gleichen. Der charakteristische Geschmack des italienischen Espresso begründet aber auf eine chemische Reaktion die durch die Berührung mit der Salzwasserluft in Gang gebracht wird. Ein Kaffee, der in seinem Ursprung kräftig und nach exotischen Früchten und Hölzern schmeckt wird dadurch vollmundig, schokoladig und weich, erinnert ein wenig an Lakritze.

Die Segelschifffahrt wurde nicht wieder eingeführt, jedoch wird heute in riesigen, offenen Lagerhallen an den Küsten Indiens durch eine sehr aufwendige Methode mit mehrfachem Umschichten der Bohnen dieses Konzept der Meerwasserluft weiter verfolgt. Sowohl Arabica- als auch Robustakaffee kommen heute als monsooned in den Handel. Die nächste Ernte erwarten wir im Jänner.

Wohl wieder ein kleines Geheimnis aus dem viel gerühmten Kaffeeland  Italien gelüftet…

Text: Peter Steininger
Bild: gatterwe / 123RF Stock Photo

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