Besser als sein Ruf.

KarlsbaderJede Zubereitungsart hat ihre Berechtigung und zu Recht ihre Freunde. In einer geselligen Runde im Kaffeehaus, in der das Thema Kaffee zur Sprache kommt, geschieht das fast ausschließlich von den Leuten, welche einen neuen Vollautomaten oder gar eine dieser chromblitzenden Espressomaschinen aus Italien ihr Eigen nennen während die Aufgießer still lauschen, wie cremig der edle Tropfen das Leben bereichert. Die deutliche Qualitätsverbesserung liegt jedoch meist daran, dass man der Zubereitung die notwendige Aufmerksamkeit schenkt. Dem Filterkaffee verwehrt der schlechte Ruf die Sorgfalt, die ihm gebührt. Die Bohnen werden fast abschätzig über den Preisgedanken im Supermarkt eingekauft. Dies auch noch gemahlen, denn wer investiert schon in eine Mühle, wo es doch nur ums Filtern geht. Der Kaffee wird lieblos in ein Filterpapier gefüllt und mit zu heißem Wasser einer Filterkaffeemaschine zu lange ausgesetzt. Der langsam tropfende Kaffee fällt auf den erhitzten Boden einer Glaskanne und wird bitter und scharf.

Genau hier sollte das Umdenken beginnen: Ohne Mehraufwand.
Je frischer gemahlen und je genauer der Mahlgrad eingestellt wird, desto besser der Kaffee. Die Körnung ist gröber als bei Espresso und wird je nach Kaffeesorte und Menge so eingestellt, dass die Durchlaufzeit in etwa vier Minuten beträgt. Für das Gewicht gilt als Richtwert 10g Kaffee, bei einer Tasse, wenn mehr gemacht werden so reduziert sich diese Menge auf 7g, für 100ml Wasser. Dieser Wert kann individuell stark abweichen. Meine Empfehlung: Gießen Sie nur mit der halben Wassermenge auf, damit der Kaffee schön kräftig wird. Verlängern Sie erst danach Ihren Kaffee auf die Stärke, die für Sie passt. So gewinnen Sie aus den Bohnen nur die besten Aromen. Ein Zuviel an Wasser entzieht dem Mahlgut ein Zuviel an Bitterstoffen und Gerbsäure. Diese bescheren dem Filterkaffee sein schlechtes Image. Neben den geschmacklichen Abweichungen bekommt so mancher auch noch Magenprobleme.

Wenn Sie jetzt auch noch auf die bereits im letzten Artikel erwähnten 92°C Wassertemperatur achten und dazu 100% Arabica von einem Kleinröster Ihrer Wahl beziehen, werden Sie die wunderbare Aromenvielfalt entdecken, die bei keiner der anderen Zubereitungsarten zu finden ist. Natürlich schmeckt dieser Kaffee gegenüber Espresso etwas dünner, jedoch können Sie bei dieser Art wesentlich mehr Nuancen erkennen. Die Qualität von Bohne und Zubereitung macht sich durch einen milden, weichen Abgang bemerkbar. Nichts darf astringierend wirken oder metallisch schmecken. Für die Neuentdeckung der Filterwelt eignen sich besonders Bohnen aus Kolumbien, Java oder Äthiopien. Kosten Sie sich durch und finden Sie Ihren Favoriten.

Für viele bisher unvorstellbar, doch garantiert einen Versuch wert ist es, denn zubereiteten Kaffee einmal kalt zu probieren. Auf diese Weise kann keine Bohne mehr täuschen oder versuchen eine Qualität vorzugeben die sie nicht hat. Für mich ist eine der besten Varianten für Filterkaffee die nach der Karlsbader-Methode. Eine weiße Porzellankanne mit patentiertem Porzellanfilter der keinerlei geschmacksverändernde Wirkung hat, so wie es beispieslweise der Papierfilter hat.

Was denken Sie? In der nächsten Kaffeehausrunde wird es wohl einen neuen Diskussionspunkt geben …

Text: Peter Steininger
Bild: Peter Steininger

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