Spiel’s noch mal, Sam

Peter Ladinig fragt nach Luft für den wein.Der Besuch beim Italiener meiner Wahl, in diesem Fall das Da Capo im Wiener 1. Bezirk, war im Grossen und Ganzen durchaus zufriedenstellend – wenn man von einigen Kleinigkeiten absieht. Im Sommer mag ich das Lokal schon alleine wegen des kleinen aber feinen Gastgartens. Im Winter dagegen lässt sich schon an der schieren Menge der Gäste ermessen, welchen Bekanntheits- und Beliebtsheitsgrad es hat. Aber auch an Tagen wie heute, wenn sich draussen ob des Wetters nicht so toll sitzen lässt und das Lokal aber auch drinnen urlaubszeitbedingt nicht aus allen Nähten platzt, an solchen Tagen gehe ich eigentlich gerne essen und besonders gerne hierher in den 1. Bezirk. Denn ich finde an solchen Tagen kann man auch die Qualitäten eines Lokales erspüren – und erschmecken.

Unser Essen, das die recht umfangreiche Speisekarte nicht abdecken konnte, fand sich doch keine Fleisch, keine Pizza und kein Dessert dabei, war auch wirklich zufriedenstellend. Meine Gnocchi, butterzart, atmeten den Trüffel richtiggehend und der Pecorino war wie versprochen gereift und ausdrucksstark. Auch die Risotti waren sehr gut, nicht ganz so toll wie manche, die ich schon in Italien geniessen durfte, aber der Reis war am Punkt. Cremig und würzig sind durchaus Atribute mit denen der Koch umgehen kann. Und der Vergleich mit den inneritalienischen Kochkünsten ist – zugegeben – auch etwas hinkend und nicht sehr nett. Zum Ersten sind wir hier in Wien und zum Zweiten ist den Italienern vieles ihrer eigenen Kochkunst in einer Weise in die Wiege gelegt, an der sich Mitteleuropäer (btw, wer weiss denn welche Nationalitäten dort wirklich in der Küche stehen) fairerweise gar nicht versuchen sollten. Ganz konjunktivistisch.

Die beiden einzigen Kritikpunkte handeln vom Kaffee und vom Wein. Ein entkoffeinierter Kaffee hat, wie das Beispiel vieler grosser Sorten zeigt, durchaus Crema und was noch viel angenehmer wäre auch Geschmack. € 2,10 pro Espresso für eine Brühe zu verrechnen, die nicht im entferntesten an Espresso erinnert finde ich ein recht starkes Stück. Es bleibt einzuwenden, dass italienischer Espresso einfach nicht entkoffeiniert ist  – und das gebe ich auch durchaus zu – aber dann bitte ich den Wirt, die bleifreie Variante doch aus dem Sortiment zu nehmen. Wenn die Qualität nicht stimmt wird der Versuch zur Farce.

Der zweite aber auch letzte Kritikpunkt ist der Wein, im speziellen der empfohlene Tempranillo, dessen  Jahrgang mir mit der Begründung, die Weinkarte würde alle 14 Tage geändert, nachhaltig vorenthalten wurde. Und dessen internationaler Holzgeschmack alle anderen Aromen erfolgreich unterdrückt hat. Wenn sich auch nach eingehender Luftzufuhr kein Fünkchen Frucht oder andersartiges Aroma zeigt und ausser Holz nur Holz zu schmecken ist – und auch das nicht definierbar sondern eben nur: Holz, dann gebe ich zu bedenken, dass der hier angebotene Traubensaft vielleicht nicht ganz den sonst durchaus erfüllten Qualitätsansprüchen des Lokales nachkommen kann.

Text: Klösch
Foto: koufax73 / 123RF Stock Photo

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