Sommerdinner

Goldbrasse. FischVor einigen Tagen habe ich mich mit einer lieben Freundin getroffen, die am Grazer Griesplatz wohnt. Es war sehr, sehr heiss und wir beschlossen, uns einen gemütlichen Abend am Balkon zu machen, in Begleitung einer Flasche Weisswein aus der Südsteiermark und: „Bring ein bisschen was zum Knabbern mit. Salat oder so, du weisst schon, bei der Affenhitze mag man eh nichts Opulentes essen.“

Mir war auch nicht nach Grossartigem, deshalb besorgte ich Ziegenkäse, Speck und Vogerlsalat, wickelte schon zu Hause die Speckstreifen um den Käse, sodass ich ihn dann nur noch herausbraten musste, Balsamico und Kernöl waren sicher vor Ort und machte mich frohgemut auf den Weg.

Der Grazer Griesplatz ist ein Sammelsurium von Geschäften, es gibt hier russische, türkische, albanische und südafrikanische Läden, in denen man Spezialitäten aus aller Welt erstehen kann. Beim Türken ums Eck zB gibt es das beste Sesamfladenbrot und Gewürze, die einem das Wasser im Munde zusammenrinnen lassen. Der überaus nette Verkäufer fragte, was ich denn vorhabe, zum Brot zu essen und als ich antwortete:“ Ach, nur ein bisschen Salat…“, führte er mich mit einer galanten Handbewegung in ein Hinterzimmer, öffnete die Tür eines Kühlhauses und zeigte mir eine Kiste mit frischen Fischen.

„Fisch im Sommer? Ich weiss nicht,“ sagte ich und wollte wieder kehrt machen. 
„Heute ist eine Lieferung mit Goldbrassen eingetroffen, ich kann Ihnen wirklich nur empfehlen, ein paar mitzunehmen. Ich werde sie einfrieren, aber jetzt, schauen Sie, dunkelrote Kiemen, klare Augen und riechen Sie mal!“

Er hielt mir einen Fisch unter die Nase und wirklich, er duftete äusserst ansprechend. Ich zögerte. Eigentlich wollte ich nur am Balkon sitzen und plaudern.Aber je länger ich dort stand, umso mehr verfestigte sich in mir der Gedanke, ein abendliches Menü aus dem Ärmel zu schütteln, das dem schönen Abend auch gerecht wurde.

„Na gut“, sagte ich. „Ich nehme drei. Und eine Zitrone, ein Sträusschen Petersilie und ein paar Erdäpfel. Hmm..und vielleicht noch ein Bund Koriander.“

„Wozu?“ Der Verkäufer blickte mich fast strafend an.
„Der Fisch schmeckt am besten, wenn er unverfälscht zubereitet wird. Sonst können Sie ja auch Sardinen essen!“

Ich gehorchte, packte meine Einkäufe in die Tasche und machte mich auf den Weg zu meiner Freundin.

Sie machte grosse Augen, und ich erzählte ihr, was mir auf dem kurzen Weg zu ihr widerfahren war.

„Das ist gut!“ Ihre Augen leuchteten. „Ich setz mich auf den Balkon und du kannst schon mal anfangen..“

Die Vorspeise war schon sehr schmackhaft, wir machten eine einstündige Trinkpause, danach ging ich ans Werk.

Ich säuberte die Fische, schnitt sie dreimal auf der Rückenseite ein und briet sie kurz auf heisser Flamme . Die Brasse ist klein und deshalb schnell durch. Allzulange darf man sie nicht auf dem Feuer haben, sonst wird sie trocken. Dazu servierte ich in Butter geschwenkte heurige Erdäpfel mit Petersilie, Zitronenscheibe und fertig.

Wir haben das alles sehr genossen. Und der Abend wurde dementsprechend lang. Meine Fische kaufe ich seitdem übrigens nur noch beim Türken ums Eck, dem Händler meines Vertrauens!

Text: Bibi Stift
Bild: W.R.Wagner/ pixelio

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5