Silberhochzeit beim Döllerer

DöllererKürzlich war es soweit. Meine liebe Frau und ich feierten Silberhochzeit. Fünfundzwanzig Jahre verheiratet sein ist eine stolze Leistung. Für beide. Aber es macht noch immer Spaß!

So ein Festtag muss natürlich gebührend gefeiert werden. Wir haben uns für ein Hideaway-Weekend an exklusiver Adresse statt einem Riesenfestl mit Mullatschag entschieden. Die Wahl fiel dabei auf den Döllerer in Golling. Ich hatte schon viel über ihn gelesen, die Beurteilung des kulinarischen Niveaus war einhellig höchst positiv, also nichts wie hin!

Es war eines der heurigen November-Wochenende, wo man sich eher wie Ende Mai fühlte. Den Anreise-Freitag mit strahlendem Sonnenschein und einem Spätphasen-Indian Summer in seiner buntesten Form haben wir für einen Ausflug nach Hallstatt genutzt. Einfach nur schön bei solchem Wetter, und gefühlte Millionen von Touristen aus dem asiatischen Raum. Ich habe gelesen, dass das Hallstatt-Kopie-Projekt in China mangels Nachfrage nicht funktioniert. Kein Wunder, es sind ja alle Chinesen hier im echten Hallstatt.

Über Gosau, den Pass Gschütt und Abtenau erreichten wir schließlich das schöne Golling, wo der Döllerer drei nebeneinanderliegende Bürgerhäuser am oberen Ende des langgezogenen Marktplatzes einnimmt. Der Döllerer, das ist: ein Hotel mit Wellnessbereich, ein Wirtshaus, ein Restaurant, eine Bar und eine Metzgerei, vielmehr eigentlich ein Feinkostgeschäft. Irgendwo außerhalb gibt’s noch eine Vinothek. Und er ist vor allem ein Family Business. Im ganzen Hotel- und Restaurantbereich schwirrt es von Familienmitgliedern, von den Großeltern bis zu den jüngsten Enkelkindern. Herr Döllerer führt das Kommando in der Küche, Frau Döllerer im Service und man fühlt sich in der Mitte sauwohl.

Am ersten Abend stand als Einstieg ein gepflegtes Dreigang-Menü im Wirtshaus auf dem Programm. Gebeizter Saibling mit Roter Rübe bzw. Herbstlicher Salat mit Käse, Wachteleier und Kürbiskernen (mit einem exzellenten Dressing), danach die mürbste Rehschulter die man sich vorstellen kann, mit Briocheknöderl, Schwarzwurzeln und einem Saftl zum Niederknien. Woow! Der karamelisierte Nusskuchen mit Sauerrahmeis und die Berger Schokolade mit Himbeeren standen dem um nichts nach.

Das Frühstück am nächsten Morgen war der nächste kulinarische Höhepunkt. Beim Döllerer kann man sich nämlich neben Brot, Gebäck, Marmeladen, Obst, Joghurt, Müsli, Eiergerichten etc. zusätzlich alles, was man will, aus der Metzgerei holen. Ein Blatterl vom Beinschinken, ein paar Radl von der Hirschwurst, ein feiner Käse, ganz nach individuellem Gusto. Dass die Wurstwaren aus eigener Erzeugung von höchster Qualität sind, versteht sich von selber.

Nach einem schönen Tag in der Stadt Salzburg, wo wir auf die Minute genau 25 Jahre nach dem standesamtlichen Segen ein Glaserl Cremont in der Fussgängerzone schlürften, wartete der kulinarische Höhepunkt des Wochenende auf uns: das 7-gängige Menü „Moosangerl“ im Restaurant, das sich inclusive der diversen Grüße aus der Küche auf insgesamt elf Gänge aufsummierte. Es wird „Cuisine Alpine“ serviert, eine stark regional ausgerichtete Küche. Ohne Meeresfrüchte und Steinbutt, die gehen auch überhaupt nicht ab. Dazu gab es eine außergewöhnliche Weinbegleitung, die bei einem Gang zu einer Bierbegleitung mutierte. Übrigens das beste Bier, dass ich je getrunken habe, vom Braumeister aus Trum für Döllerer fabriziert, wenn ich mir das richtig gemerkt habe. Jetzt alle Gänge aufzuzählen, würde zu weit führen, das Spektrum reichte von Popcorn vom Schweinespeck,  Alpiner Jacobsmuschel (natürlich ohne Jacobsmuschel), Saibling aus regionalen Gewässern, Brot und Speck, Lauch vom Holzkohleofen, einem auf der Zunge zergehenden Rehfilet bis hin zu außergewöhnlichen Dessertkreationen, etwa Schokolade mit Roter Rübe. Fermentierte Gemüsezubereitungen spielen dabei eine wesentliche Rolle, die Gerichte sind originell, geschmacksintensiv und kommen überhaupt nicht „ChiChi-lastig“ daher. Höchsten Respekt vor der Küche und auch dem herzlichen und kompetenten Service.

Am Sonntag waren die kulinarischen Aufnahmekapazitäten schon ziemlich erschöpft. Aber mit etwas Selbstdisziplin geht schon ein anständiges Frühstück. Und natürlich mussten wir noch Döllerers hausgemachte „Frische“, eine Kalbswürstelspezialität, mitnehmen. Man kann ja nie wissen, wann man wieder was Gscheites zum Essen bekommt!

Text: Michael Binder
Bild Döllerer

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