See(h)nsüchtig. Burgunder aus Kärnten.

Georgium, Marcus Gruze, Uta SlamanigWein – was wäre das Leben ohne? Wein ist eine Wissenschaft für sich, gar keine Frage. Allerdings ist es die leidenschaftlichste Wissenschaft von allen und weit entfernt von trockener Theorie. Ganz im Gegenteil. Denn das Schaffen und Wirken der Weinbauern und ihre Philosophien sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Geschmäcker der Weinliebhaber selbst.

Ein Weingut zu besuchen ist immer spannend, die Begeisterung und Leidenschaft die ein Winzer in die Flasche füllt immer ansteckend. Aber vor allem ist es immer – anders. So auch unser letzter Besuch: ein Weingut, ja. Anders? Auf jeden Fall! Und noch besser, noch treffender ist der Ausdruck berührend. Denn so würde ich die Philosophie des Burgunderweingutes Georgium am Längsee in Kärnten am ehesten beschreiben.

Die Weinbauer Marcus Gruze und Uta Slamanig teilen die Liebe zur Ursprünglichkeit, zur Verantwortung und Ehrlichkeit. Sie lassen die Traube zum Wein werden, wie es vor tausend Jahren schon gemacht wurde. Ökologische Traubenproduktion, Spontanvergärung auf der Maische, keine Schönung oder Filtration, so wenig Schwefel wie möglich. Das Ziel ist, die Essenz der Traube und des Terroirs im Wein einzufangen – ohne technischen Interventionen, die den Geschmack verfälschen könnten. Bis zu 48 Monate reifen die außergewöhnlichen Naturweine im Eichenfass bevor sie ihren Weg in die Flasche finden. Der Fokus liegt ausschließlich auf der Burgunderfamilie: Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder, aus denen ein außergewöhnlicher weißer Cuvée entsteht und Pinot Noir. Nur ein paar Tausend Flaschen werden gefüllt und diese benötigen nicht das Lob eines sogenannten Weinkenners, sondern die wohlgeöffneten Augen eines Weinliebhabers.

Georgium, Marcus Gruze, Uta SlamanigAuf der Weingarten-Entdeckungsreise spürt man jede Sekunde die Haltung, die hier vorherrscht: Respekt und Achtsamkeit gegenüber der Natur. Das Georgium glaubt fest an die Verantwortung, die wir für unsere Umwelt tragen. Und nicht nur für den Boden auf dem wir stehen, auch und besonders für die Menschen mit denen wir leben – und dieses Erlebnis führt mich zu dem erwähnten Begriff: berührend. Es ist nicht einfach nur ein Weingut das außergewöhnlich spannende Weine hervorbringt, es ist ein Platz der Begegnung. Werte. die die Basis dieses jungen, biodynamischen Weingutes bilden – und den Besucher wahrlich in seinen Bann ziehen.

Nach der Tour durch den wunderschönen Weingarten am Nordufer (südexponiert) des Längsees, mit Blick auf das ehemalige Benediktiner Stift St. Georgen, das 2003 sein 1000-jähriges Bestehen feierte, folgte eine Kellerführung mit Fassproben, die großes Versprechen und Geschichten von denen man mehr hören möchte.

Resümee? Ein Besuch, der mir immer in Erinnerung bleiben wird und ein absoluter Geheimtipp für einen Ausflug der besonderen Art. Mit wundervollen Menschen genießen, sehen, hören, riechen, schmecken und philosophieren über das Leben und den Wein. Was wäre das Leben ohne Wein?

Text und Bilder: Ruschka

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