Rot und Gereift. Ein Genussbericht.

Wein im RestaurantGerhard Heczko vom Magazin Gastwirt hat eine ganze Reihe von feinen, diesmal roten, Protagonisten verkostet. Den Bericht dieses Abends haben wir für Sie hier:

Die Rotweinserie gab uns die seltene Gelegenheit, österreichische Rotweingeschichte zu verkosten und hielt uns ganz unverhofft die Qualitätsentwicklung der wichtigsten österreichischen Weingüter vor Augen.

Der 87er Cabernet vom Römerhof war mit 11,9 % Alk. noch immer am Leben, die physiologische Reife war allerdings in diesen Anfangsjahren noch nicht erreicht worden und so kam auch bei diesem schlanken Vertreter viel Paprikapulver zum Vorschein.

Engelbert Gesellmann hat im Jahre 1988 begonnen, eine Rotweincuvee aus primär autochthonen Sorten zu vinifizieren, der Opus Eximium Nr. 1 überraschte auch mit knapp über 12 % Alk., war natürlich entsprechend gereift, aber für seine Zeit wirklich gut. Keine Marmelade, harmonisch, mit reifen Beerenaromen, eine sehr gute letzte Flasche und wieder ein Beweis, dass das Klima in meinem Weinkeller passt.

Den 94er handelten wir mit internationaler Beteiligung ab. Der Comondor war der klare Sieger und wurde auch von den Meisten erkannt. Ein vielschichtiger, mit sehr schöner Tanninstruktur ausgestatteter Wein, der mit dunklen Beerenaromen und einer schöner Persistance punkten konnte. Aber auch der Gabarinza war nicht zu verachten, er war der einzige, der am nächsten Tag bei der Nachverkostung noch zulegen konnte.

Der 97er Admiral von Josef Pöckl war eine Bank, die meisten von uns tippten hier auf Italien. Er erfüllte meine Erwartungen genau wie der 99er Steinzeiler. Beiden Weinen – sofern noch vorhanden – prognostiziere ich noch ein längeres Leben.

Eine richtige Überraschung war dafür der 2000er Zweigelt von Michael Edlmoser – er übertraf unsere Erwartungen bei Weitem.

Der 2009er Syrah vom Weingut Marko passte zwar nicht unmittelbar zum Thema, wurde aber von mir noch bewusst eingestreut. Erstens war dieser Wein nie offiziell im Verkauf, daher gab es davon nur wenige Flaschen und zweitens sorgt diese Sorte in Österreich immer für Diskussionen. Natürlich wird der Zweigelt in Carnuntum immer die erste Geige spielen, ich bin dennoch davon überzeugt, dass auch internationale Sorten, wenn sie am richtigen Platz ausgepflanzt werden, ihre volle Berechtigung haben und reinsortig oder im Cuvee eine sehr gute Ergänzung zu unseren autochthonen Rotweinsorten darstellen können. Mir hat dieser Syrah, den ich genau zwischen Australien und Frankreich ansiedeln würde, sehr
gut gefallen.

Als krönenden Abschluss gönnten wir uns noch zwei Franzosen – eine Flasche Chateau Montrose 1995 und einen 1970er Latour. Genau so hatte ich mir das vorgestellt! Beide Weine waren für mich eine positive Bestätigung meiner zwar relativ raren, aber dafür immer präsenten Bordeaux-Erfahrungen und Erinnerungen.

Einen Süßwein gab es noch zum Abschluss und damit ein letztes Highlight des Abends. Niemals hätte ich bei einer 1979er Beerenauslese aus der Sorte Müller Thurgau mit dieser Lebendigkeit und Jugendlichkeit gerechnet. Die großartige Süße passte perfekt zum unglaublich vielschichtigen, teils exotischen Aromabogen! Es zahlt sich wirklich aus, manche Weine liegen zu lassen – auch lange – und sich dann solche Experimente zu gönnen. Wenn Sie die richtigen Weine im Keller haben, macht das wirklich Spaß!

Kostfolge:

  • Kollwentz, CS 1987
  • Gesellmann, Opus Eximium (Nr. 1) 1988
  • Bodegas Faustino, Rioja 1994 Gran Reserva
  • Gager, Cablot 1994
  • Heinrich, Gabarinza 1994
  • Nittnaus, Comondor 1994
  • Gager, Syrah 1999
  • Pöckl, Admiral 1997
  • Edlmoser, ZW 2000
  • Chateau Montrose 1995
  • Marko, Syrah 2009
  • Kollwentz, Steinzeiler 1999
  • Chateau Latour 1970
  • Metternichsche Weingüter, Müller Thurgau 1979 Hasel, BA

Verkostung am 31.10.2014: Verkostet mit Helmut Rome, Anita und John Nittnaus, Johannes Markowitsch, Michael Edlmoser, Andi Kroiss, Luigi Follner, Martin Hinterleitner, Gerry Klement, Sepp Mitterbauer, Peter Duval, Peter Krasa, Regina Lindner und Gerhard Heczko.

Dieser Beitrag ist quergeschaltet mit unserem Partnermagazin Gastwirt und dort in der Ausgabe 7/15 erschienen. Die Verkostungen der reifen Weissen finden Sie hier.

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