Rolf Pretterebner. Feine Weine für Kenner.

Rolf Pretterebner und der reife Wein.Nein, nein, die Headline ist nicht dem Gedankengut des Autors entsprungen. Es handelt sich dabei um die persönliche Kurzbeschreibung des Winzer. Zu finden auf den Preislisten, auf der Homepage und auf anderen Drucksorten. Und Rolf Pretterebner stellt damit ganz eindeutig klar, welcher Personenkreis die Zielgruppe seiner Weine darstellt.

Pretterebner polarisiert. Das ist ihm bewusst und er mag diese Polarisierung. Und so wie er selbst kein durchschnittlicher Mensch ist, sind auch seine Weine keine „Mainstream Weine„. Man kauft sie nicht einfach mal so ab Hof oder im Fachhandel, weil man sie probieren möchte oder weil gerade Besuch kommt. Es mag ein wenig komisch klingen, aber diese Weine wollen verstanden werden. Und dazu bedarf es einer Art Grundwissen zur Person des Weinmachers, seiner persönlichen Einstellung, seiner Philosophie und seinem Naturverständnis und allem was er damit verbindet

Der weitgereiste BoKu-Absolvent
Nach erfolgreichem Studienabschluss an der Universität für Bodenkultur in Wien zog es Rolf Pretterebner ins Ausland. Er verbrachte viel Zeit auf bekannten Weingütern in Frankreich und Italien. In seiner Bescheidenheit betrachtete sich der Önologe selbst niemals als wissend, sondern immer als ewig weiterlernend. Sein umfangreiches Wissen und die persönlichen Erfahrungen, die er bei den großen Meistern des Weinbaus sammeln konnte, ließen ihn schon bald zum anerkannten Weinbauberater avancieren.

Seit dem ersten Tag seiner Arbeit ist es dem Weinmacher wichtig, die Zusammenhänge von Klima, Boden, Rebstock und Mensch zu verstehen und allen Abläufen die Zeit zu lassen, die sie brauchen. Immer wieder betont er, wie wichtig stressfreies Wachstum, langsame und schonende Verarbeitung und Reifeentwicklung für echte(!) Terroirweine ist. Und auch eine kompromisslose ökologischer Bewirtschaftung ist für ihn selbstverständlich. Ganz ohne ehrgeizige Bestrebungen und neidvollen Blick auf prestigeträchtige Auszeichnungen und Zertifizierungen.

Die Umwege zum Winzer
Genau genommen wurde Rolf Pretterebner aufgrund eines „Versuchs“ zum Weinbauern. Das Ziel war, für sich und seine Freunde bekömmliche „Terroir Weine“ schaffen. Die Art von Weinen, die man damals nur außerhalb der österreichischen Landesgrenzen kannte. Ein feiner Grundgedanke, aber Ende der Achtziger Jahre in Zagersdorf im Burgenland nicht ganz einfach in der Umsetzung. Aber die Umsetzungskraft eines Rolf Pretterebner kann das nicht aufhalten. Und es war dann im Jahre 1987, als Rolf Pretterebner 1,5 Hektar Rebfläche in Zagersdorf erwarb. Anfangs kaufte er noch Traubenmaterial zu, bereits ein Jahr später war er stolzer Besitzer von knapp 3,5 Hektar bester Zagersdorfer Lagen. Zusätzlich konnte e r 0,5 Hektar mit Portugieser Rebstöcken in Tattendorf erwerben. Leider müssen Liebhaber dieses erstklassigen Portugiesers seit einigen Jahren darauf verzichten, da Rolf Pretterebner seit 2009 diesen Weingarten nicht mehr bewirtschaftet. Und angesichts der geringen Rebfläche und der Entfernung zwischen Zagersdorf und Tattendorf, erscheint diese Entscheidung absolut verständlich.

Aktuell bewirtschaftet er ausschließlich seine eigenen Rebflächen. Den Zukauf von Trauben lehnt er ab, entsprechen diese doch meist nicht ganz seinen eigenen hohen Qualitätskriterien. Die ausgepflanzten Rebstöcke sind dafür bereits 50 Jahre alt und manche noch älter. Spielarten des originalen Kekfrankos (Blaufränkisch), wie Kekfrankos Burgundy oder Kisch-Kekfrankos sorgen dafür, dass sehr außergewöhnliche Blaufränkisch gekeltert werden. Sankt Laurent, Blauer Burgunder, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Tannat werden reinsortig, als Gemischter Satz oder als Cuvee ausgebaut. Auch Weißburgunder und Chardonnay wachsen in den Pretterebnerschen Weingärten. Und obwohl diese beiden Rebsorten wohl nicht ausführlich erklärt werden müssen und wir auch über  die möglichen Ausbauarten nicht intensiver berichten werden, könnte man über den einen oder anderen Aspekt schon philosophieren. Es geht schließlich um Pretterebner Weine.

Orange Wines?
Danach gefragt, lacht der Winzer. „Die wollte vor 25 Jahren keiner, heute sind sie der Hype.“, antwortet er schmunzelnd. Orange Wines, als WeininteressentIn ist es mehr oder weniger unmöglich, nicht zumindest davon gehört zu haben. Rolf Pretterebner hat seine Weißweintrauben bereits zu Beginn seiner Weinbautätigkeit in den Achtzigerjahren auf der Maische vergoren. Von Schönung und Korrektur hat er schon damals Abstand genommen und auch Filtrierung war kein Thema. Ganz zu schweigen von chemischen Zusätzen. Das ergibt hochfärbige Weine, naturbelassen, charaktervoll, zu hundert Prozent sortentypisch. Vor nicht all zu langer Zeit wurden Winzer, wenn sie mit Weißweinen so verfuhren, milde belächelt, heute sind es „Orange Winemaker“.

Bevor wir nun hier im Magazin einige der Pretterebnerschen Weine vorstelle, muss ich eines anmerken: Man sollte in jedem Fall gereifte Weine mögen, um sich diesen hinzugeben. Darüber hinaus haben diese Weine fast alle einen internationalen Charakter. Sie können mit Weinen aus der Burgund, dem Bordeaux, dem Piemont oder Sizilien verglichen werden. Es sind wahre Terroir Weine: Sortentypizität, Charakter und unverkennbarer Stilistik.

Text und Bild: Andy Bigler

2 comments on “Rolf Pretterebner. Feine Weine für Kenner.

  1. Grauslig…. gibt es bereits seit rd. 6500 Jahren …. in Georgien der Geburtsstätte des Weinbaues….. pfui teufl… die Erungenschaft der Wissenschaft ,die der Önologie, wird in den Schmutz gezogen..ebenso… das Konsumverhaltens der Weinliebhaber…. die… sogenannten selbst ernannten Weinexperten die „Sommeliers“ die total ahnnungslos sind über die Önologie …der Orange-Wein ist nur eine Marktnische für Wein-Ahnungslose… und für die Weinproduzenten die keinen Wein machen können…. und möglicherweise in der krowotischen Ortschaft , wie in Zogersdorf, … grauslig , grauslig…. F.X. LEHNER..ÖNOLOGE…

    • In Österreich steht es jedem Menschen zu seine Meinung zu sagen. Aber es wäre nett dabei auch sachlich zu bleiben und nicht unter die Gürtellinie zu schlagen.

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