Reklamation

Blauensteiner, 1080 WienWie halten Sie es, wenn Ihnen das Essen im Restaurant Ihrer Wahl nicht so recht schmeckt, Sie es aber durchaus als gut und empfehlenswert abgespeichert hatten? Fragen Sie nach dem Geschäftsführer, ergreifen Sie Partei für ihre Geldtasche, beschweren Sie sich, hinterfragen Sie den Qualitätsabfall oder votieren Sie eher gegen die unnötige Aufregung, zahlen und kehren frustriert und vielleicht ungesättigt nach Hause zurück?

Ich kann Ihnen nur zur Reklamation als Vorgehensweise raten, den Geschäftsführer zu befragen, den Kellner oder den Koch. Wer immer greifbar ist und – vor allem – wer immer sich für zuständig erklärt. Mein eigenes Erleben dahingehend ist weitgehend positiv. Nachdem meine charmante Begleitung und ich heute das Essen recht demonstrativ vorzeitig beendet hatten, war der Kellner schnell zur Stelle. Mit einem interessiert-fragenden Blick erkundigte er sich ob das Essen denn nicht nach unseren Wünschen ausgefallen wäre und unsere Antwort, nein, wir wären von der Küche enttäuscht, wir hätten Besseres erwartet, auch Besseres in Erinnerung, setzte ihn sichtlich besorgt in Bewegung. Und wir warteten – und erhielten ein Schulbeispiel an Kompetenz im Umgang mit Reklamation.

Innerhalb von nur wenigen Minuten stand der wohlbeleibte Herr der Küche mit gutmütigem Gesichtsausdruck an unserem Tisch, hinterfragte geflissentlich die Reklamation des Wiener Schnitzels, pardon, des Schweinsschnitzel aus der Karreerose, auch des Kartoffelsalates und die Details der Beanstandung. Rechtfertigte der Küche Künste, erzählte stolz von der Absenz der Fritteuse, von einem selbstgemachten Kartoffelsalat und erbot einen zweiten Versuch. Mit dem Schnitzel. Und zwei Grappa, aufs Haus. Vorsichtig geworden, wechselte meine Begleiterin  nun zu Wild und ich – todesmutig – wählte die Option eines neuen Versuchs. Mit Fleisch und Panier, Wiener Art. Und Bratkartoffeln. Der beleibte und gutmütige Herr zog mit einem persönlich betroffenen Ausdruck in den etwas waidwunden Augen, eilig wieder Richtung Küche. Für einen zweiten Versuch, den er hocherhobenen Hauptes und voll Stolz nach kurzer Zeit präsentierte.

Letztendlich bin ich vom Umgang mit meiner Reklamation beeindruckt. Ein Wirt, der sich selbst für des Gastes Wohl für zuständig erklärt, der für sein Essen eintritt, der möchte, dass jeder Gast zufrieden sein Haus verlässt. Genau so würde ich es für die Gastronomie wünschen. Im Sinne eines zufriedenen und gesättigten Gastes.

Geschehen gestern, Sonntag Abend im „Blauensteiner – Gasthaus zur Stadt Paris“ in Wien, im achten Bezirk. Die Wienkundigen unter den Lesern, wissen sicherlich wovon ich spreche. Ein Wiener Wirtshaus, eine sehr gutbürgerliche, mit dunkler Täfelung und großem historischen Spiegel ausgestattete Lokalität. Nicht allzu gepflegt, aber mit mehr als respektabler Wiener Küche und trinkbarem, würzigen Bier. Doch leider einigermassen aufdringlicher Musik.
Sie möchten wissen, wie das reklamierte Schnitzel dann schmeckte? Nun ja, wie soll ich sagen, irgendwie liegt die Schuld auch ein wenig bei mir, man bestellt hier kein Wiener. Man bestellt hier Blunzenpudding oder Kalbsherz in Wurzelrahmsauce. Innereien oder auch Wild. Und ich denke, es wäre besser gewesen, das Wild mit Serviettenknödel und Rotkraut zu nehmen – und darauf zu hoffen, dass der Koch das Salz im Knödelwasser nicht vergisst. Und einen passenden Blaufränkisch dazu.
Das schmeckt.

Foto: Blauensteiner

3 comments on “Reklamation

  1. So, und jetzt funktioniert der Artikel auch. Endlich.

  2. Ich kenne den Blauensteiner gut und bin auch mindestens ein bis zwei Mal im Monat dort. Ja das Essen ist gut und manchmal auch weniger gut. Beim Bier musste ich schon mehrmals reklamieren, speziell beim Keltenbier, denn das hatte schon öfter einen extrem stahligen Geschmack. Da kriegt man dann erstaunte Gesichtsausdrücke vom Kellner zu sehen, weil alle anderen Besteller nicht reklamierten. Das mit den Weinen lass ich dort lieber, denn ich möchte nicht immer reklamieren müssen, weil ich ein Achterl „Abg’standenen“ oder „Oxydierten“ krieg. Man macht dort eben nicht gern eine neue Flasche auf, bevor die angefangene leer ist.

    Fazit, zum Blauensteiner würde ich sicherlich nicht hingehen weil ich ausgehen will, sondern weil ich schnell mal zum Wirt gehen will, um Pause zu machen oder weil es sich für ein schnelles „Geschäftsmeeting“ anbietet.

    Wie im Artikel beschrieben, es ist ein Wirtshaus, allerdings kein typisches „Hacklerwirtshaus“, aber auch kein Beisl mit Restaurantcharakter. Meine Erwartungshaltungen sind niemals hoch, wenn ich zum Blauensteiner geh, daher gibt’s auch keine echten Enttäuschungen!

    • Ja, vielleicht ist das auch ein guter Ansatz. Keine Erwartungshaltung zu haben, wenn man dort hingeht. Aber trotzdem dann dort recht gut zu essen. und vor allem, das zu essen, was die Herren dort können. Beispielsweise Wiener Küche. 🙂

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5