Reisebericht eines Sommeliers: USA. Kulinarisches aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Teil II

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Zum Abschluss reisten wir weiter ins Weinanbaugebiet Napa Valley. Es ist weltberühmt für große Weine wie die von Robert Mondavi oder auch Opus One. Aus Verfilmungen wie Bottle Shock, Sideways oder Mondovino ist dieses Gebiet zu den bekanntesten der Welt aufgestiegen. Wir übernachteten im Auberge du Soleil im Örtchen Rutherford. Dieses Resort zählt zu den besten Hotelbetrieben der Welt, wurde mehrfach mit den höchsten Auszeichnungen der Branche bedacht und verfügt ebenso über ein vom Michelin Guide ausgezeichnetes Sternerestaurant.

Natürlich waren Besuche auf verschiedenen Weingütern eine Pflicht. Unter anderem besuchten wir das Chateau Montelena. Das älteste Weingut in Kalifornien, bebaut seit 1882, erlangte 1976 Weltruf. In einer Blindverkostung der Weinjury von Paris, auch Judgment of Paris genannt, verwies der 1973er Chateau-Montelena-Chardonnay alle anderen Chardonnays, inklusive der führenden großen Burgunder-Weine, auf die hinteren Plätze. Das ist einem Chardonnay mit nicht-französischem Urspung bislang noch nicht gelungen. Wir verkosteten einige Weine und bekamen im Anschluss noch eine kleine private Kellerführung durch die sonst nicht zugänglichen heiligen Hallen.

Das Weingut Rutherford Hill Winery im Besitz der Familie Terlato war für die gesamte Entwicklung des Weinanbaugebietes von essentieller Bedeutung. Mitte der 1970er Jahren war dieses Weingut eines der ersten,r welches Merlot reinsortig ausbaute. Heute ist es für ihren besonderen Merlot bekannt. Selbstredend, dass wir auch dort einkehrten.

Generell lässt sich über das Napa Valley sagen, es sei das Bordeaux der USA. Zum einen liegt es an den Hauptrebsorten, die im Bordeaux auch zu finden sind. Auch die Stilistik der Weine erinnern an die französische Vorbild-Region. Wenn man sich die Geschichte des Napas ansieht hätten man wohl nie gedacht, dass dieses Gebiet heute einen solchen Stellenwert genießt. Der Weinbau kam zur Zeit der Prohibition komplett zum Erliegen und noch bis Mitte des 20 Jahrhunderts war Weinbau eher exotisch. Nur an Randgebieten wurde wurde er ernsthaft betrieben. Man kann sagen dass die Entwicklung und der momentane Stellenwert sprunghaft und vergleichsweise aus dem Nichts entstanden ist.

Der nichtssagende Begriff „varietal“, Sortenwein, entstand in Kalifornien als Schlagwort für Abfüllungen, die vollständig aus einer einzigen Rebsorte bereitet waren oder ihr zumindest ihren Charakter verdanken. Bis 1983 musste die genannte Traube nur zu mindestens 51 Prozent enthalten sein. Danach setzte man die Untergrenze auf 75 Prozent fest. Die meisten Sortenweine der Oberklasse liegen zwar meist nahe der 100 Prozent, jedoch hindert nichts einen Erzeuger daran, einen Pinot Noir mit zum Beispiel 20 Prozent Cabernet Sauvignon zu verschneiden, ohne dies auf dem Etikett deklarieren zu müssen. Generell ist im amerikanischen Weinrecht so ziemlich alles erlaubt, was nicht verboten ist. Hier in Europa ist es genau umgekehrt. Es ist alles verboten was nicht erlaubt ist. Das weltgrößte Weingut im Familienbesitz, die E & J Gallo Winery, ist ebenso in Besitz großer Flächen Weingärten, und es ist der zweitgrößte Weinproduzent in den USA.

Ich fasse zusammen: das Napa Valley ist enorm spannend. Seine Entwicklung muss ich unbedingt im Auge behalten. Ebenso interessant wird das benachbarte Sonoma, westlich des Napa Valley, direkt an der Westküste gelegen.

Text: Peter Ladinig
Bild: Andreas Merz/ pixelio.de

 

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