Nur gepflegte Zigarren garantieren Genuss

TischhumidorKein Zweifel, mit meinem vorangegangenen Artikel zum Thema Zigarren habe ich das Pferd von hinten aufgezäumt. Mit der Romeo y Julieta Cazador stellte ich nicht nur eine Zigarre für erfahrene Aficionados vor; sie ist auch eine, die erst durch längere Lagerung ihr volles Potential zeigen kann. Da man beim Händler solche „aged cigars“ nicht allzu oft bekommt, bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst um die optimale (Langzeit-)Lagerung zu kümmern. In Wahrheit gilt das für alle hochwertigen Zigarren, aber wie lässt es sich bewerkstelligen? Mit einem sogenannten Humidor – einem Ort, wo optimales „Zigarrenklima“ herrscht.

Zertifizierter Händler – wie zum Beispiel jene mit dem „La Casa del Habano„-Zertifikat – haben begehbare Humidore, deren Klimaregelung und Luftzirkulation mittels elektronischer Überwachung erfolgt. Kleinere Händler lagern ihre Zigarren in Humidorschränken verschiedenster Größen, diese sind ebenfalls mit diesem technischen Innenleben ausgestattet. In solchen Schränken werden die Zigarren meistens in ihren Originalkisten gelagert, aber es gibt auch kleinere Schränkchen, wo sowohl in Kisten wie auch einzeln gelagert werden kann. Die kleinsten Humidorschränkchen bieten Platz für zirka 200 Zigarren und kommen daher auch im Privatbereich zum Einsatz.

Die häufigste und beliebteste Lagermöglichkeit im Privatbereich ist allerdings der Tischhumidor, wo man auch eine kleinere Anzahl Zigarren hervorragend lagern kann. Weil die verschiedensten Ausführungen und Ausstattungen angeboten werden, bewegen sich die Preise von 50 bis zu mehreren tausend Euro.
Aber worauf kommt es an, was ist zu beachten?

Zigarren sollten annähernd die klimatischen Bedingungen ihrer Herkunftsländer vorfinden. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 68-74% muss gewährleistet werden. Im Tischhumidor geschieht das mit einem ganz einfachen Befeuchtungssystem (meist ein keimfreier Floristenschwamm in einem Kunststoffgehäuse), befüllt mit destilliertem Wasser. Die vorherrschende Luftfeuchtigkeit wird mit einem Hygrometer kontrolliert. Die Temperatur im Humidor spielt auch eine wesentliche Rolle und liegt im Idealfall zwischen +18 bis +25°C. Solche Tischhumidore haben meist ein Fassungsvolumen von sieben bis zehn Litern, daher ist kein Platz für ein elektronisches Luftzirkulationssystem wie bei Humidorschränken. Trotzdem funktionieren diese einfachen „Klimasysteme“ sehr gut. Mit dem Füllen des Befeuchters sollte man allerdings nicht übertreiben. Es empfiehlt sich, weniger ein-, aber dafür öfter nachzufüllen; wenn einmal Nässe statt Feuchtigkeit vorherrscht, bildet sich hartnäckiger Schimmel, der viel Schaden anrichten kann.
Vor der Erstbestückung sollte ein Humidor vier bis fünf Tage immer wieder mäßig befeuchtet werden, bis die Luftfeuchtigkeit einen halbwegs konstanten Wert um die 70% erreicht hat. Erst danach sollte er bestückt werden. Die neu eingelagerten Zigarren werden Feuchtigkeit aufnehmen, ihre perfekte Rauchbarkeit wird sich nach und nach entwickeln. Eine tägliche Beobachtung und manuelle Prüfung der Zigarren ist ratsam. Diese müssen sich leicht zusammendrücken lassen, ohne Risse zu bekommen, und sollten unmittelbar nach dem „Drücktest“ wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Nach etwa einer Woche hat sich im Humidor ein „Mikroklima“ gebildet, in welchem sich die Zigarren wohlfühlen und reifen können.

Weiters ist wichtig, den Humidor regelmäßig (ich mache das alle 10 Tage) zu öffnen und lüften zu lassen. Dabei sollten die Zigarren geprüft und die Lagerschichten bei Stapellagerung getauscht werden (die unterste Lage ist danach also die oberste). Falls nötig, anschließend destilliertes Wasser in den Befeuchter gießen. Es wird mindestens 14 Tage dauern, bis die Zigarren über ein perfektes Zug- und Brandverhalten verfügen, denn so lange brauchen die „Erstlinge“ und alle „Neulinge“ für eine gleichmäßige und optimale Klimatisierung.

Die „Innenausstattung“ des Humidor muss aus Zedernholz sein – alles andere taugt absolut nichts! Da alle guten Tischhumidore aus Wurzelholz in „Sandwichbauweise“ gefertigt werden, gibt es bei der Außenschale nichts mehr zu beachten. Das Design wird ganz allein durch Geschmack und Budget bestimmt, welches man für die Anschaffung eines Tischhumidor bereitstellen möchte. Für 150 bis 200 Euro bekommt man einen perfekten Tischhumidor in sehr schönem Design.

In den nächsten Beiträgen zum Thema Rauchkultur wollen wir uns mit folgenden hochinteressanten Fragen eingehend auseinandersetzen: Was ist beim Kauf von Zigarren zu beachten und wo liegen die feinen Unterschiede, die über Genuss oder Niederlage entscheiden?

Text: Andy Bigler
Bild: Bigler

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