Bialetti. Un espresso come al bar.

Schraubkanne Bialetti KaffeeNeulich am Karmelitermarkt. Unter der noch kräftigen Herbstsonne, vor der uns der Slowfood-Schirm gut schützt, ergeben sich eine ganze Menge netter Kaffeegespräche. Der Inhalt kann hier schon aus Platzgründen nicht vollständig wiedergegeben werden, bemerkt sei jedoch eine Überraschung, die sich dabei für mich selbst ergab. Nämlich, wie viele der Menschen, die sich hier auf dem Markt so tummeln, sich zuhause für das traditionsreiche Zeremoniell der italienischen Schraubkanne entschieden haben.

Alfonso Bialetti, ein umtriebiger Erfinder mit den beruflichen Wurzeln in der Aluminiumindustrie, suchte und fand eine geniale Lösung wie man zuhause den traditionellen Caffé in der gleichen Qualität wie in der Bar zubereiten kann. 1888 erblickte er in Italien das Licht der Welt und verbrachte die Kriegszeit in einem Aluminiumverarbeitungsbetrieb in Frankreich. Die erste Gelegenheit brachte ihn wieder zurück in seine Heimat, wo er sich in dieser kargen Zeit fortan Gedanke machte, wie er seinen geliebten Espresso zuhause auf einfache Weise  zubereiten konnte. Und zwar ohne die für ihn unerschwingliche Espressomaschine seines Erfinderkollegen Luigi Bezzera. 1933 war es Bialetti endlich gelungen alle technischen Hürden zu nehmen und er produzierte die Mokka Express in Eigenregie. Ein guter Erfinder ist aber nicht unbedingt auch ein guter Geschäftsmann und so verkaufte er seine Kanne nur auf den umliegenden Märkten, womit sie der Region vorbehalten blieb. Wie so oft in der Geschichte ist es dann erst die nächste Generation, die wiederum mit ihren eigenen Fähigkeiten dem Produkt den verdienten Erfolg bringt. In diesem Fall war es Bialettis Sohn Renato, der das Potential erkannte und auch den nötigen Geschäftssinn hatte dieses genial-einfache Produkt patentieren zu lassen und endlich weltweit zu verkaufen.

Heute ist sie ein Manifest der Geschichte des Kaffees, stammend aus der weltgrößten Fabrik für Kaffeemaschinen. Durch die einfache Handhabung und den kleinen Preis gibt sie einer Generation von Kaffeeliebhabern die Möglichkeit ein Leben mit Genuss und italienischem Lebensgefühl führen zu können. So hält sie in vielen Fällen bereits  in studentischer Zeit Einzug in den ersten eigenen Haushalt und lässt den Kaffeeliebhaber ein Leben lang nicht mehr los.

Den wie immer frisch gemahlenen Kaffee, gerne auch eine Mischung mit etwas Robusta, nicht zu fein gemahlen bis zum Rand in das Sieb geben und Wasser bis zum Ventil in den unteren Teil füllen, zuschrauben und auf kleiner Flamme erwärmen. Sowie der Kaffee zu steigen beginnt sofort von der Flamme nehmen und dem beinahe süchtig machenden Geräusch des noch entweichenden Dampfes andächtig lauschen. Und schon ist er fertig: Kurz – Intensiv – Lebensbegrüßend.

Bialetti hat unserer Leidenschaft noch eine Steigerung ermöglicht und in dieser Geschmacksexplosion mit der Brikka auch noch die Crema in die Tasse gezaubert. Hier von mir ein großes Dankeschön für wunderschöne Kaffeemomente.

Text: Peter Steininger
Bild: Klösch

 

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