Ungesund leben, aber richtig!

 Ungesund leben? Aber richtig. Patrick Meier aus FrankfurtWas ist wertvoller als die Gesundheit? Wenn wir nur einigermaßen ehrlich sind, dann gibt es nichts so Wertvolles. Sind wir nicht gesund, können wir nicht genießen. Weder Wein, noch die vielen anderen leckeren Dinge, die wir gerne zum Wein konsumieren. In dieser Woche haben wir hier bereits einiges zu diesem breiten Thema gelesen und unter anderem gelernt, dass Wein oft in den stillen Momenten getrunken wird. Es liegt ja auch die Wahrheit im Wein und nicht im Schnapserl.

Wein nur in stillen Momenten? Eher zur klassischen Musik als zu Metallica? Wein statt Bier, weil es gesünder ist und gerade uns Männer nicht so schnell zum lebenden Rettungsring werden lässt? Nun ja, bekannt ist ja auch, dass die Dosis das Gift macht und daher ist natürlich Alkohol, und somit auch Wein, besser in einem wohl dosierten Verhältnis zu trinken. Ein bis zwei Gläser (0,2l) sind sicherlich nicht der gezielte Weg zum Alkoholentzug, bei der Flasche pro Tag wird es schon kritischer, aber wir wollen hier ja nicht mit dem erhobenen Zeigfinger durch die Seiten des WWW surfen. Wenn wir gesund genießen wollen, dann müssen wir natürlich auch wissen, wie es richtig ungesund geht. Ich möchte das einmal am Beispiel Grillen zeigen.

Wir nehmen besonders günstiges Hähnchenfleisch aus dem Discounter, auch wenn es wie ein Vorurteil klingt, aber die Chance hier besonders liebevoll mit Antibiotika aufgepäppeltes weißes Fleisch zu bekommen, ist schlicht und einfach höher als beim Biobauern. Und wir möchten es ja richtig ungesund haben. Dann legen wir dieses Fleisch in eine schöne Ölmarinade ein, die wir vorab schon mit Salz und Pfeffer veredelt haben und geben noch einen Schuss Angebotsgrappa hinzu. Wir heizen den Grill ein, lassen die Grillreste vom gestrigen Grillabend aber auf dem Rost, denn das verleiht ein besonders leckeres Kohlearoma. Reste vom letzten Steak und der verkohlten Aubergine daneben ergeben einen wunderbaren Baustein für unser Ungesund-Leben-Konzept.

Kohlereste, altes Holz und möglichst viel Brennspiritus sind die Grundlage für unser Feuerchen, darauf legen wir die beim letzten Regen nass gewordene Holzkohle. Es entsteht ein aromatisch-rauchiges und mit vielen Giftstoffen versehenes Anheizfeuerchen. Tief durchatmen und dazu einen großen Schluck Rotwein nehmen. Jetzt geht es daran, auf den heißen und bereits qualmenden Gitterrost die in sehr viel Öl getränkten Putenstreifen zu legen. Das tropfende Öl wird sich freudig entzünden und um das eben noch weiße Fleisch legt sich alsbald eine schöne rußige Kohleschicht. Röstaromen in Höchstform! Und wichtig – dabei nicht vergessen die erste Flasche Rotwein zu trinken, gegen den Staub in der Luft.

Gesund leben ist und genießen ist also eigentlich recht einfach, wer die kleinen handwerklichen Fehler beim Grillen weglässt, der hat wunderbaren und gesunden Grillgenuss. Es ist nichts dagegen zu sagen sein Fleisch zu marinieren, eher ist es sogar empfehlenswert. Aber machen Sie es selber, kaufen Sie kein fertig mariniertes Fleisch, dies ist meist älter und damit manchmal auch schon wieder für einen Abzug in der B-Note der Gesundheitsbewertung gut. Marinieren sie mit nicht zu viel Öl, tupfen sie das Fleisch leicht ab, löschen sie kein Feuer mit Bier oder Wein, trinken sie es lieber!

Für mich ist beim Thema Gesundheit zwischenzeitlich entscheidend woher die Ware kommt, die ich zum Kochen oder Grillen verwende. Bio muss nicht immer sein, aber Fleisch frisch beim Metzger um die Ecke kaufen, frisches Gemüse und Obst vom Markt oder vom Gemüsehändler, das muss sein. Gesundheit fängt oft bei den einfachen Sachen an, nämlich dort wo wir es kaufen und wo es herkommt. Und wenn wir noch das Thema Nachhaltigkeit ins Spiel bringen, dann muss es auch kein neuseeländisches Lamm sein. Das von der Nachbarweide ist frischer und mit weniger CO2-Verbrauch auf den Tisch gekommen, ebenfalls ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, wenn es um Gesundheit geht. Die Luft die wir atmen hat schließlich auch einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Ich trinke auf Ihre Gesundheit, liebe Leserinnen und Leser, einen schönen Spätburgunder (Großes Gewächs) vom Weingut Künstler aus Hochheim am Main, das liegt direkt um die Ecke und schmeckt sehr gesund

Text: Patrick Meier, Frankfurt
Bild: Meier

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