Der Japaner am Stausee

Japaner und SüdafrikaWir hatten uns ziemlich verfahren, was in Südafrika nicht unbedingt schlimm sein muss, manchmal aber durch aus ärgerlich sein kann. Es hatte uns auf eine unbefestigte Piste verschlagen; dort erreichten wir zwar nach einigen Kilometern einen sehr großen Parkplatz und einen wunderbaren Wanderweg, eingeplant war das aber an diesem Tag nun wirklich nicht.

Etwas widerwillig machten wir uns also auf den Weg uns, wie gesagt unfreiwillig, nun einen Stausee anzusehen. Am Ende des Sommers sehen Stauseen überall auf der Welt relativ unspektakulär aus, und die Gegend herum steht auch nicht gerade in voller Blüte. Wenn es also um schlechte Vorzeichen für einen entspannten Urlaubstag geht, dann ist die Kombination aus a) falscher Weg, b) ziemlich warm, c) öde Gegend und d) kein Weingut in Sicht, fast wie ein Hauptgewinn im Lotto.

So ging es uns im März dieses Jahres in einem Tal in der Nähe von Franschhoeck in Südafrika. Wir trotteten nach der Besichtigung vertrockneter Blumen und Gräser zurück in ein ordentlich aufgeheiztes Auto und beschlossen möglichst schnell zurück auf die Hauptstraße zu fahren. Bevor wir losfuhren wurden wir aber von einem Einheimischen in ein Gespräch verwickelt. Der Südafrikaner ansich ist ein sehr gesprächiger Zeitgenosse und so erfuhren wir, dass wenige Minuten von unserem Standort ein Kleinod der südafrikanischen Weingüter liegen würde.

Wir konnten es kaum erwarten und nach wenigen Fahrminuten sahen wir ein kleines, unauffälliges Schild. Es wies uns den Weg zu den Glenwood WineEstates und zu einem, aufgepasst, Sushi-Restaurant! Unsere Nerven lagen bereits blank und beinahe hätten wir uns gegen den Abstecher zum Japaner entschieden. Welch ein Fehler dies gewesen wäre!
Durch sauber angelegte Weinfelder fuhren wir auf das Herrenhaus zu und wurden freundlichst empfangen. Ein kleines Restaurant mit einer wunderschönen Außenterrasse empfing uns, äußerst geschmackvoll eingedeckt machte alleine der Rahmen, der uns hier empfing, Lust auf eine lange Pause.

Angeregt von einer kleinen Weinprobe unter schattigen Bäumen, blieben wir zum Lunch und bekamen einen Tisch mit traumhafter Aussicht auf einen kleinen See und das Haus des Winemakers. Anfangs fühlten wir uns etwas alleine, aber das kleine japanische Restaurant füllte sich doch recht schnell und wir hatten das große Glück die ersten Gäste gewesen zu sein. So konnten sich die beiden japanischen Sushicracks und die Sommeliere des Hauses um uns kümmern.

Selten hatten wir so viel Freude am Leben wie in diesem Moment, wir saßen an einem wundervollen südafrikanischen Herbsttag in einem echten Geheimtipp der Gegend und wurden mit sensationellen Sushispezialitäten verwöhnt. Dazu wurden die Weine der kleinen Boutiquewinery gereicht, wobei es uns der 2012´er Sauvignon Blanc, ein perfekter Sushibegleiter und der Chardonnay wooded & unwooded besonders angetan hatten.

Der Tag tröpfelte so dahin, wir genossen Tempura und Sushi, Sushi und Tempura und dazu den Wein der in allernächster Nähe angebaut und in den Kellern zu einem vorzüglichen Tropfen reifen durfte.

Zurückblickend war das wohl einer der Momente in meinem Leben, der dem Begriff „LebensfreudeN“ einen perfekten Rahmen liefert. Denn es ist mehr als eine Empfehlung, es ist schon beinahe ein Muss bei einem Besuch in Südafrika das Glennwood WineEstate zu besuchen, wenn es möglich ist, einen Moment in Ruhe dort zu verweilen und die besonderen  Weine und den frischen Fisch zu genießen; das Leben dort wird zu einer wahren Freude.
Anbei noch ein kleiner Hinweis zum Film zum Besuch, der hier auf Youtube zu finden ist. Das Weingut selber finden Sie hier.

Text: Pa­trick Meier, Frank­furt
Bild: Meier

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