Grillen kann paradiesisch sein!

Patrick Meier, Über das GrillenDie Kohle glüht, das Fleisch wartet auf seine Röstung und der Salat freut sich auf das Dressing. Für einen Grillabend sind also eigentlich alle wichtigen Aspekte geklärt. Wirklich alle?

Natürlich nicht, denn schließlich wird dieser Artikel nicht in einem Magazin für Salatdressings veröffentlicht, sondern in einem Wein- und Genussmagazin. Aus diesem Grund ist neben der Fleischfrage (rotes Fleisch oder etwas vom Federvieh), die Weinfrage natürlich mehr als elementar. Ähnlich wie beim Fleisch geht es natürlich auch hier um rot oder weiß, ein klarer Kompromiss könnte ein schöner Rosé sein. Kompromisse gab es aber heuer nicht, heute gab es eine klare Entscheidung. Die Damen tranken Weiß und die Herren einen leicht angekühlten Südafrikaner vom Weingut Stony Brook, der ganz klar zu den Rotweinen gehört.

Wenn ich grille, dann bin ich ein Purist, Fleisch ohne großes Gedöns, so wie es ist, kommt es auf den optimal angeheizten Grill. Gewürzt wird erst ganz am Ende, kurz bevor das Fleisch auf den Teller kommt. Keine eingelegten Sachen, haben die Indianer früher mit ihrem großen Stück Bison auch nicht gemacht. Wer rotes Fleisch mag, legt sich eben dies auf den Grill und wenn die Damen lieber etwas Pute möchten, dann wird auch dies ordentlich zubereitet – aber auch hier ohne Schnörkel. Geschnörkelt werden darf beim Grillen gerne bei den Salaten und den Kohlehydraten (Kartoffeln dürfen in diversen Variationen zum Fleisch gereicht werden). Es gibt natürlich auch noch Variationen von rotem Fleisch, eine hatten wir ebenfalls auf dem Grill: Chili Zucchinitaler mit Rinderhack gefüllt, ein bisschen gesund und ein bisschen Fleisch, der gesunde Kompromiss auf dem Grill. Nun aber zurück zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens; Wein!

Wir hatten einen südafrikanischen Knaller zum Grillfleisch, meine Entdeckung aus diesem Jahr: Stony Brooke Ghost Gum, ein Wein wie eine Kugel die eben noch dein Fleisch erlegt hat. Der Ghost Gum ist ein Cabernet Sauvginon, dem ein kleiner Schuss Petit Verdot zugesetzt wurde. Das unterstreicht die besondere Note dieses Weins. Eigentlich müsste er länger liegen aber wer einmal einen Schluck auf dem Gaumen hatte, der möchte einfach nicht mehr länger warten. Vergleichbar mit einer unwiderstehlichen Frau ist der Ghost Gum ein Wein der Männer verrückt machen kann; er will einfach ins Glas und getrunken werden. Dann – gibt es keine anderen Wahl mehr als ein gutes Stück Fleisch vom Grill, dazu vielleicht noch Tomaten und Mozzarella und dann einen großen und kräftigen Schluck. An einem heißen Sommertag verträgt der Ghost ein wenig Kühlung, die ihm allerdings in der Nähe des Grills schnell abhanden kommen kann. Wer ihn dann trinkt hat innerhalb weniger Minuten die verschiedensten Weine auf der Zunge. Im kühleren Zustand meldet sich zuerst die Verdot-Traube am Gaumen und gibt ein wenig kühle Schärfe ab, dann langsam kommt die Johannisbeernote zur Entfaltung und zum Schluss sind es die beiden Trauben, die ihre volle Kraft im Glas, in der Nase und auf dem Gaumen zur Geltung bringen. Sprichwörtlich wie ein Geist kommt dieser Wein über den Genießer und lässt mich kurz erschauern, dann aber umschließen seine warmen Aromen mich und lassen mich nicht mehr los.
Die Geister, die wir heute am Grill riefen, wurden wir nicht mehr los, aber die zwei Flaschen leer!

Nun, das ist der Männerwein gewesen, die Damen haben sich für einen Garagenwein entschieden, ein Wein ganz anders als der Ghost, dennoch mit einer Note Übersee im Gepäck, also passend zum Südafrikaner, obwohl er aus dem Rheingau kommt. Die Paradiesgarage (Paradise Garage 2011 Scheurebe Anthony Hammond) ist ein einfacher aber unglaublich gehaltvoller Wein, denn die Scheurebe entfaltet in diesem Rheingauer Gewächs ihr ganzes Können und umspielt die Gaumen mit exotischen Früchten und einem unglaublich fruchtigen Abgang, ohne dabei ihre halbtrockene Herkunft zu verraten und ins Liebliche abzudriften. Genau der richtige Begleiter für einen Grillabend bei exotischen Temperaturen und gut gewürztem weißen Fleisch.

Grillen ist, wie Weingenuss, eine Leidenschaft! Es muss einfach, klar und ohne Spielereien abgehen. Deshalb sind die beiden hier genannten Weine fast perfekte Begleiter zu biologisch einwandfrei groß-gefütterter Pute und einem ordentlichen Stück Rindfleisch!

Text: Patrick Meier, Frankfurt
Bild: Meier

 

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