Muskateller – Wein vom Stein 2012, Michael Lorenz

Michael Lorenz, Österreich, Sausal, Steiermark

Dieser Wein kommuniziert quasi mit seinem Koster. Sofort nach dem Einschenken fragt er was man von ihm eigentlich wolle, weil sein Flaschenschlummer so jäh beendet wurde. Außerdem scheint er sogar zu denken, denn bereits einige Minuten später beginnt er zu plaudern und zeigt seine vielfältigen Gesichter. Das beginnt mit jugendlichen Finessen in der Nase, welche man sich angesichts des Alters nicht erwarten würde. In den ersten zehn Minuten entwickeln sich die unterschiedlichsten „Aromen Bilder“, von klassisch bis expressionistisch erfreut diese „Plaudertasche“ die Sinne des Kosters. Das Muskataroma überzeugt durch unaufdringliche Präsenz, wird perfekt von etwas Hollerblüte und Mineralik begleitet. Ein passendes und vor allem sehr gut integriertes Säuregerüst sorgt für harmonische Gaumenfreuden. Im Abgang komplex, mit schlanker Struktur, finessenreich mit überzeugender Länge. Der charmant elegante Nachklang verlangt nach weiterer Kommunikation.

Der Wein befindet sich auf mittlerer Trinkreife mit gutem Entwicklungspotential. Es spricht auch alles für eine mittelfristige Lagerung. Sogar bekennende Muskateller Verweigerer sprachen diesem Wein ihr Lob aus. Aber nicht nur deshalb, sondern in erster Linie für den Gesamteindruck vergebe ich vier Spirits!

Über Michael Lorenz haben wir schon des Öfteren berichtet, das mit ihm geführte Interview finden Sie hier. Sämtliche verkostete Weine und unsere Urteile und Bewertungen darüber finden Sie auf unserer homepage. Bislang aber war kein Muskateller dabei!

Der Muskateller ist eine eher anspruchsvolle Sorte und das in jeder Hinsicht. Ein erfahrener Winzer weiß, wie pflegebedürftig und wetteranfällig diese Rebsorte ist. Bodenbeschaffenheit und Standort müssen passen, sorgfältigste Arbeit im Weingarten gilt als Grundvoraussetzung und bei der Vinifizierung ist darauf zu achten, dem Wein dezente Muskataromen mit passendem Körper und perfekter Gesamtstruktur zu verleihen.

Der Muskateller gehört zu den in Österreich als „G’schmackige Sorte“ bezeichneten Weinen. Von vielen Konsumenten ist immer wieder zu vernehmen, sie würden keine süßen Weine mögen, was sie gar nicht auf den möglichen Restzucker beziehen, sondern viel mehr auf eine gut gemeinte, aber übertriebene Aromatik. Ist ein Muskateller zu lautstark in seiner Aromatik, wird ihm auch bei Trockenheit, mit so gut wie keinem Restzucker, süßer Geschmack angedichtet, weil die Gesamtstruktur eben nicht passt.

Einer der weiß, was diese Rebsorte braucht um Elegance und Charme zu zeigen, ist Michael Lorenz. Er ist der Winzer, der mit dem Muskateller tanzt, so Andy Bigler. Wir haben übrigens ein interessantes Gespräch mit dem Winzer geführt, das Sie hier finden.

Text: Andy Bigler
Bild: Gregor Klösch

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