Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum

Mindesthaltbarkeitsdatum VerbrauchsdatumJe­der kennt das. Von Zeit zu Zeit fin­den sich in den hin­ters­ten Ecken des Kühl­schranks oder des Vor­rats­schranks Le­bens­mit­tel, auf die ver­ges­sen wurde und de­ren Halt­bar­keit die auf­ge­druck­ten Ab­lauf­da­ten be­reits über­schrit­ten hat. Es stellt sich so­mit die Frage, ob sie noch ge­fahr­los ess­bar bzw. ver­wert­bar sind. Oft wan­dern sol­che Le­bens­mit­tel al­ler­dings un­ge­öff­net in den Müll, da die Angst da­vor, et­was Ver­dor­be­nes zu es­sen, oder sei­nen Liebs­ten vor­zu­set­zen zu groß ist. Doch auch wenn das Ab­lauf­da­tum über­schrit­ten ist, sind be­stimmte Pro­dukte nicht au­to­ma­ti­sch un­ge­nieß­bar.

In Ös­ter­reich, und auch an­de­ren EU- und Nicht-EU-Län­dern, be­steht laut Kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung eine Kenn­zeich­nungs­pflicht von Le­bens­mit­teln. Das be­deu­tet in die­sem Fall, dass das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum (MHD) gut sicht­bar, deut­lich les­bar, leicht ver­ständ­lich und dau­er­haft auf al­len, für End­ver­brau­cher be­stimmte Le­bens­mit­teln, an­ge­bracht sein muss. Es ist mit den Wor­ten „min­des­tens halt­bar bis“ be­schrie­ben und an der Pro­dukt­un­ter­seite, auf oder am Rand des De­ckels, in der Nähe von Nähr­wert­ta­belle und Füll­menge oder an ei­nem sons­ti­gen Ort am Pro­dukt zu fin­den. Im Grunde ist das MHD eine Ga­ran­tie­er­klä­rung des Her­stel­lers und gibt an, bis zu wel­chem Da­tum ein Le­bens­mit­tel ver­schlos­sen und bei sach­ge­rech­ter La­ge­rung, etwa im Kühl­schrank oder an tro­cke­nen, küh­len Or­ten, auf je­den Fall halt­bar sein muss, ohne Ver­än­de­run­gen in Ge­schmack, Kon­sis­tenz, Ge­ruch oder sons­ti­gem auf­zu­wei­sen. Zu­meist ist das MHD des­halb auch we­sent­lich frü­her da­tiert, als das Pro­dukt wirk­lich ver­kommt und kann, nach ei­ner aus­rei­chen­den Prü­fung mit sämt­li­chen, uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den, Sin­nen, ohne Be­den­ken ver­wen­det wer­den. Kein MHD be­sit­zen Ge­tränke mit ei­nem Al­ko­hol­ge­halt von 10 Vol% oder mehr, Es­sig, Spei­se­salz, Zu­cker, Kau­gummi und Le­bens­mit­tel wie ver­schie­dene Back­wa­ren oder Frisch­obst, die für den Ver­kauf und Ver­zehr in­ner­halb 24 Stun­den ge­dacht sind.

Nicht zu ver­wech­seln ist das MHD mit dem so­ge­nann­ten Ver­brauchs­da­tum. An­ders als das MHD wer­den da­mit leicht ver­derb­li­che Pro­dukte wie bei­spiels­weise Flei­sch oder Fisch ge­kenn­zeich­net, die nach Ab­lauf des Ver­brauchs­da­tums nicht mehr für den Ver­zehr ge­eig­net sind. Auch wenn ihr Zu­stand, Ge­ruch, etc. noch ein­wand­frei er­scheint, kön­nen sol­che Le­bens­mit­tel be­reits un­mit­tel­bar nach dem Ver­brauchs­da­tum durch Keime und Bak­te­rien, die sich an de­ren Ober­flä­che bil­den, eine Ge­fahr für un­sere Ge­sund­heit dar­stel­len. Ge­nauso wie beim MHD ga­ran­tiert al­ler­dings der Her­stel­ler die Un­ver­sehrt­heit, Ge­nieß­bar­keit und Qua­li­tät sei­ner Ware bis zu die­sem Da­tum, wenn sie zwin­gend ge­kühlt ge­la­gert wer­den. Mit den Wor­ten „ver­brau­chen bis“ muss es zu den sel­ben Kri­te­rien wie das MHD auf den Wa­ren zu fin­den sein.

Sollte ein Pro­dukt be­reits vor dem Min­dest­halt­bar­keits­da­tum oder dem Ver­brauchs­da­tum ver­dor­ben sein, der Her­stel­ler je­doch die Se­rio­si­tät sei­ner An­ga­ben be­le­gen kann, ent­ste­hen da­durch keine recht­li­chen An­sprü­che für den Kon­su­men­ten. Im Ge­gen­satz zu Pro­duk­ten mit ab­ge­lau­fe­nem MHD, dür­fen Pro­dukte mit ab­ge­lau­fe­nem Ver­brauchs­da­tum nicht mehr ver­kauft wer­den.

Diese zwei ver­schie­de­nen Da­ten füh­ren oft zu Ver­wir­run­gen und Un­si­cher­heit bei den Kon­su­men­ten und zu­dem zu ei­ner Ver­schwen­dung vie­ler Le­bens­mit­tel, die nicht nur Geld­ver­schwen­dung ist, son­dern auch öko­lo­gi­sche, ge­sell­schaft­li­che und ethi­sche Pro­bleme her­vor­ruft. Eine nicht un­we­sent­li­che Menge an Le­bens­mit­teln wird pro­du­ziert, ver­ar­bei­tet, ver­packt, trans­por­tiert, ge­la­gert und dann ein­fach un­ver­dor­ben in den Müll ge­wor­fen. In lang­fris­ti­ger Folge trägt dies zu ei­ner un­nö­ti­gen Ver­knap­pung und fol­gen­der Ver­teue­rung je­ner Le­bens­mit­tel bei. Durch­schnitt­lich han­delt es sich hier in Ös­ter­reich um 157.000 Ton­nen jähr­lich und pro Haus­halt um Men­gen im Wert von 300€ im Jahr. In Ös­ter­reich sucht die In­itia­tive „Le­bens­mit­tel sind kost­bar!“ des „Mi­nis­te­ri­ums für ein le­bens­wer­tes Ös­ter­reich“ nach Lö­sungs­an­sät­zen. In Deutsch­land, Groß­bri­tan­nien und an­de­ren Län­dern bie­ten On­line-Shops wie www​.iss​-guens​ti​ger​.de oder www​.ap​pro​ve​d​food​.co​.uk ab­ge­lau­fene, aber nach wie vor ge­nieß­bare Le­bens­mit­tel zu güns­ti­gen Prei­sen, um die Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung zu be­kämp­fen.

Also — be­vor Sie das nächste Mal ab­ge­lau­fene Le­bens­mit­tel weg­wer­fen, kon­trol­lie­ren Sie, ob diese auch wirk­lich be­reits ver­dor­ben sind!

Text und Bild: Ma­rion Pert­s­chy

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