Michael Lorenz. Naturverbunden und stolz.

Michael Lorenz, Österreich, Sausal, Steiermark„Wein ist Herkunft im Glas.“, antwortet der verschmitzt lächelnde Michael Lorenz gleich zu Beginn unseres Gesprächs auf die Frage, wie er denn selber seine Weine sähe. Und für dieses spezielle Weingebiet stimmt das noch einmal mehr, kann man doch hier jeden Stein und jedes Krümelchen Erde der steilen Lagen aus dem Glas riechen. Schlank und elegant kommen sie daher, die spannenden Weine aus dem Sausal. Und er erzählt weiter, „Meine Weine sind wie ich. Zuerst etwas schüchtern, aber wenn man sie besser kennen lernt, werden sie immer frecher. Sie brauchen manchmal etwas Zeit um aufzutauen.“, und er fährt lachend fort, „Und im Alter werden sie immer interessanter.“

Michael Lorenz sucht die Authentizität. Und seine Weine zeigen, dass er schon sehr viel davon gefunden hat. Ehrliche Weine, Terroir, Boden, Herkunft. Das sind die Kriterien, wonach er seine Suche ausgerichtet hat und wo er auch fündig geworden ist. Der Sausal sieht rein optisch nicht so anders aus wie, beispielsweise, die Südsteiermark. Öffnet man aber die Flaschen, die von hier kommen, erkennt man eine kühle, schlanke, mineralische und filigrane Stilistik, die dem kargen Boden geschuldet ist. Viel Schiefer, oft bis fast zur Erdoberfläche, ab und an etwas Urgestein. Steinreich, dieses Weingebiet. Und alles in allem ist die Mischung wohl gut 400 Millionen Jahre älter als ihre etwas bekanntere Verwandte, die Südsteiermark. Und die spannenden Weine, mit ihrer fast engen, würzigen, oft genug salzigen Charakteristik, treffen den Geschmack der Zeit gut. Die besten Weingebiete sind steinreich.

Das Weingut Lorenz besteht seit über 500 Jahren, und wurde schon 1524 urkundlich als Weinlieferant erwähnt. Was dem Winzer, wie er sagt, in dieser Form keinen Cent einbringt. Aber die Tradition lebt eben doch fort und schon der Großvater hat seinerzeit das Thema Qualität Ernst genommen. Ein Vorreiter in diesem Bereich und ein Perfektionist. Der junge Winzer, der den Begriff Weinmacher so gar nicht mag, fühlt sich selber auch als Perfektionist.
Aber: „Ich habe auch harte Zeiten gehabt, vielleicht hat mich das gefestigt und mutiger gemacht. Vielleicht bin ich heute ein gelassener Perfektionist. Heute nehme ich mich selber nicht mehr ganz so ernst. Auch meine Sichtweise, der Blick auf meine Arbeit und meine Ansprüche haben sich verändert. Vielleicht bin ich auch einfach reifer geworden.“  Heute hat Michael Lorenz auch den Mut und die Kraft einfach zu warten. Denn, wie er sagt, um gute Weine zu machen, braucht es Geduld und Zeit. Der Jahrgang 2014 war für ihn ein Schritt nach vorne, denn sooft dieses Jahr auch schlecht geredet wurde, hier in seinen großen Lagen hat sich die gute und vorausschauende Arbeit der letzten Jahre bezahlt gemacht.

Sausaler Weine, Michael Lorenz, SteiermarkDas Thema Regionalität ist in der Steiermark schon naturgemäß wichtig, und das Sausal hat dabei so einiges zu bieten. Es drängt sich der Eindruck auf, dieser Landstrich funktioniere langsamer, als ließe man sich hier mehr Zeit, ruhe mehr in sich selbst. „Ich möchte meinen Gästen auch anbieten, bei uns zu entschleunigen.“, sagt Michael Lorenz. „Wir haben hier 14 Gästezimmer und ich würde am liebsten sogar den Fernseher aus den Zimmern nehmen. Aber das ist eben ein Kompromiss, den ich mache.“ Der Naturbursch holt sich seine Entspannung aus dem Grünen. Er kann sich einfach in die Wiese setzen und abschalten. Und das passt alles gut zu seinem, wie zum Anspruch der Region. Selber Brot backen, selber käsen, keine Industrieprodukte. Beim Essen wie beim Weinmachen. Um das Wort nun doch einmal in den Mund zu nehmen. Nicht umsonst bezeichnet sich das Weingut Lorenz auch als Genussgut und als Schlafgut. Sehr passend übrigens, denn geschlafen und gegessen haben wir bei unserem Besuch ganz ausgezeichnet. Regional.

Der zweite Teil dieses Artikels folgt hier.

Text und Bilder: Klösch

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