Meister Petz und die Desillusionierung des Hobbykochs

Petz-Logo-gesamtMeine Frau und ich kochen gerne, zu mindestens wenn wir Zeit haben. Und wir sammeln Kochbücher. Das geht querbeet über die Plachutta- oder Gerer-Klassiker bis hin zur Ethno-Küche. Aus meinem neuen indischen Kochbuch habe ich zum Beispiel schon einige Gerichte nachgekocht und sie sind alle gut geworden. Generell gibt es ja Kochbücher, wo praktisch jedes Gericht nachkochbar ist und auch gelingt (wie zum Beispiel von Schuhbeck oder Lafer) und solche, die sind maximal zum Anschauen. Bei einer Veranstaltung mit Tombola habe ich einmal ein Molekular-Kochbuch gewonnen. Herrliche Bilder, jedes Gericht ein Kunstwerk – aber unter praktischem Gesichtspunkt völlig unbrauchbar.

Meine liebe Frau und ich sind beim Kochen mittlerweile ein eingespieltes Team. Das ist ja kein Wunder nach mittlerweile mehr als 25 Jahre Zusammenleben und –essen. Harmonisch kochen wir uns von Speise zu Speise. Außer ich steh ihr im Weg, dann kann es natürlich auch ungemütlich werden. Und wir schaffen mittlerweile ohne Probleme unseren Gästen bis zu 10-gängige Menüs zu servieren.

Die Besucher sind regelmäßig begeistert, loben unsere Kochgalas über den grünen Klee und irgendwann glaubt man dann auch selber, dass man eigentlich eh kein so schlechter Koch ist. Jedenfalls ziehen die wohl Gesättigten beglückt mit Tupperware-Dosen mit den Resten (sofern überhaupt etwas übergeblieben ist) von dannen.

So sonnt man sich im Freundes- und Verwandtenkreis im Ruhm ein Meisterkoch zu sein. So lange bis man in ein Lokal geht, wo man beinhart auf den Boden der Realität zurückgeholt wird.

Einer unserer absoluten Lieblingsköche ist der Christian Petz. Zu Badeschiff-Zeiten habe ich bereits öfters seine Kochkunst genossen. Sein Kochbuch „Die neue Wiener Küche“ besitzen wir auch. Und die Forellenfilets in Erdäpfelsuppe mit Röstzwiebelbutter sind mir schon ein paar Mal echt gut gelungen. Und so war es natürlich ein absolutes Muss seine neue Wirkungsstätte im „Gusshaus“ hinter der Karlskirche zu begutachten, noch dazu im Rahmen einer Geburtstagseinladung von lieben Freunden.

Über das Gusshaus hat ja mittlerweile jede Zeitung schon was geschrieben, mit meist hymnische Kritiken. Irgendwie stellt sich da bei mir eine leichte Skepsis ein, so nach dem Motto „Na schau ma mal, ob das Lokal wirklich so gut ist?“. Aber es ist; definitiv!

Ich hab gleich mit dem Signature Dish von Meister Petz begonnen: Vitello Dorschato, also einer Variation des italienischen Klassikers mit einer Dorschleber-Mayonnaise-Creme. Ja was soll ich sagen? Urgeil! Da probiert man daheim Rezepte, kocht und kocht und ist eigentlich ziemlich zufrieden mit der Performance. Und dann kommt man in das Lokal, isst und sagt sich: „Verdammt, andere Liga, da kann ich nicht einmal „zuweriechen“.“

Als Hauptspeise hatte ich dann Confiertes Kabeljaufilet mit Spinat und Rahmravioli. Kruzifix, warum bringe ich Fischfilets nie so 1000-prozentig auf den Punkt? Einzig dem Spinat hätte ich eine Idee mehr Salz vergönnt, na wenigstens etwas zum kritisieren!

Eine Apfeltarte beendete würdig die Speisefolge und der Grüne Veltliner vom Schloss Gobelsburg war ohne Fehl und Tadel. Der Rote auch, nur weiß ich nicht mehr von wem der war (ist doch schon eine kleine Weile her). Jedenfalls eine Cuvée, ich glaube aus der Thermenregion.

Und so schreitet man beglückt und gleichzeitig deprimiert nach Hause. Mit wohlig gekitzelten Geschmacksnerven aber andererseits auch mit dem klaren Wissen, wo man als Koch hingehört. In die Leistungsklasse „Amateure-avanciert“. Aber eh nicht so schlecht, oder?

Text: Michael Binder
Bild: Petz im Gußhaus

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