Matthias Altmann, ein junger Wilder geht seinen Weg.

Matthias Altmann, Wagram. Weinbauer im besten Sinne.Das kleine Weinbaudörfchen Trasdorf im Tullnerfeld liegt am Rande des Weinbaugebiets Wagram, an der Grenze zum Weinbaugebiet Traisental. Gemeinsam mit der nahe gelegenen Ortschaft Hütteldorf beträgt die Gesamtrebfläche dieser Region immerhin 80 Hektar, die vorwiegend von Heurigenbetrieben bewirtschaftet wird. Für seine ländliche, unverfälschte Heurigenkultur ist diese Gegend auch bekannt – klassische Heurigenküche dazu einige Gläschen weiß oder rot – nicht mehr, nicht weniger.

Auch wenn ich persönlich diese klassische Heurigenkultur sehr schätze, in Sachen Wein sollte es schon etwas mehr sein. Dieser Ansicht sind auch einige Winzer der Region, einer von ihnen ist der 28 jährige Matthias Altmann. Die Weinbaugeschichte der Familie Altmann reicht zurück bis ins Jahr 1882. Wie seine Vorfahren, wollte Matthias immer Weinbauer werden. Den wirtschaftlichen und önologischen Grundstein legte er mit seiner Ausbildung an der Kremser VINO-HAK. Praktische Erfahrungen im Weinbau erlangte er durch seine Arbeit in namhaften österreichischen Betrieben. Mit dem erfolgreichen Abschluss zum Weinbau- und Kellermeister wurde ein weiterer Grundstein gelegt. Seit 2007 ist Matthias für die Vinifizierung im Betrieb verantwortlich. In diesem Jahr kreierte er auch seinen ersten, eigenen, qualitativ hochwertigen Wein im Familienbetrieb. Es war ein Grüner Veltliner, mit der seiner Berufung entsprechenden Bezeichnung: Junger Wilder. Dieser fruchtig, freche, sortentypische Wein wurde sofort zum Topseller und dadurch auch zur Bestätigung, dass Matthias mit seiner Einstellung zu Menge und Qualität, den richtigen Weg gewählt hatte.

Zurzeit bewirtschaftet die Familie Altmann drei Hektar Rebfläche, wovon zwei Hektar im Ertrag stehen und ein Hektar neu bepflanzt wurde. Mit entsprechender Mengenreduzierung erwirtschaften sie zwischen 4.000 bis maximal 5.000 kg Traubenmaterial pro Hektar, ein Beweis für höchste Qualitätsorientierung. Nach dem Motto, das Leben eines Winzers ist ein ständiger Entwicklungsprozess, bildet sich Matthias weiter und stellt sich stetig neuen Herausforderungen. So ist es auch nicht wunderlich, dass er sich nicht nur mit bewährten Vinifizierungsmethoden beschäftigt, sondern auch im Bereich der Natural- und Orange- Wines tätig ist. Er erkannte, dass er auch die perfekten Lagen zur Auspflanzung der Rebsorte Gewürztraminer besitzt und setzte trotz einiger ungläubiger Blicke mancher Kollegen, sein Vorhaben in die Tat um. Die Ergebnisse in Form von Wein zeigen Charakter, sorgen für Trinkgenuss und beweisen, dass mehr möglich ist, als nur durchschnittlich gut.

Die Hauptrebsorte ist Grüner Veltliner, der sich auf den tiefgründigen Lössformationen prächtig entwickelt. Es war Matthias’ Vater, der sich trotz vieler negativer Aussagen einiger Winzerkollegen dazu entschloss, die Rebsorte Riesling auszupflanzen, obwohl Riesling laut dieser Aussagen hier nicht gedeihen würde. Ein wirklich sehr kluger Entschluss, denn Bodenbeschaffenheit und klimatische Bedingungen passen perfekt, um vielschichtige, gut strukturierte Rieslinge zu keltern. Knapp 20% der Rebflächen wurden mit der Rebsorte Zweigelt bepflanzt. Böden, Klima und Matthias’ weinhandwerkliches Geschick sorgen dafür, dass gut strukturierter, fruchtbetonter Rotwein mit zarten Tanninen in Flaschen gefüllt werden kann. Trotz seiner Jugend besitzt Matthias Altmann bereits große Weinbau Erfahrung, die er im Einklang mit allen natürlichen Ressourcen, sowohl im Weingarten, wie auch im Keller, gekonnt umsetzt. Zahlreiche Auszeichnungen bestätigen das.

Matthias Altmann als Weinmacher zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung, er ist ein ständig lernender, wissbegieriger Handwerker und Naturfreund. Kurz gesagt, ein echter Weinbauer!

Text & Bild: Andy Bigler

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