Mein Lieblingskaffee. San Cristobal.

Mein Favorit, San CristobalDas Thema Kaffee bietet eine Vielzahl an Anliegen, die auch Stück für Stück hier in der Weinpresse Eingang finden. Meine Tätigkeit als Röster, Lehrer und Kaffeesommelier bringt täglich neue Ideen. Ständig wird an mich herangetragen, was denn unsere Leser interessiert, welche Punkte man hier beleuchten sollte. Am fruchtbringendsten sind Momente im Auto, am Rad oder in Gesprächen mit Menschen, die für sich oft die unterschiedlichsten Zugänge zu diesem schwarzen Lebenselixier finden. Der eindeutig schwierigste Moment meiner Aufgabe ist aber jene Situation, in der ich vor einem weißen Blatt Papier sitze und die Tinte meiner Füllfeder, mit der ich stets meine Entwürfe schreibe, auszutrocknen droht. Wenn sie so schreibbereit in meiner Hand liegt, während es draußen dunkel wird und der letzte Abend vor dem Abgabetermin untrüglich sein Ende ankündigt. Mit dieser gerunzelten Stirn und der zurückgelehnten, leicht angespannten Haltung wird das nichts. Also erst einmal entspannen und einen Kaffee aussuchen. Und schon der Gedanke an das Anbauland der edlen Bohne, die nun meine Gedankenflut beschleunigen und meinen Gaumen erfreuen soll, stellt die Weichen für diesen Artikel.

Wie schon so oft fällt die Wahl auf einen meiner Lieblingskaffees. Er stammt von einer faszinierenden Insel, die bekannt ist für eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Sie liegt im pazifischen Ozean, 1000 km vor dem Festland von Ecuador, gehört zur Gruppe der Galapagosinseln,und ist nach dem Schutzpatron der Seefahrer, dem heiligen Christophorus benannt. Auf San Cristobal gelten sehr strenge und umfassende Naturschutzregeln. In der bergigen Region im Süden dieser Insel und auf den beiden Nachbarinseln gedeiht eine der besten Kaffeesorten dieser Welt. An steilen Hängen nährt das mineralhaltige Wasser des Laguna El Junco, einem hoch gelegenen Kratersee, die Kaffeepflanzen, welche zwischen hoch gewachsenen Avocado- und Orangenbäumen vor zu starker Sonne Schutz und Zuflucht finden. In etwa 9 Monaten reifen die Kirschen und bescheren uns mit Ihren Kernen die außergewöhnlich ausgewogene Aromenvielfalt. Die Ernte und Aufbereitung geschieht mit größter Sorgfalt unter Berücksichtigung auf das ökologische Gleichgewicht. Die meisten Bohnen, die als Galapagos-Kaffee verkauft werden, stammen aber vom Festland und haben nicht annähernd die Güte eines echten San Cristobal.

Der Charakter lässt sich als Kaffee mit vielschichtigen Aromen beschreiben. Noten von Tabak und Leder aber auch exotische Früchte begleitet von einer feinen bis mittleren Säure. Besonders reizvoll finde ich den mittleren Körper, eine Geschmacksbreite, die alle Nuancen zusätzlich unterstreicht. Einfach elegant, bei jedem Inhalieren des Duftes gibt er ein neues Spiel preis. Einer der wenigen Kaffees, der sortenrein allen Ansprüchen an einen perfekten Espresso gerecht wird und als Aufguss noch verspielter wirkt.

Schließen Sie beim ersten Schluck die Augen und genießen Sie die Bilder der einzigartigen, bunten Tier- und Pflanzenwelt dieser Inseln, die Ihnen Ihre Geschmacksknospen zeichnen.

Text: Peter Steininger
Bild : Steininger

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