Let’s talk about … Speiseeis!

Speiseeis, österreichArbeitet man sich in der Zeit erschreckend hoher Thermometerstände und flirrender Hitzetage durch die Freibäder des Landes, so ist es zwischen den Sprüngen ins kühle Nass ein treuer Begleiter jedes sonnenhungrigen Badegastes. Wir alle kennen und lieben unser fertig verpacktes Eis am Stiel oder auch unsere Eistüten, wie wir sie im Café ums Eck überreicht bekommen. Allerdings denken wir beim Speiseeis vermutlich nur selten daran, dass wir etwas genießen, das die Menschheit bereits seit Tausenden Jahren erfreut!

Natürlich ist das nicht im Sinn der Vorstellung zu verstehen, die wir heutzutage vom Speiseeis haben. Unsere modernen Eisköstlichkeiten leben selbstverständlich von den Fortschritten im Bereich der Kältetechnik, die ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Produktion großer Mengen ermöglichen.

Doch schon lange vor der Erfindung der ersten Eismaschine 1876 besaß das Eis seinen festen Platz in der kulinarischen Geschichte. So berichtet etwa Marco Polo im 13. Jahrhundert davon, dass man es bereits um 3.000 v. Chr. im antiken China verzehrt haben soll. Auch in der europäischen Antike hat das Eis seinen festen Platz und wird beispielsweise von Hippokrates im 5. bzw. 4. vorchristlichen Jahrhundert als Medizin verschrieben.

Als Basis dieser frühen Eisformen dient selbstredend das Schnee und Eis der nächsten Berggipfel, das etwa der römische Kaiser Nero im 1. nachchristlichen Jahrhundert durch Staffelläufer aus den Alpen herbeischaffen lässt. Geschmacklich besteht das antike Speiseeis aus mehreren Zutaten, die man mit dem Eis und Schnee der Gipfel mischt: So genoss Nero eine Mischung aus Honig und Früchten mit Baumharz als Gewürz oder die Offiziere Alexanders des Großen Schnee mit Milch, Fruchtsaft und Honig. Nachdem das Wissen um die Herstellung von Gefrorenem im europäischen Mittelalter in Vergessenheit gerät, verbreitet sich das Speiseeis in der Neuzeit erneut. Damals lebt die Produktion von der Erkenntnis, dass sich Wasser abkühlt, wenn bestimmte Stoffe in ihm gelöst werden (z.B: Salpeter). Die Produktion bleibt allerdings immer noch auf kleinere Mengen beschränkt.

Das erste Eiscafé der Welt öffnet schließlich 1672 in Paris und soll bereits über eine bunte Palette an verschiedenen Geschmacksrichtungen verfügt haben. Ende des 17. Jahrhunderts machen in Wien bereits gedruckte Eisrezepte die Runde. Etwa hundert Jahre später bieten sogenannte „Limonadenhütten“ im Wien der Sommermonate gefrorene Spezialitäten an. Einige der heutigen Traditionshäuser rund um den Eisgenuss öffnen im späten 19. Jahrhundert ihre Pforten, so etwa der Eissalon am Schwedenplatz, der sich seit 1886 im Besitz der Familie Molin-Pradel befindet. Ab der Wende zum 20. Jahrhundert wird unser Speiseeis auch im berühmten Waffelhörnchen gereicht. Die Erfindung des Eis am Stiel folgt schließlich 1923 in den USA.

Das heutige Wien besitzt mittlerweile die größte Dichte an Eissalons in ganz Europa. Viele Namen sind hier längst untrennbar mit der Geschichte des Speiseeises verknüpft, sei es beispielsweise der Eissalon am Schwedenplatz, Zanoni & Zanoni oder auch der Tichys. Auch Fans des veganen Eises kommen heute in Wien auf ihre Kosten, so etwa mit dem Salon „Veganista“ in der Margarethenstraße 51.
Und damit: Fröhliche Eiszeit!

Text: Cornelius Binder
Bild: Pixabay

Comments are closed.

DieWeinpresse located at Wien , 1020 Wien, Austria . Reviewed by 4793 Reader rated: 4.8 / 5