Let’s talk about … Registrierkassenpflicht.

Registrierkassenpflicht in Österreich. Winzer im Schlaglicht.Spä­tes­tens seit Jah­res­be­ginn 2016 ist sie in al­ler Munde und das nicht im­mer un­ter po­si­ti­ven Vor­zei­chen: die Re­gis­trier­kas­sen­pflicht. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand ist vie­ler­orts be­reits von den Pro­ble­men die Rede, die sie mit sich bringt. Doch was steckt wirk­lich da­hin­ter? Hier ein neues Let’s talk about zwi­schen ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen und ei­nem klei­nen Blick in die Rea­li­tät ei­nes Wein­viert­ler Win­zer­be­triebs.

Zu­al­ler­erst ist die Re­gis­trier­kas­sen­pflicht die Ver­pflich­tung, zur Ver­zeich­nung der Bar­um­sätze ei­nes Un­ter­neh­mens ein elek­tro­ni­sches Auf­zeich­nungs­sys­tem zu ge­brau­chen. Dies gilt für sämt­li­che Be­triebe ab ei­nem Jah­res­um­satz von 15.000 Euro, so­fern die Bar­um­sätze 7.500 Euro pro Jahr über­schrei­ten, also Um­sätze, die mit­tels Bar­geld, Ban­ko­mat- oder Kre­dit­karte so­wie auch durch Gut­scheine und ähn­li­ches er­bracht wer­den. Er­lag­scheine oder e-ban­king zäh­len nicht zu den Bar­um­sät­zen.

Zu­sam­men mit der Re­gis­trier­kas­sen­pflicht gilt seit dem 1. Jän­ner die­ses Jah­res auch die Be­le­ger­tei­lungs­pflicht. Sie be­sagt die Ver­pflich­tung je­des Be­triebs dem Käu­fer ei­nen Be­leg aus­zu­stel­len, den die­ser bis au­ßer­halb der Ge­schäfts­räum­lich­kei­ten mit sich füh­ren soll. Ab Jah­res­be­ginn 2017 wird das Thema au­ßer­dem um die Fa­cette Ma­ni­pu­la­ti­ons­si­cher­heit rei­cher: Sämt­li­che Re­gis­trier­kas­sen­sys­teme sol­len bis dort­hin über eine tech­ni­sche Si­cher­heits­ein­rich­tung zum Schutz vor Ma­ni­pu­la­tio­nen ver­fü­gen. Auch die Be­lege be­nö­ti­gen un­ter die­sen Vor­zei­chen ab dann eine ei­gene elek­tro­ni­sche Si­gna­tur.

Das grund­le­gende Ziel hin­ter den frag­li­chen Ge­set­zes­vor­ga­ben liegt nun ganz of­fen­sicht­lich in der Be­kämp­fung von Schwarz­um­sät­zen oder auch der Er­zeu­gung von Wett­be­werbs­gleich­heit zwi­schen Un­ter­neh­men. Da­bei wurde in Zu­sam­men­hang mit der Re­gis­trier­kas­sen­pflicht vor al­lem auf ei­nes im­mer wie­der hin­ge­wie­sen: die An­schaf­fungs- bzw. Um­rüs­tungs­kos­ten der Kas­sen­sys­teme lie­gen beim je­wei­li­gen Be­trieb. Doch nicht im­mer müs­sen diese Kos­ten als über­mä­ßige Be­las­tung für ei­nen Ge­wer­be­trei­ben­den wahr­ge­nom­men wer­den. „Für uns sind die An­schaf­fungs­kos­ten für die Re­gis­trier­kasse im Rah­men und stel­len keine au­ßer­ge­wöhn­li­che Be­las­tung dar.“, wis­sen Si­mone und Han­nes Hil­ler-Jor­dan, In­ha­ber ei­nes Wein­viert­ler Wein­guts mitt­le­rer Größe in Groß-Rei­pers­dorf (Be­zirk Hol­la­brunn). Der als Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ge­führte Be­trieb ist mit sei­ner Jah­res­pro­duk­tion von etwa 65.000 Fla­schen di­rekt von den neuen Ver­pflich­tun­gen be­trof­fen. Aus dem brei­ten An­ge­bot der er­hält­li­chen Kas­sen­sys­teme (die u.a. auch Lö­sun­gen via Smart­phone be­inhal­ten), hat sich der Be­trieb für eine sta­tio­näre, aber netz­werk­fä­hige Va­ri­ante ent­schie­den. Diese ist eng mit der Kel­ler­buch­soft­ware ver­zahnt, der Soft­ware, die die ein­zel­nen Pro­duk­ti­ons­schritte so­wie den mo­men­ta­nen Wein­stand do­ku­men­tiert.

Nach ers­ten Er­fah­run­gen mit dem neuen Sys­tem be­fragt, win­ken die Be­sit­zer je­doch ab: „Dazu kön­nen wir ak­tu­ell lei­der noch nicht viel sa­gen, da un­sere Re­gis­trier­kasse erst in den nächs­ten Wo­chen ein­tref­fen sollte.“ Der neue Wind dürfte sich im Wein­gut Jor­dan je­doch in Gren­zen hal­ten, da auch das bis­he­rige Ta­ges­ge­schäft etwa die nach­träg­li­che, elek­tro­ni­sche Ver­zeich­nung der Ab-Hof-Ver­käufe im Kel­ler­buch be­inhal­tet und der Groß­teil der Rech­nun­gen oh­ne­hin be­reits per Über­wei­sung be­gli­chen wird. Auch im Hin­blick auf mög­li­che Ge­fah­ren, die durch die Re­gis­trier­kas­sen­pflicht auf­kom­men, gibt sich der Be­trieb op­ti­mis­tisch und sieht in den ge­setz­li­chen Neue­run­gen auch Vor­teile: „Ge­fah­ren se­hen wir in der Re­gis­trier­kas­sen­pflicht keine, Vor­teil ist be­stimmt die ta­ges­ak­tu­elle Wein­stands­er­fas­sung.“

Al­len­falls ein hö­he­rer ad­mi­nis­tra­ti­ver Auf­wand wird durch die neuen Be­stim­mun­gen be­fürch­tet, was bei­spiels­weise die Ad­ap­tie­rung der vor­han­de­nen Be­leg­vor­la­gen für das bal­dige Re­gis­trier­kas­sen­sys­tem in­klu­diert. Bis jetzt be­steht für an­dere, die un­ter Um­stän­den selbst noch auf ihre Re­gis­trier­kasse war­ten, kein Grund zur Pa­nik. Bis zum 31. März sieht der ge­setz­li­che Fahr­plan noch keine straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen vor. Auch bis zur Jah­res­mitte sind noch kei­ner­lei Stra­fen ver­an­schlagt, so­fern es ge­gen­über Kon­troll­or­ga­nen mög­lich ist, plau­si­ble Gründe für die feh­lende Ein­hal­tung der neuen Be­stim­mun­gen an­zu­ge­ben. Erst da­nach ist die Re­gis­trier­kas­sen­pflicht auch fi­nanz­straf­recht­lich voll­ends in der Ge­wer­be­welt an­ge­kom­men.

Text: Cor­ne­lius Bin­der
Bild: Pixabay, mo­rit­z320

One comment on “Let’s talk about … Registrierkassenpflicht.

  1. Da fällt mir ein win­zi­ger Heu­ri­gen­be­trieb ein, der 1 x pro Jahr 4 Wo­chen auf­sperrt und in die­ser Zeit ca. 20.000 Euro um­setzt. Sol­len die jetzt auf Bank­ein­zug um­stel­len und dar­auf ver­trauen, dass die Kon­ten ih­rer Gäste ge­deckt sind oder sol­len sie sich um ca. 4.000 Euro ein Kas­sen­sys­tem kau­fen?

    Die Ant­wort war ein­deu­tig, ”wir sper­ren ab heuer nicht mehr auf”!

    Ich ver­steh die Fa­mi­lie!!!

    Dar­über hin­aus wer­den die wirk­lich gro­ßen Be­träge auch wei­ter­hin an der Fi­nanz­amts­kassa vor­bei­strö­men .…..

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