Let’s talk about … Mohnzelten!

Waldviertler Mohnzelten und ihre Geschichte. Gibts was besseres?Sie sind ein Snack aus dem Fundus der traditionellen österreichischen Küche. Egal ob als Appetitstiller und Jause für zwischendurch oder auch als Dessert sind sie nicht nur auf vielen regionalen Märkten erhältlich, sondern haben bisweilen auch bereits den Sprung in die Regale Supermärkte geschafft.

Und damit Hallo zu einem weiteren Let’s talk about: Ihre Ursprungsregion ist das Waldviertel. In bäuerlichen Schichten waren sie der schnelle Energielieferant bei Holz- oder Feldarbeiten. Und auch als Festtagsgebäck wurden sie verzehrt, so beispielsweise am Heiligen Abend. Die Mohnzelten. Da man auf den ersten Blick beim Namen „Zelten“ vermutlich sofort an das Zelt als Campingbehausung denkt, benötigt der Name wohl generell eine Klärung. Die hier anklingende Bedeutung des Wortes  „Zelten“ stammt aus früheren Sprachstufen des Deutschen. Etwa im Mittelhochdeutschen, der Sprachform des Mittelalters, steht die Bezeichnung „zelte“ für „flaches Backwerk“, „kuchen“ oder „fladen“.

Natürlich ist neben dem Erdäpfel-/Kartoffelteig die Mohnfülle zentral für die Mohnzelten. Je nach genauem Rezept besteht sie überwiegend selbstverständlich aus Mohn, sowie Zucker, Butter und unter Umständen auch einem Schuss Rum. Der Mohn, der etwa in waldviertlerischen Mohnzelten zum Einsatz kommt, ist eine Sorte des Schlafmohns (lateinisch papaver somniferum), die sich durch ihre grauen Samen auszeichnet. Diese Sorte ist als Waldviertler Graumohn bekannt und auch als Herkunftsbezeichnung EU-rechtlich geschützt.

Insgesamt ist der Mohn als Ganzes eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Vermutungen datieren den Anbau noch in die Jungsteinzeit und frühe Belege für einen Verzehr in Europa stammen bereits aus der Zeit zwischen 4.000 und 3.000 vor Christus. Obwohl die botanischen Ahnen des Mohns heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen sind, besitzt er eine reiche Geschichte, die sich quer durch alle Epochen, Kulturkreise, Nationen und Reiche bis hinauf in die Moderne zieht. So ist aus Antike und Mittelalter etwa eine Verwendung als Nahrungsmittel und Gewürz ebenso belegt, wie der Gebrauch als Heilmittel bzw. als Rohstoff für Öl. Ein Teil der Kulturgeschichte des Mohns gründet sich dabei auch auf seine berauschende Wirkung. Auch wenn der Waldviertler Graumohn einen äußerst geringen Gehalt der fraglichen Stoffe enthält, ist die Mohnpflanze an sich dennoch der Rohstoff für Opium. Gleichzeitig ist er jedoch auch ernährungstechnisch wertvoll, dank seines Reichtums an Mineralstoffen, Proteinen und essentiellen Fettsäuren.

Österreichweit ist das Waldviertel heute das Hauptanbaugebiet des Mohns. Die Anbaugeschichte reicht hier bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurück und profitiert vor allem von den klimatischen Gegebenheiten des Waldviertels. Die weitgehende Frostunempfindlichkeit der jungen Pflanze ermöglicht beispielsweise eine frühe Aussaat, was den raueren Bedingungen des Waldviertels sehr entgegenkommt. Auch die kühlen Nächte und langen Sommertage der Region unterstützen das Wachstum der Pflanzen.
In historischer Hinsicht nimmt der Mohn jedoch nicht nur dank seiner Eignung fürs waldviertlerische Klima beinahe den Platz eines dortigen Grundnahrungsmittels ein. Auch die lange Haltbarkeit sowie die vielseitige Verwendbarkeit sprechen für den Mohnanbau.

In diesem Sinn sind die Mohnzelten nur ein Vertreter einer Reihe von althergebrachten Speisen, die auf Mohn basieren. Man denke hier etwa nur an die berühmten Mohnnudeln, die ebenso für den Platz des Mohns in der heutigen Tischkultur sprechen.

Text & Bild: Cornelius Binder

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